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Winsen Leben auf dem Lande um 1885 war hart, anstrengend und gefährlich
Celler Land Winsen Leben auf dem Lande um 1885 war hart, anstrengend und gefährlich
14:38 13.06.2010
Von Karin Dröse
Felicitas Bergner zeigt Feuereimer aus Leder und - Karte von 1889
Felicitas Bergner zeigt Feuereimer aus Leder und - Karte von 1889 Quelle: nicht zugewiesen
Winsen (Aller)

„Der Ort war ländlichbäuerlich geprägt und die Menschen waren Selbstversorger. Sie haben den sandigen Boden bewirtschaftet, Vieh gezüchtet, Kleidung und Gebrauchsgegenstände selbst hergestellt und wenige Produkte wie Butter verkauft.“

Die offene Feuerstelle im Bauernhaus war die einzige Wärmequelle. Dort wurde gekocht und der Schinken hing zum Räuchern unter der Decke. Vom Feuer ging eine große Gefahr aus, denn wenn die Flammen sich unkontrolliert ausbreiteten, stand schnell der ganze Hof in Flammen. Das Löschen eines Brandes war damals mühsame Handarbeit. „Jeder Haushalt war verpflichtet, einen Feuerlöscheimer bereitzustellen“, erklärt Felicitas Bergner. Diese Eimer waren nahezu komplett aus Leder. Holzstäbe sorgten für Standfestigkeit. Das Leder wurde mit dem Fett, das beim Räuchern der Schinken herausquoll, eingeschmiert und so wasserdicht gemacht. Brannte ein Gebäude, waren alle verpflichtet, beim Löschen zu helfen. Mit den Ledereimern wurde Wasser geschöpft und der Brand bekämpft. Oft vergeblich: Auch der Kalandhof, eines der Gebäude des Winser Heimatvereins, wurde einst durch ein Feuer vernichtet und wieder neu aufgebaut.

Verwaltung ist eines der Aspekte, die die Ausstellung, die zum 125-jährigen Bestehen des Landkreises Celle zusammengestellt wurde, beleuchtet. Früher gab es wenig Kartenmaterial, das die Entwicklung der Gemeinde Winsen darstellt. Die Verwaltung hat Kartenmaterial erstellt, weil die Höfe und ihre Größe Grundlage für die Besteuerung und die Erhebung von Abgaben waren. Alte Karten gehören ebenso zur Ausstellung wie Haushaltsgeräte, die beispielsweise für die Verarbeitung der Milch im Bauernhaus dienten. So sind Butterfässer zu sehen, mit denen in mühevoller Handarbeit der damals wertvolle Brotaufstrich hergestellt wurde.

Das Thema Nutzgärten beleuchtet die Ausstellung ebenfalls. „Die Präsentation soll die Dauerausstellungen und Aktionen ergänzen“, so Bergner. Der Arbeitskreis Bauerngarten des Heimatvereins ist derzeit dabei, ein Konzept, das Universitätsabsolventinnen für ihre Diplomarbeit erarbeitet haben, umzusetzen. Zum Internationalen Museumstag am 16. Mai wird das Thema „Ein Färbergarten für bunte Wolle“ vorbereitet. Dabei zeigen die ehrenamtlichen Arbeitskreismitglieder, mit welchen Pflanzen in alten Zeiten Textilien bunt gefärbt wurden.

Die Ausstellung

„Winsen um 1885“ heißt eine Sonderausstellung des Winser Heimatvereins, die vom 18. April bis 30. Mai im „Dat Groode Hus“ gezeigt wird. Die Ausstellung ist mittwochs und sonnabends von 15 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr und vom 1. Juni bis 31. August zusätzlich von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Den Eröffnungsvortrag hält am Sonntag, 18. April, 11.30 Uhr, Martin Stöber vom niedersächsischen Institut für Historische Regionalforschung, Hannover.

Informationen gibt es unter der Telefonnummer (05143) 8140 oder www.winser-heimatverein.de