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Winsen Bäumchen, wechsel dich: Im Winser Rat stehen wieder Veränderungen an
Celler Land Winsen Bäumchen, wechsel dich: Im Winser Rat stehen wieder Veränderungen an
18:26 04.12.2015
Von Simon Ziegler
Winsen (Aller)

Am kommenden Dienstag tagt der Winser Gemeinderat zum letzten Mal in diesem Jahr. Während in anderen Kommunen das Jahr vergleichsweise ruhig zu Ende geht, stehen in Winsen mal wieder Wahlen an. Der Gemeinderat muss die stellvertretenden Bürgermeister neu wählen, weil sich die beiden Ratsherren Jürgen Doogs und Wilhelm Redeker (DR-Fraktion) der CDU anschließen wollen.

Durch ihren Schritt haben sich die Mehrheitsverhältnisse im Rat mal wieder verändert. Das hat zur Folge, dass der wichtige Verwaltungsausschuss neu gebildet wird. Und deshalb stehen auch die Stellvertreter von Bürgermeister Dirk Oelmann zur Wahl.

Mit solchen Wahlen haben die Damen und Herren Gemeinderäte in dieser Wahlperiode eine enorme Erfahrung. Es ist das fünfte Mal seit 2011, dass über die stellvertretenden Bürgermeister abgestimmt wird. Der Rat sah kurz nach der Kommunalwahl noch völlig anders aus. Mit Abstand stärkste Fraktion war mit elf Sitzen die CDU. Doch die Fraktion zerlegte sich innerhalb weniger Jahre, zuletzt hatte sie nur noch sechs Sitze.

Damit war sie allerdings nicht die einzige. Drunter und drüber ging es auch bei der UWG. Angefangen hatte es bereits kurz nach der Wahl, als Albrecht Hoppenstedt seinen Mandatsverzicht erklärte, obwohl er die meisten Stimmen gewonnen hatte. Später verließ Fraktionschef Stefan Potratz den Rat; Redeker, der jetzt zur CDU wechselt, wurde im Mai 2012 sein Nachfolger als Vorsitzender. Eineinhalb Jahre später gründete er mit Doogs eine eigene Fraktion, DR genannt.

Auch Hans-Jürgen Giesler fühlte sich bei der UWG nicht lange zu Hause, er schloss sich der SPD-Fraktion an – genau wie der Linke Rasim Ekinci, der schon lange kein Mitglied der Linken mehr ist. Unterdessen rückte das Grünen-Urgestein Julius Krizsan in den Gemeinderat nach, überwarf sich mit Fraktion und Partei, kehrte den Grünen den Rücken und schloss sich – als Parteiloser – der SPD-Gruppe an. Im Laufe der langen Wahlperiode verließen die Bürgermeister-Kandidaten Gero von Hardenberg und Gertrud Truffel das Gremium, auch Reiner Wilke wollte nicht mehr. Zuvor hatte es ein SPD-Ausschlussverfahren gegeben.

Das größte Theater gab es zweifelsohne bei der CDU. Nach dem Streit um das Jugendzentrum verließen Fraktionschef Friedrich-Wilhelm Falke, Jannik Randolph, Frank Schilling und Marc Froemberg die Christdemokraten. Sie gründeten eine eigene Fraktion, nannten sich nach den Anfangsbuchstaben ihrer Mitglieder erst FFRS-Fraktion und später „Christlich, Demokratisch für Winsen“, kurz CDW.

Tiefpunkt für die CDU war die Dezember-Sitzung vor einem Jahr, als der Rat seine Vorsitzende Wiltrud Schumann abwählte. Den Antrag auf ihre Abberufung hatte ausgerechnet ein ehemaliger Christdemokrat gestellt: Olaf Becker sitzt seit August 2014 als Einzelkämpfer im Rat.

Während CDU und UWG schrumpften, wuchs die SPD-geführte Gruppe immer weiter. Das Gebilde „Gemeinsam für Winsen“, dem SPD, CDW sowie die parteilosen Giesler, Ekinci und Kriszan angehören, hat heute 16 Sitze. Mit Oelmann sogar 17, es ist die absolute Mehrheit. So lässt sich eine Menge gestalten.

In den vergangenen Monaten ging es im Gemeinderat und seinen Gremien wieder deutlich entspannter zu. Ob es ein Burgfrieden ist oder tatsächlich Ruhe einkehrt? Die nächsten Kommunalwahlen finden im September 2016 statt. Ob der Winser Rat bis dahin in seiner jetzigen Konstellation weitermacht? – Man weiß es nicht.

Simon Ziegler