167-Seiten-Konzept

Wietze plant mehr Klima-Engagement

In Wietze soll ein Klimaschutz-Konzept verabschiedet werden. Beim Solarpark in Jeversen wartet die Gemeinde auf Signale aus Hannover.

  • Von Simon Ziegler
  • 18. May 2022 | 16:01 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 18. May 2022 | 16:01 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Wietze.

167 Seiten umfasst das Klimaschutzkonzept. Es geht um Wohngebäude und Autoverkehr, um private Haushalte und die Industrie, um Energiebedarf und Verbrauch. Und um viele Daten. Über allem steht die Frage, was die Gemeinde Wietze machen kann, um vor Ort das Klima besser zu schützen.

Klima-Konzept als Leitfaden

Das Papier geht noch auf die vergangene Wahlperiode zurück, als die CDU-Vondracek-Gruppe den Antrag gestellt hatte, sich vor Ort beim Klimaschutz mehr zu engagieren. „Wir wollen auf der kommunalen Ebene konkret etwas machen“, sagte Christdemokrat Hellmut Thiem Anfang 2020 im Gemeinderat. Thiem, inzwischen nicht mehr im Rat, sprach sich damals dafür aus, ein Klimaschutz-Konzept für die Gemeinde aufzustellen. Die Grünen lobten die Initiative. Ein Ergebnis war, dass die Gemeinde mit Lena Kollhorst eine Klimaschutzmanagerin einstellte. Sie hat jetzt das Konzept erarbeitet, das als Leitfaden dienen soll.

LED-Lichter an den Straßen

Bürgermeister Wolfgang Klußmann sagt, dass eine konkrete Folge sein könnte, die Straßenbeleuchtung in der Gemeinde auf LED umzurüsten. Ein anderer Punkt betrifft das Installieren von Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden. Während das neue Rathaus Solarzellen auf dem Dach hat, könnte man grünen Strom auch auf dem Schulgebäude, auf Feuerwehrgerätehäusern oder Dorfgemeinschaftshäusern erzeugen. „Photovoltaik soll dort untersucht werden, wo es möglich ist“, sagt Klußmann.

CO2-Ausstoß reduzieren

Nur: Braucht man für LED und Photovoltaik ein Klimaschutzkonzept, das monatelang erarbeitet wurde? Geht es nicht darum, zu handeln statt zu beschreiben? Klußmann sagt, das Konzept sei die Grundlage. "Planvolles Machen ist sinnvoller, als einfach nur zu machen. Es geht um die Frage, wo steckt man öffentliche Gelder rein, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren." Zudem sei das Konzept Voraussetzung, dass Fördergelder fließen.

Studie zum Wasserstoff

Wasserstoff-Studie So richtig konkret soll es erst in den kommenden Monaten werden. Das gilt auch für das Thema Wasserstoff. Im März hatte sich die Politik im Gemeinderat dafür ausgesprochen, eine Machbarkeitsstudie für das Wietzer Wasserstoff-Potenzial in Auftrag zu geben. Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein der Energiewende. Er lässt sich mit Strom aus Windkraft und Solaranlagen gewinnen und kann in Verbrennungsmotoren oder Brennstoffzellen verwendet werden. „Wir prüfen noch“, sagt der Bürgermeister. Details sollen in wenigen Wochen vorliegen.

Solarpark in Jeversen

Beim geplanten Solarpark in Jeversen wartet die Gemeinde unterdessen auf Entscheidungen des Landes Niedersachsen. Es geht um das Landesraumordnungsprogramm und die Frage, ob große Freiflächen für die Energieversorgung verwendet werden dürfen. Das Thema hat vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges eine ganz neue Dimension bekommen. Denn Getreide kommt derzeit kaum aus dem Kriegsland heraus. Folglich könnte es künftig viel dringender werden, landwirtschaftliche Flächen für die Produktion von Nahrungsmitteln und nicht für die Erzeugung von Energie bereit zu halten.

Kein Ratsbeschluss zum Solarpark

Es ist eine Grundsatzfrage, Ausgang offen. In Wietze hofft man, schnell Klarheit zu haben. Klußmann selbst lässt Zweifel erkennen, ob das Thema noch vor der Landtagswahl im Oktober abgeräumt wird. Es ist also noch vieles offen rund um das Großprojekt. Ein Ratsbeschluss liegt auch noch nicht vor. Eine Firma aus Berlin will südlich von Jeversen auf 30 Hektar grünen Strom für 7800 Haushalte erzeugen.

Über das Klima-Konzept berät der Wietzer Bauausschuss am Donnerstag, 19. Mai, im Bürgersaal. Beginn ist um 19 Uhr.