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Wietze Hornbosteler sorgen sich wegen geplanter Flüchtlingsunterkunft um ihre Kinder
Celler Land Wietze Hornbosteler sorgen sich wegen geplanter Flüchtlingsunterkunft um ihre Kinder
17:42 11.12.2015
Hornbostels Ortsbürgermeister Jürgen Vondracek, Bürgermeister Wolfgang Klußmann und Verwaltungsvize Nicole Jürgensen (von links) stellten sich am Donnerstag den Fragen der Bürger. Die ehemalige Gaststätte "Heidekrug" (kleines Foto) soll ab Februar bis zu 45 Flüchtlinge beheimaten.  
Hornbostels Ortsbürgermeister Jürgen Vondracek, Bürgermeister Wolfgang Klußmann und Verwaltungsvize Nicole Jürgensen (von links) stellten sich am Donnerstag den Fragen der Bürger. Die ehemalige Gaststätte "Heidekrug" (kleines Foto) soll ab Februar bis zu 45 Flüchtlinge beheimaten.   Quelle: Michael Schäfer
Hornbostel

Müssen die Hornbosteler Angst um ihre Kinder haben, die täglich an der Bushaltestelle vor der geplanten Flüchtlingsunterkunft auf den Schulbus warten? Ein Teil der Bürger äußerte bei einer Informationsveranstaltung am Donnerstagabend genau diese Bedenken. Knapp 250 Hornbosteler kamen im Dorfgemeinschaftshaus, nur wenige Meter von dem noch leerstehenden Gaststättengebäude, zusammen, um von Bürgermeister Wolfgang Klußmann, Ortsbürgermeister Jürgen Vondracek und Nicole Jürgensen, Leiterin Bürgerservice, über die neue Nutzung des "Heidekrugs" Informationen zu bekommen.

Ab Februar soll die ehemalige Gaststätte an der Winsener Straße als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. Wie sehr diese Entscheidung die Hornbosteler bewegt, zeigte der Besucheransturm: Rund 100 Besucher ergatterten keinen Sitzplatz mehr und nahmen stehend an dem Informationsabend teil.

Gleich zu Beginn korrigierte Klußmann frühere Meldungen über die Anzahl der Flüchtlinge, die in der Gaststätte untergebracht werden sollen. "Laut jetzigem Plan wird der 'Heidekrug' Platz für 40 bis 45 statt 80 Personen bieten", sagte der Bürgermeister. Der neue Eigentümer, die Lindhorst-Gruppe aus Winsen, werde das Hauptgebäude der ehemaligen Gaststätte umbauen und dann mit 550 Quadratmetern Wohnfläche der Gemeinde Wietze zur Miete anbieten.

"Welche Betreuung ist für die Flüchtlinge vorgesehen?", wollte ein Hornbosteler in der Fragerunde wissen, die sich an Klußmanns Vortrag anschloss. "Die Betreuung kann nur ehrenamtlich geschehen, dafür brauchen wir Menschen, die sich engagieren", antwortete der Bürgermeister. Den Vorwurf einer Winserin, die Verantwortung auf die Bürger abzuwälzen, wies Klußmann vehement und empört zurück: "Integration kann nicht in der Dienstzeit von 8 bis 16 Uhr erfolgen, sondern muss durch Ehrenamtliche geschehen. Ich bitte um Ihre Hilfe." Die Integrationsbeauftragte Afshan Ahmed sei Bindeglied zwischen Flüchtlingen und Ehrenamtlichen.

Mehrere Hornbosteler äußerten sich besorgt wegen der am "Heidekrug" gelegenen Bushaltestelle, an der morgens viele Grundschüler auf den Bus warten. "Könnte man die Kinder eventuell woanders einsammeln?", fragte ein Bürger und erhielt von den meisten Anwesenden Applaus. Bürgermeister Wolfgang Klußmann versuchte zu beschwichtigen und rief zu einer Willkommenskultur voller Offenheit statt Ablehnung auf: "Das wäre doch ein völlig falsches Signal, wenn wir die Bushaltestelle dort wegnehmen würden. Lassen Sie uns Vertrauen haben, dass wir den Menschen offen begegnen können." Polizist Uwe Haß unterstützte Klußmann: "Die Gefahr, dass eure Kinder vom Auto angefahren werden, ist viel größer als von Flüchtlingen angemacht zu werden."

Von Amelie Thiemann