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Wietze Wietze soll riesiges Logistikzentrum erhalten
Celler Land Wietze

Bosch will umziehen: Wietze soll riesiges Logistikzentrum erhalten

19:00 18.05.2021
Von Christian Link
In Bremen betreibt BLG Logistics ein riesiges Hochregallager für Tchibo. Nun plant der Logistikdienstleiter ein etwas kleineres Distributionszentrum in Wietze, wo Heizungsteile von Bosch gelagert und veredelt werden sollen.
In Bremen betreibt BLG Logistics ein riesiges Hochregallager für Tchibo. Nun plant der Logistikdienstleiter ein etwas kleineres Distributionszentrum in Wietze, wo Heizungsteile von Bosch gelagert und veredelt werden sollen. Quelle: BLG Logistics
Wietze

Der größte Heizungsbauer Europas liebäugelt mit dem Standort Wietze. Der Milliardenkonzern Bosch Thermotechnik will sein Logistikzentrum für Norddeutschland vom Hamburger Hafen an die Industriestraße verlegen. Für die Gemeinde würde das viele neue Arbeitsplätze und Gewerbesteuern bedeuten – aber auch eine deutliche Zunahme des Lkw-Verkehrs.

Das neue Logistikzentrum Wietze würde den kompletten südlichen Bereich des Gewerbegebiets füllen. Kernstück des fünf Hektar großen Grundstücks wäre eine rund 19.000 Quadratmeter große Halle mit einem Hochregallager für Heiztechnik. „Alles, was ein Monteur für eine Heizung braucht, wird bei uns gelagert“, erläuterte Fred Stefan von der BLG Logistics Group bei der Projektvorstellung im Infrastrukturausschuss der Gemeinde Wietze.

Bosch ist nur einer von vielen Kunden des Bremer Logistikkonzerns, der zuletzt einen Jahresumsatz von 1,1 Milliarde Euro machte. „Für Tchibo betreiben wir in Bremen des größte Hochregallager Europas“, sagte Stefan. Als weitere Referenzen des Unternehmens zählte er auch Puma, Ikea, Siemens, Obi und BMW auf.

70 bis 85 Jobs am Standort geplant

Das Distributionszentrum wäre mit mindestens 70 Arbeitsplätzen verbunden, bei denen es sich überwiegend um BLG-Beschäftigte und um ein gutes halbes Dutzend Bosch-Angestellter handeln würde. „Wir sind ein tarifgebundenes Unternehmen“, sagte der BLG-Vertreter und hielt sogar bis zu 85 Jobs in der Anlage für möglich. „Wir haben auch mit Teilzeitkräften sehr gute Erfahrungen gemacht.“ Bei etwa 60 bis 70 Prozent der Angestellten werde es sich um Arbeitskräfte aus der Region handeln, bei den restlichen Jobs will BLG auf Zeitarbeiter zurückgreifen.

„Thermotechnik ist ein Saisongeschäft von Mitte August bis Mitte Dezember“, sagte Stefan. Statt der Hire-and-Fire-Methode setze BLG aber auf durchgängige Beschäftigung mit Jahresarbeitszeitkonto.

„Für die Mitarbeiter wird gesorgt. Es gibt eine Kantine, Sozialräume und die Büros sind großzügig ausgestattet“, versprach Carsten Felix vom Logistikimmobilienberater Logivest. Der Architekt stellte auch klar: „Ein Umschlagslager bedeutet viele Tore, wenig Fläche und ganz viel Verkehr. Das haben wir hier nicht.“ Die Distributionsanlage in Wietze soll vor allem als Lager- und Veredlungsfläche dienen.

Lkw-Verkehr würde deutlich steigen

Der Lkw-Verkehr soll bei 50 bis 70 Fahrten pro Tag liegen, ein großer Teil wird noch in der Nacht abgewickelt. Für das Gelände sind 100 Pkw-Stellplätze und 25 Lkw-Stellplätze geplant. Damit die Fernfahrer nicht im Gewerbegebiet übernachten, sollen sie auf dem Grundstück parken. WC-Anlage, Dusche sowie Kaffee-, Getränke- und Snackautomaten sollen dafür vorgehalten werden. „Nur eine Waschmaschine haben wir nicht“, so Stefan.

Dritte Firma im Bunde ist der spätere Vermieter „Ixocon Immobilien“. Das Unternehmen hat schon dutzende solcher Zentren in ganz Deutschland gebaut – darunter auch ein 17 Millionen Euro teures Logistikzentrum in Wolfsburg, das 2013 für die Produktionsversorgung des VW-Werks vollendet wurde. Laut Ixocon-Projektentwickler Thomas Stricker werde die Halle in Wietze zwar auf Bosch zugeschnitten, eigne sich aber auch für die Nachnutzung durch einen anderen Kunden. „Wir halten den Standort für so gut, dass wir sagen: Da ist eine Nachfolgevermarktung auf jeden Fall möglich“, sagte Stricker und zerstreute die Befürchtungen, dass die Halle nach Vertragsende mit Bosch leer stehen könnte

Gemeinde muss bei Gebäudehöhe nachbessern

Den Bebauungsplan für das Gewerbegebiet müssten die Wietzer noch geringfügig anpassen, damit eine 16 Meter hohe Halle möglich wäre. Doch Bürgermeister Wolfgang Klußmann und auch die Ratsfraktionen sahen darin kein Problem. Alle Mitglieder des Infrastruktuausschusses stimmten für das Projekt, um den Gästen ein „eindeutiges Signal“ aus Wietze mitzugeben. Die letzte Entscheidung für den Standort ist nämlich noch gefallen, es gibt noch einen Konkurrenten, der allerdings nicht Favorit sei. Felix: „Es ist gewünscht, nach Wietze zu kommen.“

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