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Wietze Samira Alp: „Ich kann nicht anders“
Celler Land Wietze

23-Jährige aus Hambühren erlernt in Wietze den Beruf der Erzieherin

16:20 17.02.2021
Samira Alp beschäftigt sich mit der zweijährigen Paulina.
Samira Alp beschäftigt sich mit der zweijährigen Paulina. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Wietze

Es dauert noch anderthalb Jahre, dann ist die Hambührenerin Samira Alp fertige Erzieherin. Staatlich geprüft. Dann hat sie eine insgesamt dreijährige Teilzeitausbildung in der Fachschule Sozialpädagogik in der Albrecht-Thaer-Schule erfolgreich absolviert.

92 junge Menschen wollen sich im Kinder kümmern

In der Fachschule Sozialpädagogik werden Erzieher ausgebildet. Diese Ausbildung schließt direkt an die Berufsfachschule Sozialpädagogischer Assistent an. In der zweijährigen Vollzeitausbildung befinden sich zurzeit 53 Schüler (Unterstufe: 26, Oberstufe: 27). In der dreijährigen berufsbegleitenden Ausbildung sind insgesamt 39 Schüler. „Diese Ausbildungsform ist im Grundsatz ein guter Anfang, um den Beruf des Erziehers aufzuwerten“, stellt Christopher Gaede, Chef des Kindergartens Kükennest in Wietze, fest und gibt zu bedenken: „Für die Auszubildenden ist es meiner Meinung nach eine wunderbare Alternative, da sich so auch in der Ausbildung etwas Geld verdienen lässt.“ Aus seiner persönlichen Erfahrung heraus sei es sehr fordernd, neben der Ausbildung noch einen anderen Job machen zu müssen, um Miete und andere Kosten decken zu können.

Christopher Gaede vom Wietzer Kindergarten "Kükennest". Quelle: Gaede

Unbefristet und in Teilzeit in Wietze tätig

„Ja, insgesamt dauert das alles ganz schön lange – fünf Jahre“, blickt Samira Alp (23) zurück. „Aber Berufe auf diesem Qualitätsniveau brauchen diese Zeit.“ Sie hat bereits eine zweijährige Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin hinter sich und hat sich dann dazu entschlossen, eine unbefristete Teilzeitstelle im Kindergarten der Gemeinde Wietze anzunehmen. Deshalb ist sie drei Tage in der Kita und donnerstags und freitags in der Fachschule. „Dadurch habe ich einen sehr guten Bezug zur Praxis und kann ständig das Gelernte, mein neues Wissen aus der Schule hier einbringen“, sagt die von ihrer Arbeit total begeisterte junge Frau.

Sie selbst war jüngstes von sieben Kindern

Als jüngstes von insgesamt sieben Kindern kennt sie das Leben in einer großen Familie: „Mit Geschwistern ist immer was los im Haus“, gibt sie Einblicke in die sie prägenden Lebensumstände. „Das war eigentlich ganz schön, so als Jüngste der Liebling von allen zu sein und ständig betüddelt zu werden.“ Ihre Eltern seien aber immer sehr gerecht gegenüber allen Kindern. Vor 35 Jahren sind die aus dem kurdischen Gebiet in der Türkei nach Deutschland gekommen.

Familie hat in Hambühren Fuß gefasst

Seit 21 Jahren lebt die Familie in Hambühren. Hier hat sie Fuß gefasst, hier fühlen sich alle wohl. Hier ging Samira in die Grundschule, in der Realschule machte sie ihre Mittlere Reife. „Ich wollte schon immer im Kindergarten arbeiten – oder auch in der Krippe“, bringt Alp ihre Motivation zum Ausdruck. „Ich kann nicht anders“, sagt sie und schildert, wie sie mit ihren Cousins umgeht und dass sie immer wieder als Babysitter im Einsatz war. „Das war wohl der Auslöser, dass ich mich für diesen Beruf entschieden habe“, vermutet Alp.

Beruf attraktiver machen

Ein Studium an einer Hochschule kam für sie nicht in Frage. „Aber auch hier werden wir zu Leitungskräften ausgebildet und können mit pädagogischem Fachwissen Verantwortung für Kinder und Jugendliche übernehmen.“ Die Auszubildenden und die Einrichtungen haben durch dieses System eine höhere Chance, langfristig an Personal zu kommen und Personal schon während der Ausbildung zu gewinnen. „Die Auszubildenden haben durch entsprechende Verträge die Möglichkeit, auch nach der bestandenen Prüfung in ein Arbeitsverhältnis übernommen zu werden“, sagt Gaede. Alles in allem sei es ein guter Anfang, um den Beruf attraktiver zu machen. „Aber es müsste in Niedersachen an anderen Stellen etwas verändert werden, um langfristig eine Verbesserung zu erreichen und dem Fachkräftemangel Herr zu werden.“

Die angehende Erzieherin Samira Alp liebt es, sich um Kinder zu kümmern. Die zweijährige Paulina genießt die Unterstützung beim Essen vom gelben Teller. Quelle: Lothar H. Bluhm

„Man lernt so viel von den Kindern“

Jetzt sitzt Samira Alp mit der zweijährigen Paulina beim Mittagessen in der Krippe des Kindergartens Kükennest. Corona-Notbetreuung ist das Stichwort, auch in der Spatzengruppe. Anschließend malen die beiden mit den dicken bunten Wachsmalern. „Man lernt so viel von den Kindern“, sagt sie und stellt fest, dass der gelegentliche Perspektivwechsel sehr wichtig für sie ist: Einfach hinterfragen, neugierig sein, Gründe für Tun oder Lassen erforschen.

Kontakt zu den Kindern während Coronazeit

Auch das Personal in der Kindertagesstätte Kükennest hat sich Gedanken gemacht, wie jetzt während der Corona-Zeit der Kontakt zu den Mäuse-, Schmetterlings-, Spatzen- und Bienen-Kindern aufrechterhalten werden kann. „Wir haben einen persönlichen Brief mit der Bitte um Rückantwort durch die Kinder - also eine Art Brieffreundschaft zwischen Kindern und Erziehern – kreiert und abgeschickt“, sagt Gaede. 76 Kinder besuchen die Kita, in der 15 Mitarbeiter tätig sind. Plus drei Auszubildende. „Es lagen verschiedene kreative Anregungen für die Kinder mit in dem Brief. Mit den Kindern aus den Notgruppen wurde einen Schriftzug entworfen und gestaltet, der schon neben dem Haupteingang der Kita hängt. – Auch eine Idee unseres ganzen Teams. Aber: Die Kinder fehlen uns schon!“

Die ersten drei Jahre sind wichtig

Samira Alp hält die ersten drei Jahre in der Entwicklung der Kinder für prägend und sehr wichtig. „Das Schöne ist, dass ich die Kinder bei ihrer Entwicklung begleiten kann, beim Sprechen, beim Laufen lernen, bei den ersten Schritten, beim Essen. „Die ersten drei Jahre sind die interessantesten…“

Bettine Wenau ist Bildungsgangleiterin der Fachschule Sozialpädagogik an der Albrecht-ThaerSchule-BBSIII Celle. Quelle: cz

Nachgefragt bei Bettine Wedau

Bettine Wenau ist Bildungsgangleiterin der Fachschule Sozialpädagogik an der Albrecht-ThaerSchule-BBSIII Celle.

Wie lange dauert die Ausbildung zur Erzieherin?
Die Vollzeitausbildung dauert zwei Jahre. Wir bieten die Ausbildung aber auch berufsbegleitend an. Dann dauert sie drei Jahre.

Worum geht es in der Ausbildung?
Die Ausbildung qualifiziert zur Erstkraft in sozialpädagogischen Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Wohngruppen oder anderen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Schon während der Ausbildung findet eine kontinuierliche Verzahnung von Theorie und Praxis statt. Dazu kooperiert die Schule mit unterschiedlichen sozialpädagogischen Einrichtungen. Die berufliche Ausbildung findet in Modulen statt, die wiederum in Lernsituationen unterteilt sind. Das sind Handlungssituationen aus dem beruflichen Alltag, die konkrete Aufgaben, Fragen oder Problemstellungen aufgreifen und gelöst werden müssen. Sie sind Ausgangspunkt für ganzheitliche Arbeits- und Lernprozesses. Auf diese Weise entwickeln die Studierenden Kompetenzen, die sie in ihrem zukünftigen Beruf handlungsfähig machen. So wie wir Kinder und Jugendliche zum forschenden Lernen anregen möchten, geht es auch in der Ausbildung darum, neugierig zu sein und mit anderen Menschen gemeinsam zu lernen. Zur Ausbildung gehören neben sozialpädagogischen Themen auch musische Bereiche. So kann man bei uns zum Beispiel das Ukulele Spielen erlernen, um mit Kindern und Jugendlichen leichter musizieren zu können. Aber auch die berufsübergreifenden Fächer Deutsch/Kommunikation, Fremdsprache, Politik, Naturwissenschaften, Mathematik und Religion gehören zur Ausbildung. Neben dem Berufsabschluss „Staatlich anerkannte Erzieherin“ oder „Staatlich anerkannter Erzieher“, erwerben die Studierenden die Fachhochschulreife und 90 Credit Points, die von den Hochschulen auf einschlägige Studiengänge angerechnet werden können.

Wie gliedert sich die Ausbildung?
In der zweijährigen Vollzeitausbildung findet der Unterricht von Montag bis Freitag statt. In beiden Ausbildungsjahren führen die Schülerinnen und Schüler jeweils einen etwa neunwöchigen Praxisblock in sozialpädagogischen Einrichtungen durch, der von den Lehrkräften begleitet wird. Einer dieser Praxisabschnitte kann auch im europäischen Ausland durchgeführt werden. Als Europaschule in Niedersachsen ermöglichen wir dieses im Rahmen von Erasmus+, um auch internationale berufliche Kompetenz zu fördern. In der dreijährigen berufsbegleitenden Teilzeitausbildung kommen die Studierenden nur an zwei Tagen in der Woche zur Schule. Zusätzlich finden pro Ausbildungsjahr eine Blockwoche und zirka zwei Samstagsseminare statt. Für alle anderen Tage können Arbeits- oder Praktikumsverträge mit sozialpädagogischen Einrichtungen abgeschlossen werden. Am Ende der Ausbildung wird eine Facharbeit zu einer sozialpädagogischen Fragestellung geschrieben, sowie zwei schriftliche Abschlussprüfungen und eine praktische Abschlussprüfung absolviert.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?
Menschen, die ein offenes Herz für die Belange von Kindern und Jugendlichen haben, sind in diesem Beruf willkommen. Es ist wichtig, gerne mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten und sich auf andere einlassen zu können. Außerdem sollten sie belastbar sein und die Bereitschaft besitzen, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv und engagiert in Bildungs- und Unterstützungsprozesse einzubringen.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?
Erzieherinnen und Erzieher werden an vielen Stellen gesucht und dringend gebraucht. Dieser abwechslungsreiche Beruf bietet Arbeitsstellen in den verschiedenen Tätigkeitsfeldern mit unterschiedlichen Altersgruppen.Es bieten sich Karrierewege zu Leitungspositionen und Weiterbildungsmöglichkeiten an.

Von Lothar H. Bluhm

Erzieherin

Worum geht es?

Erzieher beobachten das Verhalten und Befinden von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, betreuen und fördern sie, analysieren die Ergebnisse nach pädagogischen Grundsätzen und beurteilen zum Beispiel Entwicklungsstand, Motivation oder Sozialverhalten. Auf dieser Grundlage erstellen sie langfristige Erziehungspläne und bereiten Aktivitäten sowie pädagogische Maßnahmen vor, die zum Beispiel  das Sozialverhalten oder die individuelle Entwicklung unterstützen. Sie fördern die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, indem sie diese zu kreativer Betätigung sowie zu freiem oder gelenktem Spielen anregen. Weiterhin dokumentieren sie die Maßnahmen und deren Ergebnisse, führen Gespräche, unterstützen und beraten bei schulischen Aufgaben und privaten Problemen.

Erzieher reflektieren die erzieherische Arbeit im Team, gegebenfalls auch zusammen mit Vorgesetzten oder Fachleuten aus Medizin, Psychologie und Therapie, und arbeiten mit anderen sozialpädagogischen Fachkräften zusammen. Zu Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigten halten sie engen Kontakt und stehen ihnen informierend und beratend zur Seite.

Wo arbeitet man? 

in Kindergärten, Kinderkrippen und Horten
Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit (zum Beispiel Jugendtreff)
in Kinder-, Jugendwohn- und Erziehungsheimen, Erholungs- und Ferienheimen
in Familienberatungs- und Suchtberatungsstellen
in Bildungs- und Tagesstätten oder Wohnheimen für Menschen mit Behinderung

Arbeitsorte:

Erzieher arbeiten in erster Linie

in Spiel-, Ess-, Bewegungs- Schlaf- und Aufenthaltsräumen
in Außengeländen (Gärten, Spielplätzen, Wäldern und so weiter)
in Klassenzimmern und Werkstätten
 

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Für die Aus- beziehungsweise Weiterbildung wird in der Regel ein mittlerer Bildungsabschluss vorausgesetzt, in Verbindung mit einer abgeschlossenen einschlägigen Ausbildung. 

Folgende Aufnahmevoraussetzungen sind möglich:

Sozialpädagogische Assistentinnen und Assistenten (mit entsprechendem Zeugnis oder Berufserfahrung)
Personen mit pädagogischen Hochschulabschluss und einschlägigen Praxiserfahrungen
Personen mit Abitur, erworben an einem beruflichen Gymnasium mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik und einem ergänzenden Praktikum
Heilerziehungspfleger, Atem-,Sprech-, und Stimmlehrer, Ergotherapeuten, Logopäden, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegern, Hebammen, Pflegepädagogen, Gesundheits- und Sozialmanager, Sporttherapeuten, Bewegungspädagogen mit Berufserfahrungen oder sozialpädagogischen Praxiserfahrungen.
Kinderpfleger mit einer mindestens zehnjährigen Berufstätigkeit in Vollzeit können über uns einen Aufnahmeantrag für die berufsbegleitende Ausbildung an die Landesschulbehörde stellen. Dazu gehört eine Kenntnisstandprüfung an unserer Schule.

Worauf kommt es an?

Verantwortungsbewusstsein
Einfühlungsvermögen und Konfliktfähigkeit
Kommunikationsfähigkeit
Psychische Stabilität
Beobachtungsgenauigkeit
 

Die Ausbildung wird überwiegend in Modulen unterrichtet, beispielsweise

Diversität und Inklusion

Professionelle Entwicklungs-und Bildungsbegleitung

Pädagogische Arbeit mit Gruppen

Kleinstkindpädagogik

Netzwerkarbeit und Qualitätsentwicklung

Erziehungs- und Bildungspartnerschaften

Reflexion und Durchführung der praktischen Ausbildung

aber auch in Schulfächern wie

Deutsch/Kommunikation

Fremdsprache/Kommunikation

Politik

Biologie

Mathematik

Religion

Was verdient man in der Ausbildung?

Die Ausbildung wird einkommens- und vermögensunabhängig von der N-Bank mit dem Aufstiegs-BAföG gefördert.

In der berufsbegleitenden Ausbildung können individuelle Arbeitsverträge mit den Trägern der sozialpädagogischen Einrichtungen zum Beispiel als sozialpädagogischer Assistent abgeschlossen werden.

17.02.2021
28.01.2021
Simon Ziegler 20.01.2021