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Südheide „Ein Bürojob wäre nichts für mich“
Celler Land Südheide

Unterlüßer René Micka bereitet sich auf Zwischenprüfung zum Metallbauer vor

16:00 18.03.2021
René Micka hat Spaß an seinem Job.
René Micka hat Spaß an seinem Job. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Unterlüß

René Micka ist einer von sieben Metallbauer-Auszubildenden, Fachrichtung Konstruktionstechnik der Firma Liemab, der Liebeneiner Metall und Anlagenbau GmbH. Und er bereitet sich jetzt auf die demnächst anstehende Zwischenprüfung vor: „Wir üben regelmäßig Theorie und Praxis“, verrät der 21-jährige Unterlüßer. „Ich werde genaue Bauteile nach Zeichnung herstellen, denn in der Prüfung ist viel Handarbeit gefragt.“ Theorie per Onlineunterricht und durch Videokonferenzen.

Im Praktikum in Beruf des Dachdeckers geschnuppert

René Micka ist Unterlüßer. Er ist hier aufgewachsen, ist hier zur Grundschule gegangen und er hat die Realschule in Faßberg besucht. In Praktikumswochen hat er in den Beruf des Dachdeckers hineingeschnuppert und beim Technologie- und Rüstungskonzern Rheinmetall gesehen, was dort ein Industriemechaniker macht. „Das hat mir bei Rheinmetall gut gefallen, während mir die Arbeit mit Holz nicht so viel Spaß gemacht hat“, unterstreicht Micka seine Neigung zum Metall.

Azubi René Micka beim Säubern von Schweißnähten. Der Auszubildende freut sich, die fertigen Produkte nach getaner Arbeit sehen zu können. Quelle: Lothar H. Bluhm

Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Unterlüß

Wie er ohnehin immer gern zupackt und unterstützt, sei es bei Arbeiten mit seinem Vater oder seinem älteren Bruder. Oder bei der Freiwilligen Feuerwehr Unterlüß. „Ein Bürojob wäre nichts für mich“, steht für ihn fest. Jetzt ist er gerade dabei, geschweißte Kabelschächte, die zwischen Schottwänden auf Schiffen, gebraucht werden, zu entgraten und zu kontrollieren.

Individuelle Lösungen aus einer Hand

„Rund 20000 unterschiedliche Artikel werden hier bei Liemab allein für den Schiffsbau hergestellt“, umreißt Geschäftsführer Markus Lerch das Spektrum: „Für Kunden aus
verschiedensten Branchen fertigen wir Metallkonstruktionen nahezu jeglicher Art. Das sind individuelle Lösungen aus einer Hand. Sowohl für Maschinen- und Anlagebauer oder für die produzierende Industrie als auch für den Landmaschinenbau oder die Schiffsindustrie.“ Stahl- und Blechbauteile, Stahlbau und Schweißgruppen und Vorrichtungsbau gehören dazu. „Wir fertigen zum Beispiel Stahlbauteile für Förderanlagen und Dunstabzugshauben für Großküchen. Auch für Kreuzfahrtschiffe.“

Geschäftsführer der  LieMab Metall- und Apparatebau in Unterlüß  ist Markus Lerch. Quelle: Lothar H. Bluhm

Geschäft wegen Corona-Pandemie kein Zuckerschlecken

Und damit nennt Lerch schon einen Punkt, der von der Corona-Pandemie recht stark betroffen ist. Insgesamt sei das Geschäft natürlich kein Zuckerschlecken und die Bedarfe seien unterschiedlich hoch, aber der Einbruch im Dezember sei schon sehr spürbar: „Corona wirkt… Und das wirkt sich auch bei uns aus: Weniger Schiffe – weniger Aufträge… .“ Daher meldet Lerch seit einiger Zeit im Rotationsverfahren für jeweils etwa fünf seiner Fachkräfte Kurzarbeit an. „Das geht nicht anders, da müssen wir flexibel sein.“

René Micka hofft auf Übernahme nach der Ausbildung

„Meine Eltern finden es gut, dass ich mich für eine Metaller-Ausbildung entschlossen habe“, weiß René Micka. „Ich bin überrascht, dass es mir so viel Spaß macht, hier zu arbeiten und es ist erfreulich, die Produkte zu sehen, die dabei herauskommen.“ Kein Wunder, dass er die Hoffnung hat, dass er nach seiner Ausbildung vom Betrieb übernommen wird.

Ausbildung nach Richtlinien für Metallbauer

Mit Feilen, Sägen und Bohren hat auch für René Micka die Ausbildung begonnen – ganz nach den Ausbildungsrichtlinien für Metallbauer. Der 500 Gramm-Hammer, der aus einem Eisenkubus gefertigt werden muss, ist durch das viele Feilen auf 250 Gramm geschrumpft.

Auch andere Betriebe kennenlernen

Dass der Betrieb Leistung erbringen muss, sei keine Frage, sagt Markus Lerch: „Aber wir versuchen, relativ druckfrei zu arbeiten. Dazu gehört auch, Bitte und Danke zu sagen, denn Geschrei hilft nicht weiter: Die Menschlichkeit zieht heute!“ Deshalb sei es auch wichtig, dass die Mitarbeiter mal rauskommen und andere Betriebe kennenlernen. „Sie müssen offen sein für Neues. Dennoch haben wir sehr viele langjährige Mitarbeiter in unserer Belegschaft.“

Fertige Produkte aus einer Hand

Immerhin habe das Unternehmen Erfahrungen aus über 25 Jahren in der Metallverarbeitung und im Sondermaschinenbau. So sorge es mit hauseigener Blechverarbeitung, Schlosserei, Zerspanung und Lackiererei dafür, dass die Kunden fertige Produkte aus einer Hand bekommen. „Das ist ideal für kleine bis mittlere Losgrößen.“ – und genau das macht den Beruf des Metallbauers für René Micka so interessant: Immer wieder was anderes…

44 Schüler lernen Metallbauer

An der Axel-Bruns-Schule Celle gibt es derzeit 44 Schüler, die Metallbauer lernen.

Joachim Kulhs ist an der BBS 2 Celle als Bildungsgangleiter zuständig für die Konstruktionsmechaniker. Quelle: BBS 2 Celle

Nachgefragt bei Joachim Kuhls

Joachim Kuhls ist an der BBS 2 Celle, der Axel-Bruns-Schule, verantwortlich für die Ausbildung der Metallbauer.

Wie lange dauert die Ausbildung zur Metallbauerin beziehungsweise zum Metallbauer?
Die Ausbildung dauert in der Regel 3,5 Jahre, kann aber um ein halbes Jahr bei guten Leistungen verkürzt werden. Wer zuvor eine einjährige Berufsfachschule, Schwerpunkt Metall, an der BBS 2 absolviert hat, kann, in Absprache mit dem Ausbildungsbetrieb, im zweiten Ausbildungsjahr starten.

Worum geht es in der Berufsschule?
In der Berufsschule erwerben die Auszubildenden die theoretischen Grundlagen für die berufliche Qualifizierung. Neben einem berufsübergreifenden Lernbereich mit den Fächern Deutsch, Politik, eventuell auch Sport und Religion, werden in berufsbezogenen Lernfeldern in der Grundstufe das Fertigen von Bauelementen mit handgeführten Werkzeugen und mit Maschinen, das Herstellen von einfachen Baugruppen und die Wartung technischer Systeme unterrichtet.
In den Fachstufen werden unter anderem das Herstellen von Konstruktionen aus Blechbauteilen, Umformteilen und Profilen, das Montieren und Demontieren von Baugruppen, das Herstellen von Stahl- und Metallbaukonstruktionen, Türen, Toren, Fenstern, Treppen, Fassaden, Geländern, Gittern und das Instandhalten von Systemen des Metall- und Stahlbaus unterrichtet.
Die Handlungen sollten von den Lernenden möglichst selbstständig geplant, durchgeführt, überprüft, gegebenenfalls korrigiert und schließlich bewertet werden. Mathematische, naturwissenschaftliche, technische Inhalte sowie sicherheitstechnische, ökonomische beziehungsweise betriebswirtschaftliche und ökologische Aspekte werden in den Lernfeldern integrativ vermittelt.

Wie gliedert sich die Ausbildung?
Die Ausbildung findet dual statt, das heißt, dass man während der gesamten Ausbildungszeit anteilig an einer Berufsschule unterrichtet und im Ausbildungsbetrieb ausgebildet wird.
Die Gesellenprüfung erfolgt in zwei Teilen. Teil 1 der Gesellenprüfung findet nach 1,5 Jahren im zweiten Ausbildungsjahr statt und zählt 30 Prozent der Abschlussnote. Die Ziele und Inhalte der Lernfelder, die bis dahin unterrichtet worden sind, sind mit den geforderten Qualifikationen für die Gesellenprüfung Teil 1 abgestimmt.
Die Gesellenprüfung Teil 2, die 70 Prozent der Abschlussnote zählt, erfolgt am Ende der Ausbildung. Hier werden die planerischen Fähigkeiten zur Realisierung technischer Systeme, sowie deren fachpraktische Umsetzung zur Herstellung eines technischen Systems geprüft. Die Gesellenprüfungen Teil 1 und Teil 2 sind jeweils in einen theoretischen und einen praktischen Prüfungsteil untergliedert.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?
Die Ausbildung ist für die zu empfehlen, die gerne mit handwerklichem Geschick Metallbauerzeugnisse, häufig Einzelteile auf speziellem Kundenwunsch, herstellen. Neben dem technologischen Know-how sollte man auch die nötige Ruhe und Konzentrationsfähigkeit mitbringen, um die notwendige Planung für die nötigen Arbeitsschritte für die Fertigung beziehungsweise Instandsetzung durchführen zu können. Ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen sowie belastbare mathematische Fähigkeiten sind von Vorteil.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Bisher ist ein Großteil der Auszubildenden von den Ausbildungsbetrieben übernommen worden. Die Auszubildenden, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht übernommen werden konnten, hatten als Metallbauer auf dem Arbeitsmarkt vielfältige Beschäftigungschancen. Sehr interessant ist auch eine Weiterbildung zum Hufbeschlagschmied, der momentan sehr gut nachgefragt ist. Sie können sich im beruflichen Werdegang auch zum Metallbau-Meister oder an einer Technikerschule weiterbilden.

Von Lothar H. Bluhm

Metallbauer

Was macht man in diesem Beruf?
Metallbauer der Fachrichtung Metallgestaltung fertigen und montieren Bauteile wie Gitter, Geländer, Metalleinfassungen und ‑verzierungen oder auch Gebrauchsgegenstände. Meist stellen sie Einzelstücke her, sei es nach Kundenwunsch oder nach eigenen Entwürfen. Dabei be- und verarbeiten sie Baustähle, legierte Stähle und Kupferlegierungen. Sie schmieden das Metall, härten, glühen, treiben, biegen, löten, nieten und schweißen es. Schließlich behandeln sie die Oberflächen der Erzeugnisse zum Schutz vor Korrosion. Bei Bedarf montieren sie die fertiggestellten Werkstücke vor Ort.
Mitunter reparieren sie auch Schmiedeerzeugnisse oder restaurieren diese.
Wo arbeitet man?
• in Metallbaubetrieben, die sich auf die Herstellung, Montage und Reparatur von gestalteten Metallbaukonstruktionen oder Schmiedeteilen für industrielle Zwecke spezialisiert haben
• in Betrieben, die kunstgewerbliche beziehungsweise historische Artikel wie zum Beispiel Kerzenleuchter, Beschläge für Möbel oder auch Waffen und Rüstungen nachbauen und restaurieren
Arbeitsorte:
• in Werkstätten
• in Werkhallen
• beim Kunden vor Ort
Darüber hinaus arbeiten sie gegebenenfalls auch bei Montageeinsätzen bundesweit
Welcher Schulabschluss wird erwartet?
Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss oder Hochschulreife ein.
Worauf kommt es an?
• Handwerkliches Geschick und Auge-Hand-Koordination (beispielsweise beim Verschrauben und Nieten der
geschmiedeten Teile oder Setzen von Schweißpunkten)
• Sorgfalt (zum Beispiel beim Zuschneiden von Metallblechen nach Schablonen)
• Räumliches Vorstellungsvermögen (beispielsweise Herstellen von Bauteilen nach technischen Zeichnungen)
• Zeichnerische Fähigkeiten (zum Beispiel Anfertigen von Skizzen und Entwürfen für Gitter, Geländer oder
Leuchten)
• Gute körperliche Konstitution und Schwindelfreiheit (wie Heben schwerer Bauteile oder Arbeiten
auf Gerüsten und Arbeitsbühnen)
Schulfächer:
• Werken/Technik (beispielsweise beim Einsatz von Werkstoffen, Werkzeugen und Maschinen)
• Mathematik (zum Beispiel beim Erarbeiten von Entwürfen)
• Physik (zum Beispiel zum Beurteilen, welcher Werkstoff für einen bestimmten Zweck verwendbar und
welche Dimensionierung eines Bauteils erforderlich ist)
Was verdient man in der Ausbildung?
Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat (in Niedersachsen):
1. Ausbildungsjahr: 770 Euro
2. Ausbildungsjahr: 840 Euro
3. Ausbildungsjahr: 950 Euro
4. Ausbildungsjahr: 1000 Euro

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