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Südheide Im Auftrag der NASA durch den Nachthimmel
Celler Land Südheide Im Auftrag der NASA durch den Nachthimmel
17:16 26.03.2019
Von Svenja Gajek
Foto: Andrea Sittig-Kramer (Mitte) und ihre Kollegen Margarita Riedel und Joachim Groß lauschen über Headsets dem Funkverkehr der Profis.
Andrea Sittig-Kramer (Mitte) und ihre Kollegen Margarita Riedel und Joachim Groß lauschen über Headsets dem Funkverkehr der Profis. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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Hermannsburg

Richtet der aufmerksame Beobachter seinen Blick in klaren Nächten gen Himmel, kann er die Schönheit der Sterne bewundern und vielleicht sogar die ein oder andere Erkenntnis gewinnen. Doch die optische Wahrnehmung stößt schnell an ihre Grenzen, so dass der Weltraum auf andere Weise erforscht werden muss, zum Beispiel in Form der Wärmebildaufzeichnung.

17 Tonnen schweres Spiegelteleskop

"Ich war völlig hin und weg, als ich die Zusage bekam“, erzählt die Hobby-Astronomin begeistert, „das war noch besser als ein Sechser im Lotto“. Die SOFIA (Stratosphären Observatorium für Infrarot Astronomie) ist eine verkürzte umgebaute Version einer Boeing 747, die mit diversen wissenschaftlichen Instrumenten und einem rund 17 Tonnen schweren Spiegelteleskop ausgestattet wurde. Von Palmdale in Kalifornien startet sie seit 2010 zu regelmäßigen nächtlichen Forschungsflügen in 14 Kilometern Höhe. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und der Nasa.

Lauter als im normalen Flugzeug

Nach einer Schulung im Deutschen SOFIA-Institut der Universität Stuttgart und weiteren Einweisungen in den USA flogen Sittig-Kramer und drei deutsche Kollegen sowie einige Wissenschaftler, Techniker und Ingenieure Ende Februar in den Nachthimmel. An Bord waren etwa 20 Menschen, die jeweils zehn Stunden lang hoch konzentriert ihren Aufgaben nachgingen. „Eigentlich fühlt es sich an, als würde man mit einem ganz normalen Flugzeug fliegen“, erzählt die Lehrerin, „es ist nur etwas lauter. Aber wir hatten alle Kopfhörer mit Mikrofonen, um uns zu verständigen und dem Funkverkehr der Mannschaft zu lauschen“.

Genaue Beobachtung möglich

Zur Beobachtung wird an der linken Seite des Flugzeugs eine Tür geöffnet. Zwischen dem hinteren Drittel des Innenraumes und dem vorderen Teil befindet sich eine Wand, die verhindert, dass vorne der Druck abfällt. Das Teleskop kann nur ein wenig geschwenkt werden, die meiste Arbeit zur Ausrichtung machen die Piloten. „Sie schaffen es tatsächlich, dass immer auf den Punkt genau beobachtet werden kann“, staunt Sittig-Kramer. Schließlich wird das aufgenommene Bild auf den vielen Monitoren im Innenraum wiedergegeben.

Schulfach Astronomie wäre wünschenswert

„Wenn man das persönlich alles erfahren kann, ist das schon eine ganz andere Hausnummer, als wenn man sich die Dinge einfach nur im Internet anguckt“, so die Lehrerin. Sie bedauert, dass es in Niedersachsen kein Schulfach Astronomie gibt: „Es ist äußerst wichtig, dass wir bei den Kindern schon früh wissenschaftliches Interesse wecken. Manchmal reicht es, wenn man sie einfach mit einem Fernglas den Mond beobachten lässt.“

"Nur ein Haufen Metall"

Sittig-Kramer wird das Abenteuer wohl ihr Leben lang nicht vergessen. Besonders beeindruckt haben sie der Enthusiasmus und die Energie der Nasa-Mitarbeiter, die auch bei zweimaliger Verschiebung des Starts ihre Gäste nicht vernachlässigt haben. Dazu kamen auch noch die Befürchtungen, dass der Regierungs-Shutdown in den USA den Flug der Maschine komplett hätte verhindern können. „Eddie Zavala, der amerikanische Leiter des Projekts, sagte zu uns: ‚Ohne Leute ist die SOFIA nur ein Haufen Metall‘. Das hat mich sehr berührt.“