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Südheide Digitaldrucker: „Wir bringen Farbe aufs Papier“
Celler Land Südheide

So läuft die Ausbildung zum Medientechnologen Druck bei MHD-Druck in Celle

14:00 25.03.2021
Marvin Theilmann beim Plattenwechsel
Marvin Theilmann beim Plattenwechsel Quelle: Lothar H. Bluhm
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Hermannsburg

Hier riecht es nach Farbe und Papier, das Brummen der Elektromotoren ist unüberhörbar. Zwischen Magenta, Cyan, Black und Yellow arbeitet Marvin Theilmann an einer Heidelberger Druckmaschine Speedmaster 74–8P. Der Winser erlernt seit August 2019 den Beruf des Medientechnologen.

"Spürbare Wertschätzung"

„Das ist hier sehr angenehm: der nette Umgang miteinander und die spürbare Wertschätzung“, lobt Theilmann seinen Ausbildungsbetrieb, die MHD-Druck und Service GmbH. Broschüren, Bücher, Briefe und Prospekte, Klatschpappen und Vereinsnewsletter, Magazine, Hefte – Marvin Theilmann druckt alles. „Nöö, ich muss nicht lesen, was ich drucke, ich muss darauf achten, dass alles gut wird und ganz genau passt“, beschreibt der 21-Jährige seine Tätigkeit. „Wir bringen Farbe aufs Papier.“ Dabei dürfen keine Löcher oder Butzen entstehen, Fehler, die im Vorfeld ausgeräumt werden müssen. „Das erfordert einen genauen Blick auf die Platten, bevor es richtig losgeht.“

Marvin Theilmann bei der Qualitätskontrolle. Quelle: Lothar H. Bluhm

Umweltfreundliche Produktion alternativlos

Seit 165 Jahren gibt es die Druckerei des Missionswerks in Hermannsburg, seit fast 20 Jahren ist Jens Bockelmann Gesellschafter der MHD-GmbH, seit 2014 Geschäftsführer: „Wir gehörten mit zu den ersten Betrieben Deutschlands, die bereits vor über 15 Jahren Bio-Druckfarben einsetzten und die chemie- und wasserlose Druckplattenherstellung einführten. Für uns ist umweltfreundliche Produktion alternativlos.“ Nachhaltigkeit umfasse alle Ressourcen, denn nur ökologisch produzieren oder ökonomisch agieren reiche für wirklich gelebte Verantwortung nicht aus: „Unsere drei Säulen der Nachhaltigkeit bilden bei uns den Blick aufs Ganze. Und da gehört neben Ökologie und Ökonomie vor allem auch die tragende Säule Soziales dazu.“

Ausbilder Marc Tietje. Quelle: MHD-Druck

Überzeugter Ausbildungsbetrieb

Und für einen überzeugten Ausbildungsbetrieb gehören Auszubildende, Schüler- und Jahrespraktikanten seit vielen Jahren dazu. Zurzeit werden ein Jahrespraktikant und drei Auszubildende beschäftigt. „Durch einen vorübergehenden Personalengpass musste Marvin sehr schnell sehr eigenständig arbeiten. Und er hat das sehr gut gemeistert“, lobt Ausbilder Marc Tietje seinen Auszubildenden. „Wir versuchen, unsere Auszubildenden auch zu übernehmen, denn die tragenden Säulen im Betrieb sind alles Eigengewächse.“ Dabei sei es nicht verkehrt, sich umzusehen, andere Unternehmen und andere Formate kennen zu lernen. „Der Digitaldruck ist auf dem Vormarsch.“ Jens Bockelmann ergänzt: „Hier greifen klimaneutrale, zertifizierte Druckproduktionen, Öko-Druckfarben und Öko-Strom, Prozess-Standard-Offsetdruck, Qualitätsverfahren, Wärmerückgewinnung und der Druck auf lizenzierte Materialien aus nachhaltiger Forstwirtschaft naturliebend ineinander. Wir sind Mitglied der Allianz für Nachhaltigkeit in Niedersachsen.“

Azubi Marvin Theilmann beim Wechseln der Farbkatusche. Quelle: Lothar H. Bluhm

Er pendelt seit der fünften Schulklasse

Marvin Theilmann kennt das Pendeln seit der fünften Schulklasse, denn von Winsen fuhr er täglich eine Dreiviertelstunde mit dem Bus zur Kooperativen Gesamtschule nach Schwarmstedt. Und jetzt pendelt er von Winsen nach Hermannsburg. „Das macht mir nichts, aber ich überlege, nach meiner Ausbildung mit einem Kumpel eine Zweier-WG zu gründen – irgendwo zwischen Hermannsburg und Celle.“ Während zweier Schulpraktika stellte er für sich fest, dass er weder Informationselektroniker noch Zahntechniker werden will. „Da wurde mir aber auch bewusst, wie wichtig ein gutes Betriebsklima ist, wie wichtig der nette Umgang miteinander.“ In den Osterferien absolvierte er in Hermannsburg ein Praktikum und fand das super: „Man wird hier besser behandelt, man erhält hier immer Unterstützung. Es ist toll in so einem kleinen Unternehmen mit rund 20 Leuten.“

Homeschooling und Umsatzeinbußen

Das derzeitige Homeschooling sei zwar eine schöne Sache, aber mit Hilfen und Fragen und Antworten sei es etwas schwierig, findet Theilmann. „Ich hoffe, dass ich bald wieder zur Schule gehen kann …“ Auf eine Normalisierung der Pandemie-Situation hofft auch Geschäftsführer Jens Bockelmann, denn immerhin verzeichnet er im vergangenen Jahr einen coronabedingten Umsatzrückgang von rund 20 Prozent. Rund 30 Prozent des Auftragsvolumens kommen aus dem kirchlichen Bereich, 70 Prozent auf dem freien Markt, wobei die Otto-Group mit 15 Prozent ein Hauptauftraggeber ist.

Maria Golebiewska, Bildungsgangsgruppenleiterin aus der Druck- und Medienabteilung der bbs 2 celle. Quelle: BBS 2 Celle

Nachgefragt bei Maria Golebiewska

Maria Golebiewska ist Bildungsganggruppenleiterin des Bereiches Druck- und Medientechnik an der Axel-Bruns-Schule (BBS 2) in Celle.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Medientechnologen Druck?
Die Ausbildung dauert drei Jahre, bei entsprechenden Noten und Zustimmung vom Ausbildungsbetrieb kann man diese auch auf zweieinhalb Jahre verkürzen. Schüler, die bereits die einjährige Berufsfachschule Druck- und Medientechnik an der BBS 2 Celle erfolgreich absolviert haben, können sich diese als erstes Ausbildungsjahr anrechnen lassen und direkt im zweiten starten.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?
Der Unterricht erfolgt in Lernsituationen und in enger Kooperation zwischen fachpraktischem und fachtheoretischem Unterricht. In den drei Jahren planen die Schüler Printprodukte und fertigen diese an. Es werden alle Stationen des Printworkflows durchlaufen – vom Layouten über die Druckformherstellung bis hin zum Einrichten und Warten von Druckmaschinen, sowie der Weiterverarbeitung und Veredelung der erstellten Druckprodukte. Die Schüler steuern und kontrollieren die Druckprozesse und wenden dabei das Colormanagement an. Wie in der allgemeinbildenden Schule werden auch bei uns zusätzlich Deutsch, Politik und Englisch unterrichtet.

Wie gliedert sich die Ausbildung?
Die IHK-Zwischenprüfung findet im zweiten Lehrjahr statt. Im schriftlichen Teil werden die Grundlagen zu den unterschiedlichen Druckverfahren und eingesetzten Materialien, wie Farben oder Bedruckstoffen, abgefragt. Der praktische Teil findet für die Medientechnologen Offset im schulischen Druckmaschinenpark statt, die Prüfung in den anderen Druckverfahren, wie zum Beispiel Tiefdruck, Rollenoffset, Siebdruck oder Flexodruck, wird im Ausbildungsbetrieb durchgeführt. Hierbei müssen die Schüler Farben anmischen, mit denen sie ein vorgegebenes Druckmotiv an der Maschine drucken. Die IHK-Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung ist ebenfalls in Theorie und Praxis gegliedert. Hier müssen die angehenden Medientechnologen Druck nach dem Druckprozess unter anderem ihre Ergebnisse messtechnisch auswerten.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?
Für die Ausbildung sind besonders Menschen geeignet, die ein gutes technisches Verständnis haben. Sie sollten ein gutes Farbensehen, eine schnelle Reaktionsfähigkeit und ein hohes Verantwortungsbewusstsein haben. Ferner sollten sie neugierig sein auf immer neue Technologien und Freude am Umgang mit innovativen und technisch anspruchsvollen Maschinen haben.

Wie sind die Aussichten auf dem Ausbildungsmarkt?
Die meisten Azubis in diesem Bereich werden direkt nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung im eigenem Betrieb in eine langfristige Beschäftigung übernommen. Anschließend besteht die Möglichkeit, sich zum Beispiel zum Industriemeister Printmedien oder zum Medienfachwirt Print weiterzubilden.

Von Lothar H. Bluhm

Steckbrief Medientechnologe Druck

Was macht man in diesem Beruf?
Medientechnologen Druck stellen mit verschiedenen Maschinen und Verfahren Druckerzeugnisse her, beispielsweise Werbedrucksachen, Zeitungen, Magazine, Bücher, Verpackungen oder Tapeten. Sie analysieren die Druckaufträge auf technische Machbarkeit und prüfen, ob die Druckdaten vollständig und verwendbar sind. Weiter planen sie den Arbeitsablauf, überprüfen Druckformen, die sie zum Teil auch selbst herstellen, oder bereiten Daten für digitale Druckverfahren vor. Wenn die Druckmaschinen eingerichtet und Farbe und Bedruckstoff aufeinander abgestimmt sind, erstellen Medientechnologen Probedrucke, die den Kunden zur Freigabe vorgelegt werden. Während des weitgehend automatisierten Druckvorganges überwachen sie die Genauigkeit des Drucks und die Farbdosierung, um eine gleichbleibend hohe Qualität des Endprodukts sicherzustellen. Je nach Auftrag veredeln sie die fertigen Druckbogen durch Lackieren oder Kaschieren. Die Weiterverarbeitung zum Endprodukt (Falzen, Schneiden, Binden) kann ebenfalls zu ihren Aufgaben gehören. Nach dem Druck reinigen sie die Maschinen, prüfen deren Funktionen oder wechseln Teile aus.

Wo arbeitet man?
In erster Linie in Druckereien.
Arbeitsorte:
In erster Linie in Produktionshallen.
Darüber hinaus arbeiten sie gegebenenfalls auch in Lagerräumen.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?
Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.

Worauf kommt es an?
• Sorgfalt (zum Beispiel beim Messen und Prüfen von Ton- und Farbwerten der Druckergebnisse)
• Geschicklichkeit und Auge-Hand-Koordination (zum Beispiel beim Herstellen von Druckformen beziehungsweise beim Bestücken der Druckmaschinen mit Druckfarben)
• Beobachtungsgenauigkeit und Aufmerksamkeit (zum Beispiel beim Vergleichen der Andrucke mit den Vorgaben oder beim laufenden Überprüfen des Druckvorgangs)
• Entscheidungsfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit (zum Beispiel schnelles Eingreifen bei Störungen im Druckprozess)
• Technisches Verständnis (zum Beispiel beim Warten oder Umrüsten von Druckmaschinen und ‑anlagen)

Wichtige Schulfächer:
• Werken/Technik (zum Beispiel für die auftragsbezogene Einrichtung von Druckwerken)
• Mathematik (zum Beispiel für die Berechnung von Flächen, Gewichten und Maßen)

Was verdient man in der Ausbildung?
Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat (Industrie):
• 1. Ausbildungsjahr: 976 Euro
• 2. Ausbildungsjahr: 1027 Euro
• 3. Ausbildungsjahr: 1078 Euro

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