Sagt er gegen Bosse aus?

Polizei erwischt "Berufsverbrecher" in Beckedorf

Ein missglückter Einbruchsversuch in Beckedorf bringt die Polizei auf die Spur von Aurel A. und seiner Bande. Vor Gericht soll er gegen die Bosse aussagen.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 02. Dez. 2021 | 12:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 02. Dez. 2021 | 12:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
Anzeige
Beckedorf.

Seit Anfang der Woche muss sich Aurel A. vor dem Lüneburger Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt dem 41-jährigen rumänischen Staatsbürger zur Last, in einem Zeitraum von neun Monaten mit Komplizen 14 mal in Lagerhallen und Betriebsstätten von Landschaftsbau- und Obstbetrieben in Niedersachsen und Schleswig-Holstein eingebrochen zu sein. Im Kreis Celle war den Langfingern dann ein verhängnisvoller Fehler unterlaufen.

Verhängnisvoller Fehler ruft Polizei auf den Plan

Die Einbruchserie, die die 2. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Volker König verhandelt, begann im Landkreis Stade. In Dollern durchtrennten die Eindringlinge am 2. August 2018 einen Zaun und gelangten so auf ein Betriebsgelände. Im Handumdrehen brachen die Männer Türen einer Lagerhalle auf und klauten Motorsägen und Laubbläser. In Neu Wulmstorf (Kreis Harburg) traf es drei Wochen später den Bauhof der Gemeinde. Technische Geräte für den Grünschnitt wechselten binnen Minuten den Besitzer. In der ersten Septemberwoche 2018 schlugen die Langfinger in Soltau zu und raubten Kettensägen, Winkelschleifer, Hochdruckreiniger und Hexelmaschinen. Gesamtwert der Beute allein hier 104.000 Euro. Vor ihren Raubzügen baldowerte die Bande die Gegend jeweils genau aus. In Cuxhaven verschwanden elektronische Kantenschneider und Rasenmäher. Die Beute verstauten die Täter in einem Fahrzeug und fuhren hunderte Kilometer in den Ort Marxen in der Nordheide, um dort das Fluchtauto zu wechseln.

Fataler Fehler in Beckedorf

Obwohl die Polizei längst von der Diebesserie wusste, gelang es lange Zeit nicht, brauchbare Spuren zu sichern. Bis zu einem fatalen Fehler, den die Verbrecher in Hermansburg machten. Im Ortsteil Beckedorf trieben sich die Ganoven in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2019 herum. Im Schutze der Dunkelheit, weit nach Mitternacht, manipulierten sie an einem Bewegungsmelder herum. Doch plötzlich fühlten sich die Eindringlinge gestört und flüchteten ohne Beute. Jetzt verbuchte die Kripo einen Durchbruch: Handy-Daten eines Funkturms und DNA-Fragmente an dem abgeschraubten Lichtsensor lieferte den Experten des Landeskriminalamtes in Hannover wichtige Informationen zu einer Gruppierung, die Europol in der Datenbank „Intensivtäter“ listete.

Richter: „Nennen Sie Hintermänner!"

Der letzte Coup gelang der Bande im Alten Land. In einer zu einem Obsthof gehörenden Scheune in Hollern-Twielenfleth erbeuteten die Täter in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 2019 eine Flex, diverse Bohrmaschinen und Akkuschrauber. Wenig später gelang es Zielfahndern nach mehrwöchiger Fahndung, das Netzwerk zu zerschlagen. Der Schaden der angeklagten Taten bezifferte die Strafkammer nun auf mehr als 300.000 Euro. Richter König fand eindringliche Worte: „Hier müssen wir von professionellen Tätern ausgehen. Das ist Organisierte Kriminalität. Hier verschwinden Kettensägen. Die werden nicht bei Ebay verkauft. Nein, ganz und gar nicht. In dem Markt stecken Profis drin. Herr A., Sie sind ein Berufsverbrecher mit vielen, vielen Vorstrafen, nicht nur in Deutschland. Ganz klar: Die Taten sind über Ländergrenzen hinweg organisiert.“ König appellierte an den Angeklagten: „Nennen Sie Hintermänner und Vertriebswege.“

Bei Aurel A. löste das Richter-Statement die erhoffte Einsicht aus. Der dreifache Familienvater gestand, die Diebstähle als Teil einer Bande begangen zu haben. Für das Geständnis sicherte ihm die Kammer eine Haftstrafe zwischen fünf und fünfeinhalb Jahre zu. Jetzt muss das Landgericht die Einlassung des ehemaligen Schweißers überprüfen. Das geschieht an den nächsten Sitzungstermin, verbunden mit der Frage: Gibt er Informationen über die Bosse preis? Am Nikolaustag könnte nach derzeitiger Planung bereits das Urteil fallen.

Von Benjamin Reimers

Von