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Südheide Hintergründiger Humor vom Afrika-"Zille"
Celler Land Südheide Hintergründiger Humor vom Afrika-"Zille"
15:17 13.06.2010
George Msimango: "The Changing of the Time"; Kohlezeichnung, 1979.
George Msimango: "The Changing of the Time"; Kohlezeichnung, 1979. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Hermannsburg

Es sind Karikaturen, die aus der Zeit der Apartheid stammen, Karikaturen, die sich zwischen entlarvendem Humor und beißender Satire bewegen. Aber auch einfühlsame leise Bilder, die spüren lassen, wie weh es tut, wenn man den Ernst quasi als Witz verkaufen muss. Da wird das Zitat „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ beispielhaft dokumentiert.

Msimango erspürte die zwischenmenschlichen Themen, die den Nerv der damaligen Zeit trafen, bündelte sie mit viel Sensibilität und ließ sie – durch Zille-ähnliche Tusch- oder Kohlezeichnungen neu und präzise formuliert – auch für jene sichtbar werden, die nicht unmittelbar betroffen oder damit konfrontiert waren. Es sind zumeist Szenen aus den Townships, in denen Straßenalltag, Ausweglosigkeit und Kriminalität ebenso thematisiert werden wie ausgelassene häusliche Feiern und gelebte Religion und Tradition. Etwa wenn ein völlig verdutzter Zulu-Medizinmann im Fernseher die Mondlandung verfolgt, während er gleichzeitig im Schein einer Taschenlampe seine Wahrsage-Knochen sortiert. Oder wenn Staatsbedienstete in Uniformen karikiert werden, die ihnen offensichtlich eine Nummer zu groß sind. Oder bei der Konfrontation zwischen missionierender Kirche und dem „gefährlichen Verführer“ Zulu-Medizinmann. Leider enthalten die Karikaturen keine der bei uns üblichen Texte oder Sprechblasen, sodass es nicht möglich ist, die Gedanken der Protagonisten – im buchstäblichen Sinne – zu lesen. Der Betrachter muss sich vielmehr in die karikierte Situation hineinversetzen, um den hintergründigen Humor zu verstehen. Er muss im wahrsten Wortsinn mitdenken, um sich einen Zugang zum afrikanischen Humor zu verschaffen. Um ihm das zu erleichtern, sind den Exponaten jeweils sorgfältig zusammengestellte Erläuterungen zu den abgebildeten Szenen beigefügt.

●Öffnungszeiten: Die Ausstellung im Ludwig-Harms-Haus in Hermannsburg, Harmsstraße 2, ist bis zum 22. November zu sehen. Sie ist geöffnet montags bis samstags von 8.30 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

Hintergründiger Humor vom Afrika-„Zille“

Karikaturen von George Msimango im Ludwig-Harms-Haus in Hermannsburg zu sehen

Mondlandung auf afrikanischem Fernsehbildschirm: George Msimangos Kohlezeichnung „The Changing of the Time“ aus dem Jahr 1979.

Konfrontation zwischen Missionar und Zulu-Medizinmann: George Msimangos Kohlezeichnung „The Angry Reverent and the Witchdoctor“ von 1981.

Von Rolf-Dieter Diehl