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Südheide Gelebtes Mittelalter im Örtzepark: Wo Darsteller ihr Hobby zum Beruf machen
Celler Land Südheide Gelebtes Mittelalter im Örtzepark: Wo Darsteller ihr Hobby zum Beruf machen
13:20 13.06.2010
2. Deutsche Meisterschaft der Ritterschaften in Hermannsburg.
2. Deutsche Meisterschaft der Ritterschaften in Hermannsburg. Quelle: Eike Frenzel
Hermannsburg

Gegen 18 Uhr erhält Moritz, der treue Haflinger, endlich eine Pause: Runter mit der Covertiure, dem bunten Überwurf, ran an das frische Heu. Und auch Ritter Thomas von Alpstein, mit dem Moritz zwei Stunden voll aufgerüstet über die Stechbahn preschen musste, kann endlich Kettenhemd und Helm ablegen und sich ein Met genehmigen: „Die Anspannung fällt langsam ab, jetzt gehen wir zum gemütlichen Teil über“, freut sich der 30-jährige Chemnitzer, der eigentlich Krause mit Nachnamen heißt, Diplom-Ingenieur ist und mit den Freien von der Karlshöhe an den 2. Deutschen Rittermeisterschaften in Hermannsburg teilnimmt.Für Ross und Reiter beginnt nach dem Turnierspektakel das Lagerleben – Feierabend bei den Rittern. Durch die Zeltstadt und über den historischen Markt weht das Mittelalter. Überall vor den bunten Behausungen sind Feuerstellen entfacht, Fleisch zischt in den Töpfen, unter das Pferdegewieher mischen sich die Klänge von Trommeln und Sackpfeife. Jetzt offenbart sich die eigentliche Herausforderung für die rund 300 Akteure der Veranstaltung: Die möglichst authentische Verkörperung des Mittelalters: Geraucht wird nur heimlich und in der hohlen Hand, Flaschenbier umgehend in ein Tongefäß gefüllt, Handys verschwinden unter den Fellen der Schlafstätten oder in einer Tasche des Waffenrocks und wer sich in der Rittergasse begegnet, ruft sich ein „Gott zum Gruße zu.“ Die Ritter, die eben noch waffenstarrend gegeneinander angetreten sind, pflegen ihre Rüstungen, fachsimpeln an der Tafel sitzend über Lanzenlängen und Schwertstärken. Wer den Schweiß der vergangenen Stunden loswerden will, begibt sich in den Waschzuber, dessen Wasser Rudi, der Bader aus Thale im Harz, auf Wunsch mit ätherischen Ölen anreichert. Es ist eine kleine, detailverliebte und entschleunigte Parallelwelt aus Leder, Eisen, Holz oder Leinen, in die die Darsteller eintauchen und von denen wohl nicht wenige die Einschätzung einer Hamburger Rittersfrau teilen würden: „Wer das Mittelalter richtig lebt, macht seinen Beruf irgendwann zum Hobby.“ Eintauchen ins Mittelalter: Laura aus Oldendorf, Marina und Daniel aus Hermannsburg sowie Finn aus Faßberg (von links) baden in Rudis Zuber wie die einst Ritter. Lagerfeuerromantik mit den norddeutschen Lynebroker.Ritterleben inHermannsburg

Von Eike Frenzel