Bunker-Detonation

Explosion kostet Rheinmetall eine Million Euro

Vor über einer Woche explodierte ein Rheinmetall-Bunker in Unterlüß. Muss das Gewerbeaufsichtsamt Celle den Rüstungskonzern stärker kontrollieren?

  • Von Simon Ziegler
  • 19. Nov. 2021 | 16:05 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 19. Nov. 2021 | 16:05 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Unterlüß.

Die Explosion eines Munitionsbunkers hat beim Rüstungskonzern Rheinmetall für einen Sachschaden von rund einer Million Euro gesorgt. Das gab Unternehmenssprecher Oliver Hoffmann auf CZ-Anfrage bekannt. Die Aufräumarbeiten am Schadensort seien immer noch nicht beendet.

Ursache immer noch unklar

Was die schwere Explosion in der vergangenen Woche ausgelöst hat, ist unterdessen immer noch nicht klar. Ob menschliches Versagen oder ein technischer Defekt zu der Detonation geführt hat, bleibt demnach vorerst offen. „Zur Ursache gibt es noch keine Erkenntnisse, da sowohl das behördliche wie auch das interne Untersuchungsverfahren noch laufen. Da diese Untersuchungen mit größter Sorgfalt erfolgen, rechnen wir nicht mit einem kurzfristigen Ergebnis“, sagte der Sprecher.

Ob der Konzern in Sicherheitsfragen nachrüsten muss, werde „sich aus den Ergebnissen der laufenden Untersuchungen ableiten“, so das Unternehmen. „Trotz höchster Sicherheitsstandards hat die Geschäftsleitung als Sofortmaßnahme für die Bunker auf dem Firmengelände in Neulüß einen zusätzlichen umfassenden Sicherheits-Check veranlasst“, sagte Hoffmann weiter.

Gewerbeaufsichtsamt hatte im Mai nichts zu beanstanden

Unterdessen hat das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt in Celle Stellung zu den Kontrollen der Munitionsbunker genommen. Diese werden einmal im Jahr kontrolliert. Die letzte Überprüfung fand im Mai 2021 statt. Beanstandet wurde nichts. „Die Sicherheitsstandards entsprechen den gesetzlichen Vorgaben“, sagte Behördenleiter Thomas Knobloch.

Überwachung findet stichprobenartig statt

Die Überwachung basiert auf dem Bundes-Immissionsschutzgesetz und besteht aus einer Dokumentenprüfung und einer Begehung der Bunker. „Aufgrund der Komplexität solcher Anlagen findet die Überwachung stichprobenartig statt“, erläuterte Knobloch. Die Kontrolle inklusive Begehung der Munitionsbunker dauert etwa einen Tag.

Das bedeutet: Nicht jeder Munitionsbunker wird auch jedes Jahr von der Aufsicht unter die Lupe genommen. „Die Firma Rheinmetall weiß jedoch im Vorfeld nicht, welcher Munitionsbunker stichprobenartig kontrolliert wird“, sagte der Chef der Celler Gewerbeaufsicht. Das Ergebnis der Stichprobe ermögliche eine Einschätzung, ob der Betrieb die gesetzlichen Vorgaben erfülle.

Was wird wie gelagert?

Bei der Überwachung der Munitionsbunker in Unterlüß wird konkret überprüft, was in den Gebäuden gelagert wird und wie die Explosivstoffe verwahrt werden. „Insbesondere werden hier die Einhaltung von Vorgaben bezüglich der einzulagernden Materialien, von Zusammenlagerungsverboten sowie von technischen Vorgaben überprüft. Abschließend wird stichprobenartig geprüft, ob die in der Lagerliste aufgeführten Positionen tatsächlich im Munitionsbunker vorhanden sind beziehungsweise ob dort Stoffe und Produkte stehen, die nicht in der Lagerliste aufgeführt sind“, führte Knobloch aus.

Vergangene Woche war in der Nacht zu Mittwoch mitten in der Nacht im Bereich des Werkes Neulüß ein Munitionsbunker detoniert. Produktionsteile wurden über weite Teile des Werksgeländes sowie im angrenzenden öffentlichen Waldgebiet verteilt. Durch die Druckwelle kam es auf dem Betriebsgelände in einem Radius von rund 200 Metern zu teils erheblichen Schäden an Türen, Fenstern und Wänden. In dem Bunker wurden nach Unternehmensangaben Rohstoffe und Komponenten für die Herstellung von Munition, vor allem Treibladungspulver gelagert.

Kontrollen werden nicht ausgeweitet

Trotz der Explosion wird es künftig keine Ausweitung der Kontrollen durch die Gewerbeaufsicht geben. „Aufgrund der vorläufigen Ergebnisse der polizeilichen und gewerbeaufsichtlichen Ursachenermittlung wird zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit zur Verkürzung des Überwachungsintervalls gesehen“, sagte Knobloch.