Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Südheide Ein funkensprühendes Neujahrskonzert der Spitzenklasse
Celler Land Südheide Ein funkensprühendes Neujahrskonzert der Spitzenklasse
13:17 13.06.2010
Das Göttinger Symphonie Orchester mit Stargast Reinhold Friedrich (Trompete) beim Neujahrskonzert im Unterlüßer Freizeitzentrum
Das Göttinger Symphonie Orchester mit Stargast Reinhold Friedrich (Trompete) beim Neujahrskonzert im Unterlüßer Freizeitzentrum Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Unterlüß

UNTERLÜSS. Gastsolist war der zurzeit wohl beste deutsche Trompetenvirtuose Reinhold Friedrich. Die rund 450 Gäste im ausverkauften Unterlüßer Freizeitzentrum erlebten unter dem Motto „Karneval in Venedig“ ein Konzert der Spitzenklasse. Als furiosen Einstieg ließ Mueller ihnen Dvoˇráks funkensprühende „Karneval“-Ouvertüre um die Ohren fliegen – in ihrer spannenden dreiteiligen Disposition alles andere als ein Potpourri-Stück. So zielte er auch nicht auf äußeren Effekt, der im Furiant-Wirbel billig zu haben wäre, sondern ziselierte sorgfältigst ihre rhythmischen Finessen und Widerborstigkeiten heraus und verdeutlichte so auf erfrischende Weise, wie scheinbar leicht man mit purer Musizierlust das pralle Leben unverwüstlicher Partituren wecken kann. Auch in der weiteren Folge des mitreißend gestalteten Programms flogen das Grelle und Burleske, die Funken und Farben des venezianischen Karnevals in ihrer ganzen Brillanz quer durch die Orchestergruppen, etwa bei Verdis „Maskenball“ mit seinem tollkühn-dramatischen Pochen, oder bei den „Karnevalsbildern“ von Johann Strauss: Ein Straussklang allererster Güte, transparent in den Streichergruppen, virtuos in den Bläsereinwürfen. Mueller bewies einmal mehr sein Gespür für Phrasierungen, aber auch für den Variationsbedarf der vermeintlich schematischen Takte und für die mitreißenden Effekte, die leichte Akzentverschiebungen hervorzubringen vermögen.

Als absolute Sahnestücke gestalteten sich die Auftritte von Reinhold Friedrich. Mit Bravour und geradezu akrobatischer Virtuosität absolvierte der Startrompeter die atemberaubenden Parforce-Ritte über gewagte Intervallsprünge, irrwitzige Skalenläufe und berauschende Tonkaskaden. Vor allem die Tarantelle „La Napolitaine“ von Oscar Böhme und die Variationen aus Jean Baptiste Arbans „Karneval in Venedig“ – populär geworden durch den Liedtext „Mein Hut, der hat drei Ecken“ – rissen das Publikum zu wahren Beifallsstürmen hin. Ein Neujahrskonzert, wie es stimmungsvoller kaum sein könnte. Das begeisterte Publikum honorierte es mit Standing Ovations.

Von Rolf-Dieter Diehl