Ukraine-Krieg

Bischof kritisiert russische Kirchen

Bischof Dietrich Brauer aus Russland sprach in Hermannsburg. Dabei kritisierte er die Haltung der russischen Kirchen in Bezug auf den Ukraine-Krieg.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 20. Jun 2022 | 19:59 Uhr
  • 21. Jun 2022
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  • 20. Jun 2022 | 19:59 Uhr
  • 21. Jun 2022
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Hermannsburg.

Trotz besten Freibadwetters fanden sich am Samstag rund 40 interessierte Zuhörer in der Peter-Paul-Kirche in Hermannsburg ein, um „mehr zu begreifen von dem Unbegreiflichen“. So drückte es Waldemar Rausch, Referent für ökumenische Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation im Evangelisch-lutherischen Missionswerk (ELM), in seiner Anmoderation für Dietrich Brauer aus. Der war bis vor Kurzem Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) und damit zuständig für die Evangelische Kirche, die territorial ungefähr die Gebiete der ehemaligen Sowjetunion umfasste. Heute ist Brauer noch der Bischof der ELKER, die ihren Hauptsitz in der St.-Peter-und-Paul-Kirche in Moskau hat.

Enttäuschung über Haltung der Kirchen in Russland

Mit der Wahl eines neuen Erzbischofs war klar, dass Brauer, der seit Februar 2022 mit seiner Familie in Deutschland lebt, nicht mehr Oberhaupt der ELKER ist. Die Enttäuschung darüber, dass die Kirchen in Russland sich nicht stärker gegen einen Krieg positioniert haben, ist ihm anzumerken. Manchmal frage er sich, ob man den Krieg überhaupt noch als real wahrnehme. Als einen Krieg, in dem geschossen und gestorben werde. Gleichwohl widerspricht Brauer Meinungen, die besagen, man hätte diesen Krieg nach dem Überfall auf die Krim 2013 ahnen können: „Man konnte es nicht prophezeien. Alle haben gedacht, es bliebe eine geopolitische Spielerei. Keiner hat ernsthaft an einen Krieg gedacht, in dem Menschen real sterben.“

Ukraine-Krieg: Russen schweigen aus Angst vor Repressalien

Mittlerweile schweigen viele Menschen in Russland – auch weil sie Angst haben. Seit dem 24. Februar durfte in der Kirche nicht mehr von Krieg gesprochen werden. Brauer attestiert der Mehrheit der Menschen in Russland das „Stockholm-Syndrom“: die Identifikation mit einem Aggressor, der Menschen in Geiselhaft nimmt.

Demokratie und Meinungsfreiheit verteidigen

Er thematisiert, dass alle Menschen in Russland Repressionen ausgesetzt sind, gegen die sie sich höchstens durch das Bilden von Netzwerken schützen können. Trotzdem ist er entschieden der Meinung, dass es nicht der Weg einer christlichen Kirche sein könne, „für den Sieg zu beten“. Sondern dass es darum gehe, die Demokratie zu verteidigen. Er sei erstaunt, wenn er hier Demonstrierende sehe, die sich in einer Diktatur wähnten: „Unabhängige Medien, eine funktionierende Zivilgesellschaft, auch über unangenehme Dinge reden, alternative Meinungen zulassen und das schätzen, was man hat“, sei kennzeichnend für eine Demokratie.

Vertrauen in Glaubensbrüder in der Ukraine setzen

Was passiere, wenn zu lange geschwiegen wird, sehe man derzeit in Russland. In Diktaturen riskiere man sein Leben, wenn man öffentlich die Wahrheit sagt und Verbrechen und Opfer benennt. Bauer hofft darauf, dass die Kirchen in Russland, die alle die Linie Putins offiziell unterstützen, ihr Vertrauen in die Glaubensbrüder in der Ukraine setzen.

Von cz

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