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Südheide Als Blueworker bei Rheinmetall
Celler Land Südheide

Azubi als Industriemechaniker bei Rheinmetall in Unterlüß: Jan Dienelt

10:00 05.01.2021
Industriemechaniker-Azubi Jan Dienelt löst mit Umschaltknarre und Stecknuss eine Schraube am Gehäuse einer Fräse.
Industriemechaniker-Azubi Jan Dienelt löst mit Umschaltknarre und Stecknuss eine Schraube am Gehäuse einer Fräse. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Unterlüss

So präzise wie sein Haarschnitt ist, so präzise arbeitet Jan Dienelt auch. Er macht die Ausbildung zum Industriemechaniker und da ist eben auch Präzision gefragt. Aus dem umfangreichen Steckschlüsselset sucht er sich die Umschaltknarre mit der passenden Stecknuss aus, um die Schrauben zu lösen und das Gehäuse der Fräse zu öffnen. Irgendetwas hakt an der großen grünen Maschine.

Jan Dienelt bei der Arbeit. Quelle: Rheinmetall

„Das hat Hand und Fuß“

Jan Dienelt ist seit zwei Jahren Auszubildender für den Beruf des Industriemechanikers. „Das ist der klassische Schlosser in der Industrie“, findet der 19-Jährige aus Sülze. Da geht es um Instandhaltung, Reparaturen, Fertigen und Montieren von Maschinen. „Das hat Hand und Fuß“, sagt er.

Selbstständigkeit ist nichts für ihn

Bei seinem Vater und bei seinen Onkeln sieht Dienelt fast jeden Tag, was es bedeutet, selbstständig zu sein: „Selbst und ständig“, stellt er fest. „Nee, das möchte ich nicht. Und eigentlich habe ich keine Lust, zu studieren.“ Zwar sei sein Vater mit seiner Arbeit als Chef eines Schlossereibetriebes sehr zufrieden und selbst und ständig am Arbeiten, aber ihm selbst, dem Sohn, läge ein Meister oder Techniker schon viel näher.

Feste Arbeitszeiten und wettergeschützt

Bei Regen, Wind und Wetter draußen auf der Baustelle – das habe er während dreier Praktika bei einem Dachdecker, einem Zimmerer und einem Maurer erlebt. Da sei doch eine Tätigkeit im Warmen und unter einem trockenen Dach bei regelmäßiger Arbeitszeit schon besser. Jetzt repariert er gerade in seinem Ausbildungsbetrieb in Unterlüß eine Fräsmaschine, die nicht mehr präzise genug arbeitet.

Ausbildungsleiter bei Rheinmetall in Unterlüß ist Thomas Meyer. Quelle: Lothar H. Bluhm

Sicherheit ist das A und O in Unterlüß

„Und in der Produktion geht es dann darum, Teile zu einem Ganzen zusammenzubauen“, skizziert Ausbilder Thomas Meyer das Berufsbild, das auf Jan Dienelt nach dessen Ausbildung warten kann. Im Bereich der Sicherheit habe man als internationaler Technologiekonzern beispielsweise auch mit Elektromobilen zu tun, die hier auf Sicherheit getestet und deren die Eigenschaften verbessert werden. Es seien eben Sicherheit und Hightech aus der Heide, die hier produziert werden, unterstreicht Meyer. Gerade seien über 1000 Sicherheitskabinen für den Export nach Australien fertig geworden. Das erforderte präzises Arbeiten und Montieren der einzelnen aufeinander abgestimmten Teile. „Die Kabinen schützen den Fahrer und seine Mitfahrer vor äußeren Gefahren“, erklärt Dienelt. Sicherheit sei das A und O, schließlich erstreckt sich das Erprobungsgelände von Rheinmetall auf über 50 Quadratkilometern in der Südheide. „Es ist damit das größte private Test- und Versuchsgebiet in Europa.“

Ausbilderin Petra Främke Quelle: Rheinmetall

Auch Frauen haben bei Rheinmetall gute Chancen

Dienelt ist einer der „Blueworker“ bei Rheinmetall in Unterlüß. „Leider bewerben sich nicht so viele Mädchen für eine Ausbildung in diesem Beruf“, bedauert die Ausbilderin Petra Främke. Die jungen Frauen orientieren sich häufig mehr hin zu den kaufmännischen Berufen, Industriekauffrau oder so. Dabei seien die Berufschancen auch einer Industriemechanikerin nach ihrer Ausbildung durchaus recht gut: Vorarbeiterin oder Abteilungsleiterin seien möglich.

Neues Azubi-Austauschprogramm

Jetzt während der Ausbildung könnte Dienelt auch an dem neu entwickelten und im kommenden Jahr anlaufenden Auszubildendenaustauschprogramm teilnehmen. Dabei hospitieren die jungen Leute innerhalb des Rheinmetall-Konzerns für zwei bis vier Wochen an einem der deutschen Standorte. „Die sollen auch was lernen“, beschreibt der Ausbilder-Teamleiter Thomas Meyer, der das Projekt mit koordiniert, das demnächst seien ersten Durchlauf hat. In einzelnen Modulen können so vertiefte Kenntnisse vermittelt werden. „Uns ist auch wichtig, dass die jungen Leute über den eigenen Tellerrand schauen.“ Das Austauschprogramm ist für Auszubildende im dritten Ausbildungsjahr ausgelegt. „Das Grüne Licht des Unternehmens wurde gerade gegeben“, freut sich Meyer.

Ins Unternehmen integriert

Schon im ersten Ausbildungsjahr gibt es ein regelmäßiges mehrtägiges Treffen für die Auszubildenden, denn mit dem Übergang von der Schule starten die Azubis in ein ganz neues herausforderndes Kapitel in ihrem Leben. Rheinmetall bietet den neuen Auszubildenden mit der „Azubi-Einführungs-Woche“ eine Möglichkeit, sich auf den neuen Abschnitt einzustellen und mit dem Unternehmen vertraut zu machen. Überschrift: „Lernen durch Erleben“. Thomas Meyer: „Ziel der Einführungswoche ist es, unsere Neuen von Anfang an gut abzuholen und ins Unternehmen zu integrieren.“

Das Logo der Axel-Bruns-Schule Celle, der BBS 2 Celle. Quelle: Axel-Bruns-Schule

100 Schüler lernen derzeit in der Axel-Bruns-Schule (BBS 2) Celle den Beruf des Industriemechanikers.

Bildungsgangleiter für die Industremechaniker an der Axel-Bruns-Schule Celle ist Ralf Rohde. Quelle: bbs2 Celle

Nachgefragt bei Ralf Rohde

Ralf Rohde ist Bildungsgangleiter an den BBS 2 Celle und für die Industriemechaniker zuständig.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Industriemechaniker?
Die Ausbildung dauert in der Regel dreieinhalb Jahre, kann aber um ein halbes Jahr bei guten Leistungen in der schulischen und fachpraktischen Ausbildung und um ein weiteres halbes Jahr verkürzt werden, wenn der Auszubildende die allgemeine Hochschulreife hat. Dazu müssen die IHK, die Berufsschule und der Ausbildungsbetrieb zustimmen. Wer zuvor eine einjährige Berufsfachschule, Schwerpunkt Metall, an der BBS 2 absolviert hat, kann in Absprache mit dem Ausbildungsbetrieb im zweiten Ausbildungsjahr starten.

Worum geht es in der Berufsschule?
Hier erwerben die Auszubildenden die theoretischen Grundlagen für die berufliche Qualifizierung. Neben Deutsch und Politik werden auch die klassischen Lernfelder wie zum Beispiel „Fertigen von Einzelteilen mit Werkzeugmaschinen“ und „Installieren und Inbetriebnahme steuerungstechnischer Systeme“ unterrichtet. Ziel ist es, den Auszubildenden die berufliche Handlungskompetenz zu vermitteln, um später als theoriegeleitete Praktiker im Arbeitsleben zu bestehen. Ein Schwerpunkt ist daher auch der Umgang mit Tabellenwerken, Programmierumgebungen für CNC-Maschinen und SPS-Steuerungen, sowie die komplexe mathematische Berechnung von Konturpunkten und die Bestimmung von technologischen Daten. Darüber hinaus ist ein Arbeitsschwerpunkt das Planen, Realisieren und Optimieren technischer Systeme.

Wie gliedert sich die Ausbildung?
Sie ist durch die zweigeteilte Abschlussprüfung strukturiert. Die Abschlussprüfung Teil 1 findet nach eineinhalb Jahren im zweiten Lehrjahr statt und zählt 40 Prozent der Abschlussnote. Es werden die Grundlagen der maschinellen Bearbeitung mit Werkzeugmaschinen sowie Grundlagen der Elektro- und Steuerungstechnik geprüft. Die Abschlussprüfung Teil 2, die 60 Prozent der Abschlussnote zählt, erfolgt am Ende der Ausbildung. Hier werden vor allem die planerischen Fähigkeiten zur Realisierung technischer Systeme, sowie deren fachpraktische Umsetzung zur Herstellung eines technischen Systems geprüft. Die Abschlussprüfungen sind jeweils in einen theoretischen und einen praktischen Teil untergliedert. Wer diese Prüfung besteht, erhält einen Facharbeiterbrief.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?
Im späteren Beruf ist die Analyse technischer Systeme, zum Beispiel zur Fehleridentifizierung oder Systemrealisierung, eine gewichtige Kernkompetenz. Dazu muss man neben dem technologischen Know-how auch die nötige Ruhe und Konzentrationsfähigkeit mitbringen, um die notwendige Planung der für die Fertigung beziehungsweise Instandsetzung nötigen Arbeitsschritte durchzuführen zu können. Zudem lernt man das Programmieren an der Maschine oder am Computer. Daher sollten dort keine Berührungsängste bestehen. Ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, sowie belastbare mathematische Fähigkeiten sind von Vorteil. Da das Arbeiten in kleinen Teams sehr häufig ist, stellt auch die Teamfähigkeit eine Schlüsselqualifikation dar.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?
Derzeit ist es durch Corona schwer, Vorhersagen zu machen. In der Vergangenheit ist aber ein Großteil der Auszubildenden von den Ausbildungsbetrieben übernommen worden. Die Auszubildenden, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht übernommen werden konnten, hatten als Industriemechaniker auf dem Arbeitsmarkt beste Beschäftigungschancen. Darüber hinaus kann auch die Fachoberschule Technik (Klasse 12) besucht werden. Hier erlangen die Facharbeiter dann die Fachhochschulreife, um ein Bachelorstudium beginnen zu können.

Von Lothar H. Bluhm

Inustriemechaniker

Was macht man in diesem Beruf?

Industriemechaniker organisieren und kontrollieren Produktionsabläufe und sorgen dafür, dass Maschinen und Fertigungsanlagen betriebsbereit sind. Sie bauen Maschinen oder ganze Fertigungsanlagen, installieren und vernetzen sie und nehmen sie in Betrieb. Wenn ihr Schwerpunkt im Bereich Produktionstechnik liegt, richten sie Maschinen ein, bauen sie um und steuern Fertigungsprozesse.

Die Wartung und Reparatur von Betriebsanlagen und technischen Systemen gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben. Dafür wählen sie Prüfmittel aus, stellen Störungsursachen fest und tauschen zum Beispiel defekte Bauteile oder Verschleißteile aus, prüfen Lager und ziehen Schrauben nach. Gegebenenfalls stellen sie Ersatzteile mithilfe von CNC-Maschinen auch selbst her. Des Weiteren übergeben sie technische Systeme und Produkte an die Kunden und weisen sie in die Bedienung ein.

Wo arbeitet man?

Beschäftigungsbetriebe:

In Unternehmen nahezu aller produzierenden Wirtschaftsbereiche.

Arbeitsorte:

In erster Linie

• in Werk- bzw. Fabrikhallen

• in Werkstätten

Darüber hinaus arbeiten sie gegebenenfalls auch

• bei Kunden vor Ort

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.

Worauf kommt es an?

• Geschicklichkeit und Auge-Hand-Koordination (beim Montieren von Baugruppen zu Maschinen)

• Sorgfalt (beim Erstellen auftragsbezogener und technischer Unterlagen mit Standardsoftware,

beim Ausrichten und Spannen von Werkstücken)

• Technisches Verständnis und handwerkliches Geschick (beim Warten der Maschinen)

• Verantwortungsbewusstsein (Einhalten der Datenschutzvorschriften bei der Arbeit mit informationstechnischen Systemen)

• Gute körperliche Konstitution (Heben schwerer Bauteile)

Wichtige Schulfächer:

• Physik (Grundlagen der Elektro- und Steuerungstechnik)

• Mathematik (Berechnung der Maße, Volumina und Winkel für die Herstellung von Ersatzteilen)

• Informatik (für die Arbeit mit CNC-Maschinen)

Was verdient man?

(Zahlen für Niedersachsen)

Beispiel Metallhandwerk
(monatlich brutto):

1. Ausbildungsjahr: 770 Euro

2. Ausbildungsjahr: 840 Euro

3. Ausbildungsjahr: 950 Euro

4. Ausbildungsjahr: 1000 Euro

Metall- und Elektroindustrie
(monatlich brutto):

1. Ausbildungsjahr: 1000 Euro

2. Ausbildungsjahr: 1062 Euro

3. Ausbildungsjahr: 1156 Euro
4. Ausbildungsjahr: 1218 Euro

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