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Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten in Praxis in Hermannsburg

10:00 17.03.2021
Von Lisa Brautmeier
In der Praxis kümmert sich Sina Lauterbach um die Patienten. Sie hilft bei Fragen, assistiert dem Zahnarztund sorgt im Behandlungszimmer dafür, dass alle Instrumente einsatzbereit und sterilisiert sind.
In der Praxis kümmert sich Sina Lauterbach um die Patienten. Sie hilft bei Fragen, assistiert dem Zahnarztund sorgt im Behandlungszimmer dafür, dass alle Instrumente einsatzbereit und sterilisiert sind. Quelle: David Borghoff
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Hermannsburg

Für Sina Lauterbach war schnell klar, dass sie bei ihrer Arbeit auf jeden Fall etwas mit Menschen zu tun haben möchte. Das hat sie geschafft, denn sie macht eine Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten. Dabei betreut sie aber nicht nur die Patienten, sondern ist unter anderem auch für die Organisation in der Praxis verantwortlich.

Job in Zahnarztpraxis wird oft unterschätzt

Sina Lauterbach sorgt dafür, dass in der Praxis alles sauber und steril ist. Quelle: David Borghoff

Die 19-Jährige ist im dritten Lehrjahr und absolviert ihre Ausbildung in der Zahnarztpraxis am Örtzepark in Hermannsburg. Dabei assistiert sie ihrem Chef und Zahnarzt Marc Mertens. „Viele unterschätzen den Job und denken, dass man nur diejenige ist, die den Sauger bei der Behandlung hält. Dabei gibt es so vieles drum herum, was genauso wichtig ist“, meint Lauterbach, die vor ihrer Ausbildung bereits für einen Vormittag in die Arbeit hineinschnuppern konnte. Dies ist bei Bewerbungen dort üblich. „Wir können so die Kandidaten besser kennenlernen und diese bekommen einen ersten Einblick in unsere Praxis und unseren Arbeitsalltag“, sagt Mertens. Und Lauterbach war von den Aufgaben und vom Team sofort überzeugt.

Arbeiten im Labor in Hermannsburg

In der Praxis ist sie für die Patientenbetreuung vor, während und nach der Behandlung zuständig. Dafür sitzt sie auch hinter der Rezeption, macht Termine aus und nimmt die Menschen dort in Empfang. Im Behandlungsraum assistiert sie dem Zahnarzt und ist dafür verantwortlich, dass alle Instrumente vorbereitet und sterilisiert sind. Außerdem darf Lauterbach in Anwesenheit einer ausgebildeten Kraft Röntgenaufnahmen anfertigen. „Dazu kommen dann noch kleinere Laborarbeiten wie zum Beispiel das Anrühren von Abformmasse oder das Herstellen von Provisorien“, erklärt Lauterbach.

Auch kleinere Labortätigkeiten gehören zum Alltag der Auszubildenden. Quelle: David Borghoff

Pro Lehrjahr kommen neue Arbeitsfelder dazu

Die Oldendorferin war in der 11. Klasse, als sie sich gegen das Abitur und für eine Ausbildung entschieden hatte. Bereut hat sie diesen Schritt und ihre Berufswahl auf keinen Fall. „Ich finde, es schön, dass man hier wie die gute Fee wahrgenommen wird. Auch das Gesamtpaket der verschiedenen Arbeitsfelder stimmt“, sagt die 19-Jährige. Mit jedem Lehrjahr kommen auch immer mehr Aufgaben hinzu. „Da muss man aber auch schauen, wie viel man jedem Auszubildenden zumuten kann. Das ist von Person zu Person unterschiedlich“, meint Mertens. Der Zahnarzt hat jedoch schnell gemerkt, dass seine Auszubildende Spaß an den unterschiedlichen Aufgaben hat.

Quelle: David Borghoff

Nach der Ausbildung könnte sich Lauterbach auch aussuchen, ob sie sich noch spezialisieren möchte. „Ich finde es gut, dass man in verschiedene Bereiche gehen kann. Das Berufsfeld ist schon recht abwechslungsreich“, sagt die Auszubildende, die sich auch gut vorstellen kann, in der Praxis in Hermannsburg zu bleiben. „Das Team ist einfach wunderbar“, schwärmt Lauterbach und aufgrund der flachen Hierarchie kann sie sich bei Fragen jederzeit an all ihre Kollegen wenden. Ein Ansprechpartner steht immer zur Verfügung.

Spaß am Umgang mit Menschen

Für ihren Chef ist es wichtig, dass die Auszubildenden Spaß am Umgang mit Menschen haben. „Empathie ist wichtig, ebenso wie das Achten auf Details“, erklärt Mertens. Perfektionismus ist in diesem Beruf eine gute Eigenschaft. „Man sollte auch ein gewisses Interesse an den medizinischen Aspekten haben“, fügt Lauterbach hinzu, denn dazu gibt es auch mehrere Lernfelder in der Schule. Im Arbeitsalltag spielt aber vor allem der Umgang mit den Menschen eine große Rolle. „Am Anfang muss man sich schon erst daran gewöhnen, so nah am Patienten zu arbeiten, aber das geht ganz schnell“, so die Auszubildende. „Da muss man einfach offen sein.“ Nur so können Patienten beruhigt werden, die etwas nervöser sind. Denn auch das ist die Aufgabe einer Zahnmedizinischen Fachangestellten: auf Fragen eingehen und die Angst vor der Behandlung nehmen.

In der Albrecht-Thaer-Schule Celle in Altenhagen lernen derzeit 66 junge Frauen und Männer den Beruf der Zahnmedizinischen Fachangestellten, verteilt auf jeweils eine Klasse pro Ausbildungsjahr.

Nachgefragt bei Sabine Petersen

Sabine Petersen ist als Bildungsgangsleiterin in der Albrecht-Thaer-Schule Celle (Berufsbildende Schulen 3) zuständig für die Medizinischen Fachangestellten.

Sabine Petersen leitet an den Berufsbildenden Schulen III Celle, der Albrecht-Thaer-Schule, die Bildungsgänge der Medizinischen Fachangestellten (MFA) und der Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA).

Wie lange dauert die Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten?

In der Regel drei Jahre. Bei guten Leistungen kann mit Einverständnis der Ausbildungspraxis eine Verkürzung um ein halbes Jahr und/oder bei Vorliegen der (Fach-)Hochschulreife um ein Jahr bei der Zahnärztekammer beantragt werden. Für Auszubildende mit Kindern ist auch eine Teilzeitausbildung möglich. Hierbei kann die betriebliche wöchentliche Ausbildungszeit reduziert werden, ohne dass sich die Ausbildungsdauer insgesamt verlängert.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?

Die berufsspezifischen Inhalte sind auf 13 Lernfelder verteilt. Daneben stehen noch allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Englisch und Politik auf dem Stundenplan. In den Lernfeldern werden die für die Berufsausübung notwendigen Kompetenzen in den übergeordneten Bereichen Behandlungsassistenz, Praxisorganisation und Verwaltung theoretisch vermittelt. Konkret geht es u.a. darum, den Patienten vor, während und nach der Behandlung zu betreuen und zu beraten, Patientendaten aufzunehmen und zu verarbeiten, bei der zahnärztlichen Diagnostik und Therapie sowie Prophylaxe zu assistieren (zum Beispiel Instrumente und Materialien vorbereiten, Röntgenuntersuchungen durchführen, Kieferabdrücke nehmen) Hygienemaßnahmen in der Praxis zu planen und umzusetzen (zum Beispiel Instrumente desinfizieren und sterilisieren), erbrachte Leistungen für die Abrechnung zu erfassen und darum, Waren für den Praxisbedarf zu bestellen und zu verwalten.

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Nach eineinhalb Jahren findet eine schriftliche Zwischenprüfung statt. Die Abschlussprüfung besteht aus vier schriftlichen Arbeiten sowie einer praktischen Prüfung.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Die Ausbildung ist für Schülerinnen und Schüler geeignet, die grundsätzlich gerne mit Menschen zusammenarbeiten. Dies bezieht sich auf den einfühlsamen Umgang mit Patienten und auf die Arbeit in einem Praxisteam. Sie sollten Freude daran haben, in einem abwechslungsreichen Berufsfeld mit zahnmedizinischen Assistenzaufgaben sowie organisatorisch-verwaltenden Aufgaben zu arbeiten.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

ZFA sind sehr gefragt und in jeder Zahnarztpraxis unverzichtbar! Nahezu alle unsere Schülerinnen finden im Anschluss an die Ausbildung einen Arbeitsplatz. Neben Zahnarztpraxen haben auch Kieferorthopäden, Kieferchirurgen und Zahnkliniken Interesse an gut ausgebildeten Fachkräften. Aufstiegsfortbildungen wie zum Beispiel zur Prophylaxeassistentin, Dentalhygienikerin oder Verwaltungsassistentin bieten die Möglichkeit, sich nach den persönlichen Wünschen weiterzuentwickeln.

Worum geht es?

Zahnmedizinische Fachangestellte organisieren den Praxisbetrieb, indem sie Behandlungstermine und interne Abläufe planen und die Nutzbarkeit von Räumen, Geräten und Instrumenten sicherstellen. Sie assistieren bei Untersuchungen und Behandlungen und übernehmen je nach Qualifikation erweiterte Aufgaben in Bereichen wie Prophylaxe, prothetische und kieferorthopädische Assistenz. Auf Anweisung des Zahnarztes oder der Zahnärztin bereiten sie Füllungen oder Abdruckmassen für Gebissabdrücke vor und fertigen Röntgenaufnahmen an. Sie dokumentieren Behandlungsabläufe und erfassen erbrachte Leistungen für die Abrechnung. Zahnmedizinische Fachangestellte betreuen Patienten vor, während und nach der Behandlung, erklären vorbeugende Maßnahmen und leiten zur Mundhygiene an. Sie erledigen den Schriftverkehr mit Krankenkassen und Labors, kontrollieren Zahlungseingänge und führen das betriebliche Mahnwesen.

Wo arbeitet man?

• in Zahnarztpraxen

• in kieferorthopädischen, oral- und kieferchirurgischen Praxen

• in Zahnkliniken

• in Hochschulinstituten für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

Arbeitsorte:

• in Behandlungsräumen

• in Röntgenräumen

• an der Anmeldung

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss oder Hauptschulabschluss ein.

Worauf kommt es an?

Anforderungen:

• Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein (zum Beispiel beim Umgang mit Arzneimitteln oder zahnmedizinischen Geräten und Instrumenten sowie beim Einhalten der Hygienevorschriften)

• Einfühlungsvermögen (zum Beispielbeim Eingehen auf die persönliche Situation von Patienten)

• Geschicklichkeit (zum Beispiel beim Vorbereiten von Füllungen oder Abdruckmassen für Gebissabdrücke)

• Verschwiegenheit (zum Beispiel Schweigepflicht beim Umgang mit Daten der Patienten)

• enger Körperkontakt mit Menschen, zum Teil Infektionsgefahr

Wichtige Schulfächer:

• Deutsch (zum Beispiel für den Schriftverkehr mit Patienten und Versicherungsträgern)

• Mathematik (zum Beispiel für das Verwalten von Waren und Ausstellen von Privatrechnungen)

• Biologie (zum Beispiel bei der Assistenz während der Behandlung)

• Chemie (zum Beispiel für den Umgang mit Anästhetika)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat (je nach Bundesland unterschiedlich, Angaben für Niedersachsen laut Empfehlung der Landeszahnärztekammer). Im Sommer kommt es zu einer Erhöhung. In Klammern sind die Vergütungen ab dem 1. August angegeben:

• 1. Ausbildungsjahr: 750 Euro (830 Euro)

• 2. Ausbildungsjahr: 790 Euro (930 Euro)

• 3. Ausbildungsjahr: 840 Euro (1000 Euro)

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