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Celler Land Südheide

Ausbildung als Hauswirtschafterin: Cellerinnen können mehr als nur kochen

16:07 08.12.2020
Im Hofladen des Rabehofs gefällt Hauswirtschafterin Jolina Luttermann der Kontakt zu den Kunden am besten. Quelle: David Borghoff
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Oldendorf

Da Jolina Luttermann auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen ist, fühlte sie sich auf dem Rabehof in Oldendorf gleich heimisch. Dort hat die 19-Jährige Teile ihrer Ausbildung zur Hauswirtschafterin absolviert, die sie vergangenen Sommer erfolgreich abgeschlossen hat. Der Rabehof war jedoch nicht ihre einzige Station.

Wechsel nach zweitem Jahr möglich

Das Besondere an der Ausbildung zur Hauswirtschafterin ist, dass der Betrieb nach dem zweiten Lehrjahr gewechselt werden kann. Viele nehmen diese Möglichkeit auch wahr, um so verschiedene Aspekte des Berufs kennenzulernen. Das erste Ausbildungsjahr absolvierte Luttermann vollschulisch an der Albrecht-Thaer-Schule. Anschließend ging es in den praktischen Teil zum Rabehof und im dritten Jahr setzte sie ihre Ausbildung auf Wegeners Hof in Wunstorf fort.

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Auf dem Rabehof hat Jolina Luttermann ihre Kochkünste verfeinert und für das Essen der Familie gesorgt.  Quelle: David Borghoff (3)

Durch Praktikum Rabehof kennengelernt

Zum Rabehof kam Luttermann durch ein Praktikum. „In der neunten Klasse war ich dort für drei Wochen und danach haben wir sofort fest abgesprochen, dass ich meine Ausbildung auch auf dem Hof machen kann“, erzählt Luttermann. Sie hätte auch wie viele andere in einen Großhaushalt wie zum Beispiel in ein Altenheim gehen können. Stattdessen wurde sie ein Teil der Familie Rabe, auf deren Hof sie das Jahr über auch gelebt hatte. Pflicht ist das nicht, aber der tägliche Weg aus ihrem Heimartort Flackenhorst wäre zu weit gewesen. „Ich war auch erst 17, als ich dort angefangen hatte. Auf jeden Fall bin ich daran gewachsen, weil es natürlich etwas völlig anderes war, nicht mehr zu Hause zu leben“, blickt die Hauswirtschafterin zurück.

Umgang mit Kunden gefällt ihr am besten

Auf dem Rabehof hat sich Luttermann mit einer anderen Auszubildenden regelmäßig abgewechselt. In einer Woche war sie im Privathaushalt tätig und zum Beispiel für die Nahrungsgestaltung, Wäschepflege oder das Reinigen der Räumlichkeiten zuständig. In der anderen Woche fielen dann Tätigkeiten im Hofladen an: Regale mussten aufgefüllt und Verkaufsgespräche geführt werden. „Der Umgang mit den Kunden mochte ich in der Zeit am liebsten. Das galt nicht nur für den Laden, sondern auch für das Sommer-Café“, sagt Luttermann. Die frühere Auszubildende hatte besonders viel Spaß, für das Café Torten herzustellen. „Früher habe ich mich da nicht drangetraut, aber jetzt bin ich diejenige, die der Familie oder Freunden zu Geburtstagen immer Torten backt“, erzählt die 19-Jährige lachend.

Birgit Rabe leitet auf dem Rabehof die Auszubildenden an.   Quelle: David Borghoff

Verantwortung zu übernehmen ist wichtig

Die Auszubildenden müssen auch keine Angst haben, falls ein Rezept mal nicht gelingt. „Das sind Lernerfahrungen, die man mitnimmt und durch die man sich verbessern kann“, erklärt Ausbildungsleitern Birgit Rabe. Für sie ist es wichtig, dass die jungen Menschen den Mut haben, selbstständig zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. „Wer Dinge nicht selbst ausprobieren kann, wird die wichtigen Sachen niemals lernen“, meint Rabe.

Kreativität ist wichtig für diesen Beruf

Als Hauswirtschafterin spielt Kreativität eine große Rolle. Für ihre Abschlussprüfung musste Luttermann eine Geburtstagsfeier planen. Dazu musste sie sich nicht nur die passenden Speisen überlegen. Auch die Dekoration oder das Gestalten von Blumengestecken gehörten zu der Organisation dazu – genauso wie ein schriftlich festgehaltener Arbeitsplan. „Die Auszubildenden müssen lernen, ihre Zeit selbst einteilen zu können. Daher müssen sie auch bei uns ständig Pläne schreiben“, erklärt Rabe.

Das Schullogo trägt die Silhouette des Namensgebers im Logo. Quelle: Albrecht-Thaer-Schule

Fortbildung zur Betriebsleiterin

Derzeit macht Luttermann eine Fortbildung an der Albrecht-Thaer-Schule, durch die sie sich innerhalb von zwei Jahren zur Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin qualifizieren kann. „Dann könnte ich auch selbst ausbilden und je nachdem wo ich später mal bin, kann ich mir das auch sehr gut vorstellen“, erklärt die 19-Jährige. Eines steht für die Hauswirtschafterin bereits fest: „Auf Dauer möchte ich in einer ländlichen Region bleiben.“

Sabine Bosse ist auf den BBS3 Celle zuständig für die Ausbildung der Hauswirtschafterinnen. Quelle: BBS 3

Nachgefragt bei Sabine Bosse

Sabine Bosse ist Leiterin des Bildungsgangs Berufsschule Hauswirtschaft an der Albrecht-Thaer-Schule (Berufsbildenden Schulen 3) in Celle.

Wie lange dauert die Ausbildung zur Hauswirtschafterin/zum Hauswirtschafter?
Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Das erste Ausbildungsjahr kann auch vollschulisch in der Einjährigen Berufsfachschule an der ATS absolviert werden. Für Abiturienten verkürzt sich die Ausbildungszeit auf zwei Jahre. Die ATS bietet seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer auch die Möglichkeit der Doppelqualifikation an. Das bedeutet, dass Schülerinnen oder Schüler des Beruflichen Gymnasiums Ökotrophologie parallel Teile der hauswirtschaftlichen Ausbildung ableisten und sich nach dem Abitur nur noch eine 15-monatige betriebliche Ausbildungszeit anschließt. Es gibt zudem die Besonderheit, dass zahlreiche hauswirtschaftliche Auszubildende nach dem zweiten Jahr den Betrieb wechseln, um sich in verschiedenen Schwerpunkten auszuprobieren.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?
Die Berufsschule liefert den theoretischen Background für diesen Beruf, dessen Vielfalt sich in 14 Lernfeldern, also berufsbezogenen Aufgabenbereichen widerspiegelt. Folgende Schwerpunkte werden zum Beispiel handlungsorientiert gemeinsam bearbeitet: Verpflegung als Dienstleistung zu besonderen Anlässen planen, herstellen und anbieten, Personengruppen unterstützen und betreuen, Räume gestalten und pflegen, Vermarktung von Produkten, bei der Personaleinsatzplanung mitwirken und Personal anleiten. Die Ausbildung wurde vor einem Jahr aktualisiert und den modernen Erfordernissen angepasst. So ziehen sich die Digitalisierung und der Aspekt der Nachhaltigkeit wie ein roter Faden durch die gesamte Ausbildung.

Wie gliedert sich die Ausbildung?
Die Zwischenprüfung wird nach etwa 18 Monaten Ausbildung durchgeführt. Sie gibt den Auszubildenden Auskunft über ihre aktuellen Leistungsstände und besteht aus einem schriftlichen Teil und zwei praktischen Arbeitsproben. Es muss unter anderem nachgewiesen werden, dass hauswirtschaftliche Versorgungs- und Betreuungsleistungen fachlich angemessen durchgeführt werden können. Die etwas umfangreichere Abschlussprüfung findet am Ende des dritten Ausbildungsjahres statt.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?
Die Ausbildung ist für Frauen und Männer geeignet, die die Vielfalt lieben, die mehrere Tätigkeiten analytisch und kreativ vernetzen können, die Spaß an dem Herstellen und Vermarkten gesunder Ernährung haben und professionell andere Menschen betreuen möchten. Sie sollten kommunikationsfreudig, empathisch und flexibel sein und sowohl eigenständig als auch im Team arbeiten können.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?
Die ATS erhält wöchentlich Anfragen aus der gesamten Republik, denn diese multiprofessionellen Fachkräfte werden gesucht. Aber auch die zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten sind sehr interessant. So können die Absolventen zum Beispiel an unserer Fachschule die Qualifikation zur Betriebsleiterin beziehungsweise zum Betriebsleiter erwerben.

Von Laura Brautmeier

Steckbrief Hauswirtschafterin

Was macht man in diesem Beruf?
Hauswirtschafter übernehmen hauswirtschaftliche Aufgaben in Privathaushalten, Großküchen, Wohnheimen, Krankenhäusern oder Beherbergungsbetrieben. Sie entwickeln Verpflegungspläne, kaufen Lebensmittel ein, bereiten Mahlzeiten zu, halten Küchen-, Wohn- und Wirtschafträume sauber und kümmern sich um die Textilpflege. Wenn sie unterstützungsbedürftige Menschen betreuen, ermitteln sie zunächst ihre Bedürfnisse, Erwartungen und Gewohnheiten. Dementsprechend planen und erbringen sie Dienst- und Versorgungsleistungen, bereiten zum Beispiel Schonkost zu oder leisten Hilfestellung bei der Alltagsbewältigung. Sie steuern und optimieren Arbeitsabläufe, zum Beispiel bei der Reinigung von Räumen oder der Wäschepflege, und sorgen für die Einhaltung von Hygienestandards. Waren und Geräte beschaffen sie nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.
Wo arbeitet man?
• in Einrichtungen der Alten-, Kinder-, Jugend-, Familienhilfe, in Kindergärten
• in Krankenhäusern, Kur- und Reha-Kliniken, Beherbergungsbetrieben
• in Privathaushalten und landwirtschaftlichen Unternehmen
Arbeitsorte:
• in erster Linie in Küchen, Kantinen, Wohn-, Funktions-, Büroräumen
Welcher Schulabschluss wird erwartet?
Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellten Betriebe im Vorläuferberuf Hauswirtschafter (ohne Schwerpunkte) im Ausbildungsbereich Hauswirtschaft überwiegend Auszubildende mit Hauptschulabschluss ein, Betriebe im Ausbildungsbereich Landwirtschaft wählten vor allem Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss aus
Anforderungen:
• Geschicklichkeit (beim Bügeln, Reinigen, Kochen)
• Organisatorische Fähigkeiten (Aufstellen von Speise-, Reinigungs-, Personaleinsatzplänen)
• Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit (Zusammenarbeit mit anderen Zuständigkeitsbereichen)
• Einfühlungsvermögen
• Rechnerische Fähigkeiten
Wichtige Schulfächer:
• Hauswirtschaftslehre (zum Beispiel um Haushalte versorgen und betreuen zu können)
• Deutsch (zum Beispiel für das Präsentieren von Produkten und Dienstleistungen, für die Kundenberatung)
• Mathematik (zum Beispiel bei Wirtschaftlichkeitsberechnungen für die Haushaltsführung)
Was verdient man in der Ausbildung?
Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:
• 1. Ausbildungsjahr: 660 bis 820 Euro (Hauswirtschaft*), 580 bis 750 Euro (Land- und Forstwirtschaft, Weinbau*), 1018 Euro (öffentlicher Dienst) • 2. Ausbildungsjahr: 715 bis 870 Euro (Hauswirtschaft*), 640 bis 815 Euro (Land- und Forstwirtschaft, Weinbau*), 1068 Euro (öffentlicher Dienst) • 3. Ausbildungsjahr: 740 bis 940 Euro (Hauswirtschaft*), 680 bis 875 Euro (Land- und Forstwirtschaft, Weinbau*), 1114 Euro (öffentlicher Dienst)
*je nach Bundesland unterschiedlich

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