Streit am Kaliberg

Grüne werfen K+S Ablenkungsmanöver vor

Der Streit am Wathlinger spitzt sich weiter zu. Jetzt haben sich die Grünen eingeschaltet – mit scharfen Worten.

  • Von Simon Ziegler
  • 03. Mar 2021 | 16:00 Uhr
  • 12. Jun 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 03. Mar 2021 | 16:00 Uhr
  • 12. Jun 2022
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Wathlingen.

Jetzt mischt sich die Celler Politik ein: Nachdem der Streit zwischen dem Bergbaukonzern K+S und der Bürgerinitiative Umwelt Wathlingen eskaliert ist, hat sich jetzt Gerald Sommer, Kreistagsmitglied der Grünen, zu Wort gemeldet. Seine Fraktion spricht von einem "Angriff des Großkonzerns K+S" auf die örtliche Bürgerinitiative. Dies sei ein "Ablenkungsmanöver von eigenen ökologischen und ökonomischen Defiziten", so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

BI warnt vor "Asse in Wathlingen"

Somit wird der Ton rund um den Kaliberg immer rauer. Zuletzt hatte die Bürgerinitiative vor einer "Asse in Wathlingen" gewarnt, was K+S nicht auf sich sitzen ließ. Die Bürgerinitiative würde ein "Horrorszenario" entwerfen und die "Fakten gezielt verdrehen", wie Unternehmenssprecher Ulrich Göbel sagte.

Grundwasserversalzung durch Kalihalde

Sommer, seit vielen Jahren einer der größten K+S-Kritiker im Celler Kreistag, behauptet, dass K+S "weiterhin zu den größten Umweltverschmutzern der Flüsse in Deutschland gehört". Die Grundwasserversalzung durch die Wathlinger Kalihalde sei aufgrund von Gutachten, die unter anderem für den Celler Kreistag von Professor Christoph König erstellt wurden, nachgewiesen, erklärte Sommer.

Auch das Vorhandensein von erheblichen Rüstungsaltlasten im Bergwerk sei gutachterlich belegt. „Von diesen Fakten versucht K+S durch massive Angriffe auf die örtliche Bürgerinitiative in einem eigenen sogenannten Fakten-Check abzulenken. Ziel ist eine Diffamierung der Gegner der Haldendeponie in Wathlingen“, sagte Sommer.

K+S hat an Börse Wert verloren

Er führte weiter aus, dass K+S wirtschaftlich mit dem Rücken an der Wand steht. Der Aktienkurs des Düngemittelproduzenten sei laut Sommer "in der jüngsten Vergangenheit erheblich eingebrochen". Das stimmt allerdings nur zum Teil. So hat der K+S-Wert an der Börse in den vergangenen drei Jahren tatsächlich mehr als 50 Prozent verloren. Für das letzte Jahr steht allerdings ein Plus von 35 Prozent zubuche. Sommer sieht es so: „Strategie von K+S ist es, seine Bilanz auf Kosten der Bürger der Samtgemeinde Wathlingen durch den Bau einer Deponie zu sanieren. Dabei wird die weitere Grundwasserversalzung über Jahrhunderte sehenden Auges in Kauf genommen. Das ist nicht nachhaltig, sondern grob fahrlässig“, so der umweltpolitische Sprecher der Öko-Partei.

Warten auf Entscheidung

Immer deutlicher wird, dass eine Verständigung zwischen Gegnern und Befürwortern der geplanten Abdeckung fast aussichtslos erscheint. Möglicherweise hängt die Nervosität auf allen Seiten damit zusammen, dass in Kürze die endgültige Entscheidung erwartet wird, ob der Berg abgedeckt werden darf oder nicht. Die Entscheidung zur Planfeststellung trifft das Landesbergamt (LBEG). Ursprünglich war der Beschluss schon Anfang des vergangenen Jahres erwartet worden. Ende 2020 erklärte das LBEG auf CZ-Anfrage, dass der Planfeststellungsbeschluss im Frühjahr 2020 als Entwurf fertiggestellt worden sei. Das Umweltministerium prüfe noch die wasserrechtlichen Fragen, die der Landkreis Celle aufgeworfen hatte. Wann eine abschließende Entscheidung getroffen werde, sei noch nicht klar.