Wathlingen unter Schock

Nach Messerattacke: Anwalt kündigt Aussage an

Spurensuche in Wathlingen: Der Mann, der seine Frau in Burgdorf erstochen haben soll, wird als freundlicher und humorvoller Mensch beschrieben. Bekannte und Verwandte können sich die Tat nicht erklären. Sein Verteidiger, Staranwalt Matthias Waldraff, sprach mit ihm - und kündigt eine umfangreiche Aussage an.

  • Von Simon Ziegler
  • 06. Mai 2022 | 13:57 Uhr
  • 12. Juni 2022
Am Dienstagnachmittag wurde in Burgdorf eine Wathlingerin erstochen – mitten am Tag, vor zahlreichen Zeugen. In seiner Heimatgemeinde wird der mutmaßliche Täter als freundlicherMann beschrieben.
  • Von Simon Ziegler
  • 06. Mai 2022 | 13:57 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Wathlingen.

Zwei Tage nach der brutalen Tötung einer 35-jährigen Wathlingerin in Burgdorf ist das Entsetzen in der Celler Südkreis-Gemeinde noch immer groß. Der mutmaßliche Täter wird von seinen Mitmenschen als freundlicher und humorvoller Mensch beschrieben. Niemand kann sich erklären, warum er derart die Fassung verlieren konnte und seine Frau und Mutter seiner Kinder mit zahlreichen Stichen getötet hat.

Müllwerker und Pizzabote

Der 37-Jährige hat als Müllwerker beim Abfallzweckverband gearbeitet, abends fuhr er noch Pizza aus. "Das waren ehrbare, freundliche Leute", sagt der Inhaber der Pizzeria. Die Frau habe in einer Tankstelle in einer Nachbargemeinde gearbeitet. Seit zehn Jahren kenne er den Mann: "Niemand hat ihm das zugetraut. Wir sind alle schockiert", so der Gastronom. Nachbarn berichten, dass der Mann immer "extrem freundlich" gegrüßt habe. Ein Freund sagte am Donnerstag auf der Straße, dass der 37-Jährige ein "toller Mensch" gewesen sei, er habe am Dienstag "die Kontrolle verloren".

"Bekannt wie ein bunter Hund"

"Er ist in Wathlingen bekannt wie ein bunter Hund", meint Michael Laue, der Vorsitzende des VfL Wathlingen. Früher habe der mutmaßliche Täter für den VfL gespielt, zuletzt trug er das Trikot des TuS Eicklingen. "Der hat immer gelacht. Ich habe ihn nie mit schlechter Laune gesehen", sagt Laue, "er war hilfsbereit, hat immer gearbeitet. Ich bin fassungslos. Es ist wirklich so, dass Wathlingen unter Schock steht".

Die Wathlingerin wurde am Dienstag in Burgdorf erstochen.

Schockiert äußerte sich auch ein Verwandter der Getöteten. "Sie war eine so freundliche Frau, sie hatte ein großes Herz. Ihre Kinder waren ihr Ein und Alles. Für die Kinder hat sie alles getan", sagte der Mann.

Anwalt im Gespräch mit der CZ

Unterdessen hat sich Matthias Waldraff, der Anwalt des Beschuldigten, gegenüber der CZ geäußert. "Wir haben ein erstes ausführliches Gespräch geführt. Mein Mandant war noch nicht in der Lage, sich gegenüber den Ermittlern zu äußern. Er wird sich umfassend erklären. Wann das ist, kann ich noch nicht sagen", so Waldraff. Der 37-Jährige sei zudem bereit, sich einer psychiatrischen Begutachtung zu unterziehen.

Staranwalt Matthias Waldraff ist der Verteidiger des 37-jährigen Wathlingers.

Zur Frage, was das Motiv des Mannes war, seine Frau zu töten, sagte Waldraff nichts. "Das ist eine menschliche Tragödie besonderer Art." Der mutmaßliche Täter sei sozial, beruflich und familiär integriert gewesen. "So weit ich weiß, ist er nicht vorbestraft", so Waldraff. Der Anwalt bestätigte, dass es eine Trennung der Eheleute gegeben habe. Die Tat auf offener Straße vor Zeugen weise darauf hin, dass sie nicht geplant war. Das Spurenbild spreche für eine psychische Extremsituation.

Staatsanwaltschaft zum Ermittlungsstand

Unterdessen gab die Staatsanwaltschaft am Donnerstag weitere Details zu dem Tötungsdelikt bekannt. Demnach soll der Mann am Dienstagnachmittag in Burgdorf von hinten an die 35-Jährige herangetreten sein, als sie ins Auto einsteigen wollte. Dann soll er kurz auf sich aufmerksam gemacht haben und ohne vorherige Worte auf die Frau eingestochen haben, wie eine Behördensprecherin sagte.

Jeder dritte Tag ein Femizid

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) registriert die Polizei in Deutschland jeden Tag die versuchte Tötung einer Frau. Jeden dritten Tag stirbt laut BKA eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners. Die Dunkelziffer vermisster und schwer verletzter Frauen dürfte deutlich höher liegen. Das BKA wertet die Zahl der Femizide in Deutschland erst seit 2015 aus. Im Jahr 2020 wurden offiziell 139 Fälle gezählt. Der Begriff Femizid bezeichnet die vorsätzliche Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind. Wie viele Femizide es im Kreis Celle in den vergangenen Jahren gab, konnte die Polizei am Donnerstag nicht sagen.