Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Wathlingen Kleiner Malte kämpft gegen den Blutkrebs
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Wathlingen

Malte aus Wathlingen kämpft gegen den Blutkrebs

14:07 19.03.2021
Von Simon Ziegler
Svenja Stupp mit ihrem Malte. Am Sonntag dürfen sie für zwei Wochen nach Hause.
Svenja Stupp mit ihrem Malte. Am Sonntag dürfen sie für zwei Wochen nach Hause.
Anzeige
Wathlingen

Durch das Cortison gibt es Stimmungsschwankungen, aber eigentlich geht es Malte derzeit ganz gut. Sofern man das bei seiner schweren Krankheit überhaupt sagen kann. Der dreijährige Junge aus Wathlingen ist in der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule in Hannover. Mal wieder. „Wir spielen zusammen, wir puzzeln und Malte schläft auch viel“, sagt seine Mutter Svenja Stupp über die Tage in der Klinik. Haare hat der dreijährige Junge keine mehr, er bekommt eine Chemotherapie. Mutter und Sohn fiebern dem Sonntag entgegen. Dann dürfen sie für zwei Wochen nach Hause. „Er vermisst seine Schwestern ganz doll“, sagt die Mama.

Lebenserwartung liegt bei 20 Jahren

Die 24-Jährige leistet Übermenschliches. Zwei ihrer drei Kinder leiden unter einem sehr seltenen Gen-Defekt, der Sprechen und Gehen einschränkt. Die Lebenserwartung liegt bei nur 20 Jahren. Der kleine Malte hat vor einigen Monaten eine weitere Diagnose bekommen: Blutkrebs.

Malte mit seinen Schwestern Antonia und Amelie. Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Schicksalsschläge gibt es seit seiner Geburt. Seine Schwester Antonia (5) ist gesund. Aber Malte wird wie seine andere Schwester Amelie (4) mit dem Louis-Barr-Syndrom geboren. Erste Symptome sind ein unsicherer Gang, hinzu kommen Schwierigkeiten beim Schlucken und Sprechen sowie Störungen bei den Augenbewegungen.

Malte liebt Dinosaurier

Trotz seiner Einschränkungen sei Malte ein lebensfroher kleiner Junge, heiter und verspielt, sagt Svenja Stupp. Er mag alles, was einen Motor hat. Und er liebt Dinosaurier. Mit den Schwestern spielen, mit Mama kuscheln oder draußen mit Mamas Lebensgefährten Sascha Voland aus Westercelle toben – das ist seine Welt. Doch seit einigen Monaten ist von dieser Welt nicht mehr viel übrig.

Ein Bild aus unbeschwerteren Tagen: Familie Stupp. 

MHH diagnostiziert Blutkrebs

Im September vergangenen Jahres hatte Malte jegliche Nahrungsaufnahme verweigert. Er hat hohes Fieber, schläft nur noch. Wenn er wach ist, hat er starke Schmerzen im Bein. Seine Mutter wendet sich an ihren Hausarzt, der Antibiotikum verschreibt, was aber nicht hilft. Wenige Tage später lässt sie beim Kinderarzt Blut abnehmen. Maltes Blutwerte sind so schlecht, dass er sofort in die MHH überwiesen wird. Dann geht alles ganz schnell. Eine Untersuchung folgt der anderen, Ärzte kommen und gehen. Es ist fast Mitternacht, als die Diagnose feststeht: Malte hat Blutkrebs.

"Als hätte die Welt aufgehört, sich zu drehen"

„Ich war alleine mit dem Arzt, als ich die Diagnose bekam. Wegen Corona durfte Sascha mich nicht begleiten. Malte saß auf meinem Schoß. Es war ganz still. Als hätte die Welt aufgehört, sich zu drehen. Ich habe nur noch geheult und mein Kind ganz fest an mich gedrückt“, erinnert sich Svenja.

Malte wird in der MHH behandelt.

Die ersten Wochen in der Klinik mit ihrem schwerkranken Sohn alleine durchzustehen, ist für die 24-Jährige extrem hart. Ohne den Rückhalt ihres Lebensgefährten Sascha, mit dem sie seit einem Jahr zusammenwohnt, hätte sie das nicht geschafft. Doch für ihn ist diese Hilfe selbstverständlich: „Svenja ist die stärkste Frau und Mama, die man sich vorstellen kann. Sie liebt ihre Kinder über alles. Und für mich sind die vier aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken.“

Videos von beiden Töchtern zur Ablenkung

Sascha und Svenjas Vater versorgen Amelie und Antonia zu Hause, gehen einkaufen, kochen, spielen und schicken Svenja Videos ins Krankenhaus, damit sie vom Alltag zu Hause etwas mitbekommt. „Zu Beginn war da nur Chaos im Kopf. Und Sorge, wie wir das alles schaffen sollen. Doch dann habe ich wie immer angefangen zu funktionieren. Ich bin durch die schweren Erkrankungen meiner beiden jüngsten Kinder ja darauf trainiert. Außerdem habe ich keine Alternative. Ich versuche, jeden Tag das Beste aus dieser Situation zu machen. Aufgeben wäre für mich nie eine Option. Ich habe die drei tollsten Kinder der Welt – ich bin ihnen das einfach schuldig“, sagt die Wathlingerin.

Malte braucht keine Stammzellspende

Seit einem halben Jahr wechseln sich stationäre und ambulante Klinikaufenthalte ab. Malte bekommt die ganze Zeit Chemotherapien. Unzählige Untersuchungen, eine Blutvergiftung und einige Knochenmarkpunktionen hat er schon überstanden.

Malte, Antonie und Amelie mit Mutter Svenja Stupp und ihrem Lebensgefährten Sascha Voland.

Nach aktuellem Stand der Behandlung benötigt Malte keine Stammzelltransplantation. Svenja, deren Leben seit einigen Monaten auf der Kinderonkologie stattfindet, erfährt aber jeden Tag, wie viele Kinder und Jugendliche zum Überleben auf eine Spende angewiesen sind. Deshalb ergreift sie die Initiative: „Malte ist nur einer von vielen Patienten weltweit. Andere Kinder warten heute auf eine passende Stammzellspende. Sie alle wollen leben. Deshalb bitte ich euch von Herzen, Stammzellspender zu werden.“

Abstrich zuhause machen

Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann sich mit wenigen Klicks auf der Seite der Knochenmarkspenderdatei www.dkms.de/malte Registrierungsunterlagen nach Hause bestellen. Vor-Ort-Aktionen sind wegen der Pandemie derzeit nicht möglich. Mithilfe von drei medizinischen Wattestäbchen und einer genauen Anleitung kann jeder nach Erhalt des Sets selbst einen Wangenschleimhautabstrich vornehmen und anschließend per Post zurücksenden. Die Gewebemerkmale werden dann im Labor bestimmt. Ist man der genetische Zwilling eines Blutkrebspatienten, kann der Schritt Leben retten.

Malte ist ein heiterer Junge, der gerne mit Autos und Dinosauriern spielt. 

Wer Registrierungsunterlagen bestellen möchte, wird unter www.dkms.de/malte fündig.

Simon Ziegler 19.03.2021
Simon Ziegler 14.03.2021
Simon Ziegler 13.03.2021