Podium zu Wathlingen-Wahl

Das sind die Positionen der Kandidaten

Wer wird Bürgermeister der Samtgemeinde Wathlingen? Die Kandidaten stellten sich am Dienstag den Fragen der CZ und Zuschauer (+Video der Debatte)

  • Von Benjamin Behrens
  • 27. Aug. 2021 | 12:18 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 27. Aug. 2021 | 12:18 Uhr
  • 12. Juni 2022
Anzeige
Wathlingen.

Ach, wie ist das schön, wenn es im Wahlkampf tatsächlich mal um Inhalte geht und nicht um Personalien. Nicht um die persönliche Biografie. Nicht um das eine Zitat, das einem Politiker nach Jahren ohne Kontext um die Ohren fliegt. Gerade gegen all die Kleinkriege und "Wir-gegen-die"-Befindlichkeiten in den sozialen Medien im aktuellen Bundestagswahlkampf war das gemeinsame Podium von CZ und CD-Kaserne zur Bürgermeisterwahl in der Samtgemeinde Wathlingen ein wohltuender Kontrast.

Der Einladung zum Podium gefolgt waren Heike Behrens (CDU), Claudia Sommer (UWG), Gonca Kaftan (SPD), Matthias Blazek (Grüne), Kurt Gärtner (BfANW) und die beiden Einzelbewerber Hergen Korte und Tomas Binnewies. Kurzfristig abgesagt hatte Kemal Ilkme (Bürgerliche Liste).

Sachliche und konstruktive Debatte

Sachlich und konstruktiv war die Debatte, die von CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber und Lokalredakteur Simon Ziegler moderiert wurde. Um ein Stimmungsbild zu bekommen, konnten die Besucher zweimal abstimmen, zu Beginn der Veranstaltung und am Ende. Vor der Debatte lag Claudia Sommer mit 32 Prozent an der Spitze, gefolgt von Gonca Kaftan mit 25 Prozent. Hergen Korte kam auf 11 Prozent, Heike Behrens hielten 13 Prozent für die geeignetste Kandidatin. Es folgten Thomas Binnewies (11 Prozent), Matthias Blazek (5 Prozent) und Kurt Gärtner mit einem Prozent. Nach knapp zwei Stunden wurde erneut abgestimmt – vor Ort und am Bildschirm. Bei der zweiten Abstimmung (Ergebnis siehe Grafik) beteiligten sich 225 Bürger.

Rund 250 Besucher verfolgten vor Ort die Diskussion am 4G-Park, online waren zeitweilig 150 Zuschauer dabei. Nachdem die Übertragung des Auftaktpodiums der Samtgemeinde Flotwedel noch an technischen Problemen gescheitert war, klappte die Übertragung bei Facebook diesmal reibungslos.

Das waren die Themen der Diskussion

Corona und die Folgen für die Kommune: Dann wurde über Themen gesprochen, zunächst ging es um die Coronakrise. Auch für die Samtgemeinde Wathlingen werden die Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen auf Jahre bestimmend sein. "Wir können momentan schlecht einschätzen, was finanziell auf uns zukommt. Dadurch dass vom Bund und Land die Gewerbesteuern gedeckelt werden, denke ich, dass wir gut vorankommen", sagte Kaftan. Alles in allem stehe die Samtgemeinde gut da, auch dank vorsichtiger Ausgaben.

"Verwaltung muss effizient und schlank sein"

So optimistisch wollte Hergen Korte nicht sein. Die Einbußen der Gewerbesteuereinnahmen durch Corona würden erst im kommenden Jahr spürbar. Auch die anstehende Entwicklung der Feuerwehren werde teuer – erst recht bei sinkender Zuwendung für die Kommunen. "Wir müssen zusehen, dass unsere Verwaltung effizient arbeitet und schlanke Verwaltungsabläufe da sind", fordert Korte.

Chance bei Luftfiltern verpasst

Beim Thema Luftfilter in öffentlichen Gebäude zieht Matthias Blazek eine klare Linie: kein Bedarf in öffentlichen Gebäuden wie dem Rathaus, dafür umso dringender in Grundschulen, wo die Luftfilter erst nach langer Diskussion installiert wurden. "Das hätten wir längst schon im Herbst 2020 erledigt haben können", so sein Vorwurf, der vor allem in Richtung CDU und damit seiner Mitbewerberin Heike Behrens ging. "Ja, damit haben wir uns schwer getan. Wir müssen nicht nur die Luftfilter beachten, sondern allgemein die Ausstattung der Schulen", sagte Behrens. Trotz Corona und sinkender Finanzen gelte es, die Kommune gut aufzustellen.

Binnewies wies auf die menschlichen Folgen hin: "Wir haben eine Generation von Kindern, die haben eineinhalb Jahre normale Entwicklung verloren." Sein persönlicher Lerneffekt aus Corona: Mobiles Arbeiten habe sich zurecht durchgesetzt, deshalb wünscht sich der Abteilungsleiter eines Automobildienstleisters Co-Working-Spaces in der Samtgemeinde.

Infrastruktur: Kurt Gärtner will die Versorgung mit Glasfaser vom Rathaus aus vorantreiben, um auch kleine Orte zu versorgen. "Ich möchte das digitale Rathaus voranbringen, damit die Bürger die Möglichkeit haben, von zuhause ihre Anträge zu stellen", wünscht sich Claudia Sommer. Auch Behrens will diesen Bereich bei Schulen und im Rathaus voranbringen.

"Verwaltungschef nicht die treibende Kraft"

Die Verkehrsanbindung war für alle Kandidaten ein zentrales Thema. Blazeks Hinweis, dass nicht der Verwaltungschef, sondern die politischen Gremien die treibende Kraft bei der Umsetzung von politischen Ideen seien, kam unerwartet, weil er als Kandidat das Amt kleiner machte als es ist. "Da wird nicht der Samtgemeindebürgermeister gefordert sein", sagte Blazek. Inhaltlich vielleicht richtig – wahlkampftaktisch unklug.

Der Kaliberg und seine umstrittene Abdeckung sind vor Ort ein Dauerthema und beschäftigen auch die Kandidaten im Wahlkampf. Alle Bewerber äußerten sich gegen eine Abdeckung, lediglich Claudia Sommer hatte sich bei der Befragung vorab enthalten.

Viele grüne Themen auf der Agenda

Klimawandel: Wathlinger Weg, E-Mobilität, Erdwärme, eine CO2-neutrale Samtgemeinde, Solaranlagen auf Dächern, Schnelladesäulen, lokale Agrarpolitik – selten dürfte ein Kandidaten-Plenum so viele "grüne Themen" auf der Agenda gehabt haben. Tomas Binnewies will nicht nur auf einen Klimamanager verzichten, sondern die Aufgabe "zur Chefsache machen, ich traue mir das zu". Matthias Blazek reagierte verwundert: "Ich habe gedacht, ich wäre der einzige Grüne hier, aber jetzt stelle ich fest, dass wir hier offenbar sieben Grüne sind."

Ortsbrandmeister aus Großmoor bringt Gerätehäuser auf die Agenda

Axel Kernbach, Ortsbrandmeister der Feuerwehr Großmoor, erinnerte an die für alle Feuerwehren wichtige Schaffung von "Schwarz-Weiß-Bereichen", also der Trennung von sauberer und Einsatz-Kleidung, sowie die Pläne für Gerätehäuser. Die Förderung für die Unterstützung von Vereinen und Ehrenamtliche will kein Kandidat einschränken, die unterschiedlichen Positionen unterschieden sich höchstens in Details – wenig Profilierungschance.

Welche Partei passt in Wathlingen am besten zu Ihnen? Machen Sie den Test mit Voto!

Sie möchten herausfinden, mit welcher Partei Sie auf kommunaler Ebene die größte Übereinstimmung haben? Finden Sie es mit der digitalen Wahlhilfe Voto heraus. Müssen die Gemeinden alles dafür tun, um die Abdeckung des Kalibergs zu verhindern? Muss Bauland in Nienhagen, Wathlingen und Adelheidsdorf billiger werden? Das sagen die Parteien, die für den Gemeinderat Wathlingen kandidieren.

Meinung

Es war die erwartet knackige Debatte: Knapp zwei Stunden haben die sieben Kandidaten am Dienstag über die wichtigsten Themen der Samtgemeinde Wathlingen diskutiert: über den Kaliberg, die Folgen der Corona-Krise und den Klimawandel. Die Feuerwehr-Struktur kam genauso zur Sprache wie die Zukunft des ÖPNV. Klar ist auch nach der Debatte: Das Rennen um die Nachfolge von Wolfgang Grube ist völlig offen. Während der scheidende Amtsinhaber bei der jüngsten Wahl 80 Prozent der Stimmen erhielt, gibt es für die Wahl am 12. September keinen eindeutigen Favoriten.Zwar hat CDU-Kandidatin Heike Behrens die Probeabstimmung am Ende der Podiumsdiskussion mit 35 Prozent gewonnen.Doch auch Claudia Sommer, Gonca Kaftan und Hergen Korte werden sich Hoffnungen machen, mindestens in die Stichwahl zu kommen. Sommer und Kaftan legten beide einen überzeugenden Auftritt hin, Korte gab sich als faktensicherer Kandidat mit viel Verwaltungserfahrung. Dass er bei der Abstimmung abgeschlagen nur sieben Prozent erhielt, ist für ihn eine Enttäuschung. Der heimliche Sieger der Veranstaltung war für viele Beobachter Einzelkandidat Tomas Binnewies. Er präsentierte sich kompetent und redegewandt und machte den oder anderen Pluspunkt. Trotzdem bleibt er in einer Außenseiterrolle. Das gilt auch für Matthias Blazek, der sich zurecht darüber wunderte, dass sich die anderen Kandidaten mit grünen Positionen zu überbieten versuchten.Kaum Chancen werden Kurt Gärtner (BfANW) und Kemal Ilkme (Bürgerliche Liste) eingeräumt. Dass es sich bei der Probeabstimmung nicht um ein repräsentatives Voting handelt, ist unbestritten. Auffällig war dennoch eines: Frauen sind in der Kommunalpolitik offenbar auf dem Vormarsch. Nicht nur, dass drei der acht Bewerber in der Samtgemeinde Wathlingen weiblich sind. Bei der Abstimmung lagen die drei Frauen vorne: Behrens vor Sommer und Kaftan. Es bleibt spannend.