Bistum muss sparen

Katholischer Kirche in Wathlingen droht das Aus

Mitgliederschwund, Coronakrise und Bauschäden: In der Kirche St. Barbara findet schon lange nichts mehr statt. Hat das Haus noch eine Zukunft?

  • Von Simon Ziegler
  • 09. Oct 2021 | 16:56 Uhr
  • 12. Jun 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 09. Oct 2021 | 16:56 Uhr
  • 12. Jun 2022
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Wathlingen.

Ein Gottesdienst hat hier schon lange nicht mehr stattgefunden. "Das letzte Mal war vor der Corona-Pandemie", sagt Pater Thomas Marx. Seitdem ruht das kirchliche Leben in der St-Barbara-Kirche in Wathlingen. Wie es weitergeht, weiß derzeit niemand. Ob wieder Messen gefeiert werden oder das Gotteshaus dauerhaft geschlossen wird – alles scheint möglich.

Klar ist: In der katholischen Kirche wird alles weniger. Es gibt weniger Mitglieder, weniger Personal, weniger Ehrenamtliche und weniger Geld. "Kirche wird kleiner", sagt Marx. Weil sich die Kirche nicht mehr so viel leisten kann wie früher, habe das Bistum Hildesheim einen "Immobilienprozess" angestoßen, heißt es. "Langfristig wird sich das Bistum von rund der Hälfte der Gebäude trennen müssen", sagt Andrzej Tenerowicz, leitender Pfarrer der Pfarrei St. Ludwig in Celle. Pastorale, bauliche und finanzielle Aspekte kommen auf den Prüfstand. Es geht um ökumenische Kooperationen, die räumliche Nähe zu benachbarten Kirchorten, die Frage nach einer pastoralen Vision für die Zukunft – all das spielt mit hinein. Anders gesagt: "Es geht darum, für die Zukunft die richtigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen", so Andreas Holzapfel vom Kirchenvorstand St. Ludwig.

Betonbrocken fielen vom Turm

In Wathlingen kam in den vergangenen eineinhalb Jahren einiges zusammen. Zunächst stoppte Corona das kirchliche Leben, dann fielen Betonbrocken aus dem Kirchturm direkt auf den Platz vor der Eingangstür. Die Kirche wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt. Inzwischen ist der Turm zwar repariert, doch die Pandemie legte das ehrenamtliche Engagement lahm. Und ohne Ehrenamtliche, die beispielsweise Küsterdienste übernehmen und Gottesdienste vorbereiten, geht gar nichts.

Zur Celler Pfarrei St. Ludwig gehören neben den beiden Kirchen St. Ludwig und St. Hedwig die Gotteshäuser in Wathlingen, Nienhagen und Lachendorf. Ziel der Pfarrei ist es, erstmal in den "Immobilienprozess" des Bistums hineinzukommen, denn dort werden derzeit nur zehn Gemeinden betreut. Das Bistum will nicht von oben herab entscheiden, sondern im Dialog mit den Verantwortlichen vor Ort. Dafür braucht es Personal und Zeit.

2017 wurde Eschede geschlossen

Das Thema ist keineswegs neu. Seit vielen Jahren stellt sich die Kirche auf die Schrumpfung ein. 2008 legte das Bistum zum Beispiel eine Liste vor. 80 Kirchen sollten profaniert, also entweiht werden, darunter die Häuser in Wietze, Winsen und Lachendorf. Nach langen Diskussionen kam es dann doch anders: Keine der drei Kirchen wurde entweiht. Dagegen war 2017 in Eschede Schluss. Die katholische Kirche St. Theresia vom Kinde Jesu wurde geschlossen.

Inzwischen dürfte der Druck immer größer werden, wozu die Missbrauchsskandale wesentlich beigetragen haben. Immer mehr Menschen, vor allem Jüngere, kehren der katholischen Kirche den Rücken. Trotzdem gibt es im Kreis Celle noch 13 katholische Kirchen. "Das ist recht viel", so Pater Thomas Marx. "Celle ist ja ein traditionell evangelisch geprägtes Gebiet. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es katholische Kirchen nur in Unterlüß, Wietze und Celle."

Kirche wurde vor 60 Jahren gebaut

Das Gotteshaus in Wathlingen wurde 1961 gebaut. Im Kalibergwerk arbeiteten viele Katholiken, St. Barbara ist die Schutzpatronin der Bergleute. Noch heute soll es zwischen 400 und 500 Katholiken in der Gemeinde Wathlingen geben. Bis auf weiteres müssen sie sonntags zum Gottesdienst nach Nienhagen fahren.

Falls es in Wathlingen weitergehen sollte, müsste man wohl Geld in das Gebäude stecken. Zunächst müsste ein Baugutachten erstellt werden, möglicherweise ist eine größere Sanierung nötig. Die Frage steht im Raum, ob das überhaupt noch Sinn macht. Doch entschieden ist bisher nichts, Kirche habe eine Aufgabe vor Ort, betonen die Verantwortlichen. Thomas Marx sagt: "Wir müssen jetzt in ehrlicher Weise die Dinge auf den Tisch legen."