Container am 4G-Park

In Wathlingen fehlen drei Kita-Gruppen

Überraschende Entwicklung oder schlechte Planung? In Wathlingen fehlen plötzlich drei Kita-Gruppen. Und jetzt?

  • Von Simon Ziegler
  • 24. Mai 2022 | 17:56 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 24. Mai 2022 | 17:56 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Wathlingen.

So intensiv hat der Wathlinger Gemeinderat lange nicht mehr miteinander gerungen: Bei einer Sondersitzung des Gremiums am Montagabend gab es enorm viel Gegenwind für die Verwaltung um Bürgermeister Torsten Harms. Denn es fehlen kurzfristig in der Gemeinde drei Kita-Gruppen. Jetzt soll am 4G-Park in Wathlingen auf die Schnelle eine Containeranlage aufgebaut werden. Für 65 Kinder – eine Krippen- und zwei Kindergartengruppen – fehlt bislang eine Betreuung nach den Sommerferien.

Mit der heißen Nadel gestrickt

Um den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz zu garantieren, votierte die Mehrheit des Rates mit den Stimmen von CDU, FDP und Bürgerlicher Liste schließlich für die Container-Lösung. Von SPD und Grünen gab es Kritik. Das Vorgehen der Gemeinde sei „Flickwerk“, schimpfte Monika Wendt (SPD). „Wir sagen Nein, weil dies nicht kostengünstig ist und der 4G-Park kein Kindergarten werden soll.“ Ihr Parteikollege Alexander Gold erinnerte daran, dass die Sozialdemokraten 2017 den Neubau eines Kindergartens gefordert hatten. „Das wäre viel günstiger geworden“, sagte er. Und Christian Sauer von den Grünen bemängelte eine „qualitativ nicht befriedigende“ Planung der Gemeinde. „Das ist alles mit der heißen Nadel gestrickt.“

Neubaugebiete und Generationenwechsel

Bürgermeister Harms entgegnete, dass für die hohen Anmeldezahlen in den Kitas nicht nur die Neubaugebiete, sondern auch der Zuzug von Familien in Bestandsimmobilien verantwortlich seien. Die hohen Anmeldezahlen kämen überraschend und seien erst seit „Ende März, Anfang April“ klar. Unterstützung gab es von Beatrix Thunich (FDP): „Das ist nicht planbar. Das konnten wir vor zwei Jahren nicht wissen.“ Jobst von Reden (CDU) forderte SPD und Grüne auf, nicht in die Vergangenheit zu schauen, sondern konkrete Vorschläge für die Zukunft zu machen.

Bürgermeister "erschüttert"

Harms reagierte „erschüttert und fassungslos“ auf die Kritik, wie er sagte. Schließlich habe die Gemeinde in Sachen Kitas „gute Politik“ gemacht. Dabei erinnerte er an den kostengünstigen Kindergarten, der in den Räumen der früheren Janusz-Korczak-Schule untergebracht wurde.

Die Gemeinde will jetzt die wirtschaftlichste Lösung bei den Containern anstreben. Das heißt, es ist noch nicht klar, ob diese gemietet oder gekauft werden. Teuer wird es so oder so. Als Mietkosten steht die Zahl von 320.000 Euro pro Jahr im Raum. Der Kaufpreis liegt laut Bürgermeister bei 630.000 Euro. Langfristig soll dann die Kita Lummerland ausgebaut werden, indem auf das Gebäude des 4G-Parks aufgestockt wird.

Wo kommt Personal her?

Fürs Erste das größte Problem dürfte sein, bis August sieben weitere Erzieherinnen und Erzieher für die Kita Lummerland zu finden, um die Kinder in den drei weiteren Gruppen überhaupt betreuen zu können. Der Erzieher-Markt gilt als vollkommen leergefegt. Zahlreiche Gemeinden haben Probleme, Personal zu finden.

Meinung

Besser planen

Es kommt in den Celler Gemeinden regelmäßig vor, dass mal eine Kita-Gruppe fehlt. Weil natürlich nicht hundertprozentig planbar ist, wie viele Kinder in Krippen und Kindergärten angemeldet werden.Ein Blick ins Melderegister hilft da nur bedingt. Es gibt Zuzüge und Wegzüge. Und man weiß zwar, dass sich Familien in Neubaugebieten niederlassen. Aber welches Kind im Grundschulalter und welches im Krippenalter ist, weiß man eben erst zum Stichtag am 15. März, wenn um Anmeldungen für die Kitas gebeten wird. Und auch danach besteht der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz fort. Die genaue Planung ist im Detail ein schwieriges Geschäft, und dennoch:Es hat es wohl in einer Gemeinde im Kreis Celle noch nie gegeben, dass plötzlich drei Gruppen fehlen. Bei allem Verständnis für die Nöte von Kommunen: Es ist die Aufgabe einer Verwaltung, frühzeitig zu erkennen, wie viele Anmeldungen ungefähr erwartet werden. Und so ganz überraschend können die Zahlen in Wathlingen kaum sein. Laut Samtgemeinde wurde schon im Juli 2021 darüber gesprochen, dass in der Kita Lummerland zwei weitere Gruppen nötig seien.Natürlich ist es jetzt richtig, Container am 4G-Park aufzustellen. Es gibt ja keine Alternative dazu. Grundsätzlich aber hat die Ratssitzung am Montag gezeigt: Die Kita-Planung in Wathlingen lässt zu wünschen übrig.