Trauer um Wathlingerin

Getötete Esra in Türkei beigesetzt

Vor einer Woche wurde Esra aus Wathlingen getötet. Sie wurde nun beigesetzt. Der mutmaßliche Täter schweigt. Ihre Söhne (16) melden sich mit bewegenden Worten.

  • Von Simon Ziegler
  • 11. Mai 2022 | 17:17 Uhr
  • 14. Juni 2022
"Gerechtigkeit für Esra" heißt eine Seite bei Instagram. Die Ezidin aus Wathlingen war in der vergangenen Woche in Burgdorf erstochen worden.
  • Von Simon Ziegler
  • 11. Mai 2022 | 17:17 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Wathlingen.

Ihre Söhne veröffentlichten am Sonntag einen bewegenden Trauerpost im Internet. „Hallo Mama, wir sind dankbar für alles, was du uns gegeben hast. Wir vermissen deine lustige Art, deinen Duft und deine Stimme“, schreiben sie auf der Instagram-Seite „Gerechtigkeit für Esra“, die offenbar von der Familie eingerichtet wurde. „Es gibt keine Sekunde, in der wir nicht an dich denken. Heute ist Muttertag und wir hatten dir eine Kleinigkeit vorbereitet, haben uns auf den Tag mit dir gemeinsam gefreut. Doch nun sitzen wir hier alleine“, trauern die 16-jährigen Zwillingsbrüder. „Liebe Mama, wir wissen, dass du immer für uns da bist und weiterhin auf uns aufpasst.“

Trauerfeiern in Celle und Bad Fallingbostel

Die 35-jährige Esra war am vergangenen Dienstag in Burgdorf mit mehr als einem Dutzend Messerstichen getötet worden. Täter soll ihr Ehemann (37) sein, der als Müllwerker und Pizzabote gearbeitet hat und in Wathlingen als beliebt und freundlich galt. Offenbar hatte sich die Frau von ihm getrennt. Beide sind ezidische Kurden. Ende der vergangenen Woche fanden Trauerfeiern in Celle und Bad Fallingbostel statt. Der Leichnam der Frau wurde anschließend in die Türkei überführt. Nach CZ-Informationen fand dort am vergangenen Wochenende die Beerdigung statt.

Ehemann schweigt

Der Ehemann sitzt in U-Haft und schweigt. Die Staatsanwaltschaft in Hildesheim hat auf Anfrage erklärt, dass sich der Beschuldigte weiterhin nicht zur Tat eingelassen habe. Viele Fragen seien noch offen. „Wir wissen noch nicht, wie der Beschuldigte nach Burgdorf gekommen ist. Es spricht alles dafür, dass er es alleine gewesen ist“, sagte eine Sprecherin. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er das Messer, mit dem er seine Frau erstochen hat, mitgebracht hat. Das würde für eine geplante Tat sprechen. Matthias Waldraff, Anwalt des Beschuldigten, hatte vergangene Woche gesagt, dass die Tat auf offener Straße vor Zeugen darauf hinweise, dass sie nicht geplant gewesen sei. Das Spurenbild spreche für eine psychische Extremsituation. Waldraff wollte sich zu dem Messer am Dienstag nicht äußern. Er will jetzt zunächst die Akten sehen, sagte er der CZ.

War es ein "Ehrenmord"?

Unterdessen spricht die Journalistin und Filmemacherin Düzen Tekkal (43) aus Hannover, die selbst Ezidin ist, von sogenanntem Ehrenmord und Femizid. „Ich werde nicht schweigen. Esra wurde getötet, weil sie sich trennen wollte. Ich verachte diesen Teil falsch verstandener Ehre. Wir lassen diese Frauen im Stich“, schrieb Tekkal im Internet. „Alles was Esra sich gewünscht hat, war frei zu leben, ein selbstbestimmtes Leben führen. Es bricht mir das Herz, dass wir Esra nicht retten konnten vor ihrem Mörder. Dieser toxische Teil von falsch verstandenem Ehrgefühl hat nichts mit Kultur zu tun. Es ist grausam und menschenverachtend. Wir müssen das Schweigen darüber brechen“, so die Journalistin, die offenbar in Kontakt mit der Familie in Wathlingen steht.

Anwalt fordert Zurückhaltung

Die Diskussion um einen möglichen "Ehrenmord" könne er „grundsätzlich nachvollziehen“, sagte Anwalt Waldraff. Zugleich appellierte er, sich mit einer endgültigen Bewertung zurückzuhalten. „Ich würde es begrüßen, wenn man die weitere Entwicklung und die Details abwartet, bevor man alles in eine Kiste packt und zuschließt“, sagte er.

Frauenrat: Wut und Trauer

Klare Worte gab es von der Frauenbegegnungsstätte Utamara und dem Dachverband des Ezidischen Frauenrates. „Wir sind wütend und wir trauern. Der Femizid an Esra erschüttert uns. Sie wurde getötet, weil sie eine Frau ist und weil der Mann seinen Besitzanspruch gefährdet sah“, hieß es in einem im Internet verbreiteten Statement. In Deutschland seien Femizide traurige Alltagsrealität.