Urteil in Lüneburg

Diese Strafe erwartet den Ex-Polizisten

Brandstiftung und Diebstahl in etlichen Fällen: Das Landgericht Lüneburg hat einen Ex-Polizisten aus Nienhagen zu einer Haftstrafe verurteilt.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 16. Nov. 2020 | 15:13 Uhr
  • 12. Juni 2022
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  • 16. Nov. 2020 | 15:13 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Nienhagen.

Am Montag fiel vor dem Landgericht Lüneburg das Urteil im Prozess gegen Gorch U. aus Nienhagen. Der 55-Jährige wurde wegen Brandstiftung, versuchter Brandstiftung, Diebstahl von Wildkameras in über 20 Fällen und Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verurteilt. Der Ex-Polizist muss für drei Jahre ins Gefängnis. "Es ist schwer zu begreifen, was sich bei Ihnen in den letzten Jahren entwickelt hat", sagte der Vorsitzende Richter Michael Herrmann an die Adresse des Nienhägers.

"Ganze Region in Angst und Schrecken versetzt"

"Sie haben eine ganze Region in Angst und Schrecken versetzt", machte der Richter klar. Die Celler Kriminalpolizei hatte lange Zeit auf der Stelle getreten, der Tatzeitraum umfasste die Jahre 2016 bis 2020. Die Gründung der Ermittlungsgruppe "Hubertus" brachte im Januar dieses Jahres den Durchbruch. Gorch U. wanderte in U-Haft und räumte die Vielzahl der Vorwürfe beim Prozessauftakt im Juli ein. "Sie haben uns eine noch längere Beweisaufnahme erspart. Es ist unerklärlich, dass es soweit kommen könnte", so Herrmann, der Verärgerung als Motiv erkannte. "Die Jagdgesellschaft nahm Herrn U. nicht in ihren Reihen auf. Da beschlossen Sie: Ihr lasst mich nicht jagen, jetzt zünde ich Euch die Hütten an."

DNA-Spur am Hochsitz

Der Vorsitzende sezierte zwei Taten besonders ausführlich, die der 55-Jährige bis zuletzt bestritten hatte, darunter den Brand des Hochsitzes "Ackerkanzel" am 17. Oktober 2019. Eine Spaziergängerin hatte die Flammen bemerkt und die Feuerwehr verständigt. "Wir sind sicherer Überzeugung", dass U. der Verursacher war, so das Gericht. Herrmann hielt dem Angeklagten vor, dass die Spurensicherung auf dem Türriegel des Hochsitzes eine DNA-Spur von ihm fand und argumentierte weiter: "Es ist eine identische Begehung mit anderen von Ihnen verübten Taten", argumentierte der Vorsitzende. Zudem glaubte das Gericht U. nicht, der den Diebstahl einer Wildkamera im Frühjahr vor viereinhalb Jahren geleugnet hatte. Vom Vorwurf der Sachbeschädigung – das betraf das Umstoßen zweier Kanzeln Ende Juli und Anfang August 2019 im Bereich von Altencelle – sprach die Strafkammer U. hingegen "mangels sicherer Überzeugung" frei.

"Viel verbrannte Erde hinterlassen"

"Sie haben in Ihrer Heimat viel verbrannte Erde hinterlassen. Es wird schwer, dort wieder ein Bein auf den Boden zu kriegen. Sie stehen zudem vor schweren wirtschaftlichen Folgen", sagte der Vorsitzende und skizzierte den Lebenslauf. Unter nicht einfachen Bedingungen wuchs U. auf. Die Bewerbung bei der Polizei verlief erfolgreich, dem schloss sich eine über drei Jahrzehnte dauernde Tätigkeit als Polizist an. Die Schwierigkeiten begannen schleichend. Im Kollegenkreis gab es Mobbing. Der Familienvater verlor den Halt, schied aus dem aktiven Dienst aus und wurde kriminell. Bislang stehen drei Eintragungen in seinem polizeilichen Führungszeugnis. Das Amtsgericht Celle verurteilte ihn zwischen 2016 und 2018, zweimal wegen Körperverletzung, einmal wegen Diebstahl.

Urteil ist noch nicht rechtskräftig

U., der die Verbrechen "zutiefst bereute", hat bis kommenden Montag Zeit zu überlegen, ob er Rechtsmittel gegen das Lüneburger Urteil einlegen will oder nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und acht Monate Gefängnis gefordert, die Verteidigung plädierte auf Bewährung. Bis zum rechtskräftigen Urteil bleibt der 55-Jährige auf freiem Fuß.

Von Benjamin Reimers

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