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Nienhagen Mitmenschen in Not: Familie muss viele Probleme bewältigen
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Nienhagen Mitmenschen in Not: Familie muss viele Probleme bewältigen
20:50 11.12.2015
Nienhagen

Ganz romantisch hat es mit Annika und Sven Fellner (Namen wurden von der Redaktion geändert) begonnen: Die große Liebe noch zur Schulzeit. Die beiden machen ihren Schulabschluss, Annika wird schwanger und sie heiraten. Mit 19 sind beide Eltern. Von den Großeltern ist eine kleine Erbschaft da, die beiden kommen zurecht. Sven beginnt eine Ausbildung zum Altenpfleger, seine Frau versorgt das Baby.

Annikas Plan, wenn der Sohn alt genug für den Kindergarten ist, selbst eine Lehre zu beginnen, kommt eine zweite Schwangerschaft dazwischen. „Wir haben uns gefreut, Tobias sollte nicht alleine aufwachsen“, erzählt die heute 31-Jährige. Der zweite Sohn Helge ist gerade geboren, als Sven seine erste Arbeitsstelle antritt. Das Haushaltsbudget ist knapp, aber es reicht. Die Familie richtet sich in einer kleinen Mietwohnung in Nienhagen ein. Sohn Nummer drei meldet sich an. „Wir lieben Kinder und haben uns immer eine große Familie gewünscht“. Die Beiden wollten es besser machen als ihre Eltern. Sowohl Annika als auch Sven hatten als Kinder Streit, Rosenkriege und Trennung miterlebt. „Jetzt waren wir zusammen glücklich!“

Die Familienplanung sollte damit abgeschlossen sein. Wenn Tim alt genug für die Krippe wäre, wollte Annika endlich ihre soziale Ausbildung beginnen, damit Sven die finanzielle Versorgung der Familie nicht mehr alleine schultern müsste. Aber wieder machte das Schicksal ihren Zukunftsplänen einen Strich durch die Rechnung. Bei Helge wurden Verhaltensauffälligkeiten deutlich, ein Test ergab, dass er Anzeichen für das Asperger Syndrom aufwies. Damit begann eine Kette von Untersuchungen und therapeutischen Behandlungen und wieder mussten die Lebenspläne der Fellners geändert werden.

Mit Pflege- und Kindergeld plus Svens Gehalt kam die junge Familie gerade so über die Runden, da wurde Annika im vergangenen Jahr erneut – trotz Verhütung – schwanger. Parallel dazu hatte Sven die Möglichkeit in Aussicht gestellt bekommen, ein duales Studium zu beginnen – das heißt arbeiten und studieren gleichzeitig. Die Fellners hätten für die notwendige Zwischenfinanzierung sogar einen kleinen Kredit bewilligt bekommen. Es sollte nicht sein: Beim Umbetten einer Seniorin verhob sich der Familienvater, die körperliche Beanspruchung hatte sich bereits auf seinen Rücken ausgewirkt, es kam zum Wirbelschaden. Eine OP folgte, dann Reha. Heute geht es Sven Fellner wieder einigermaßen gut, aber er wird seinen Beruf nicht mehr so wie bisher leisten können.

Mit Unterstützung vom Arbeitsamt hat der 31-Jährige eine neue Arbeit in Aussicht, allerdings bräuchte er dafür einen Lkw-Führerschein – Anträge laufen, aber die Krankengeld-Zahlungsabwicklungen sind noch nicht abgeschlossen und so lange liegt alles Weitere auf Eis. Seit September leben die Fellners von Arbeitslosengeld II. Wenn nicht bald Entspannung eintritt, wird es Sozialhilfe werden. Der kleinste der vier Söhne ist noch zu jung für den Kindergarten, sobald es geht, will Annika endlich ihre Ausbildung beginnen. Auch hier gibt es mit einer Zusage ein kleines bisschen Licht im Dunkeln. Was das kommende Weihnachtsfest allerdings angeht, da stehen die sechs mit leeren Taschen da. Die beiden Eltern sind müde, entmutigt und ringen täglich um neue Kraft. „Das ist ja vor allem für die Kinder schlimm. Für Würstchen wird´s reichen, aber Geschenke sind diesmal einfach nicht drin“.

Von Doris Hennies