Strafmaß wird verhandelt

Ex-Polizist aus Nienhagen: Verhandlung im Juli

Der Brandstifter-Prozess um den Ex-Polizisten Gorch U. aus Nienhagen geht in die Verlängerung. Im Juli wird wieder in Lüneburg verhandelt.

  • Von Simon Ziegler
  • 17. Mai 2022 | 09:44 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 17. Mai 2022 | 09:44 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Nienhagen.

Es ist der nächste Akt im Prozess um den ehemaligen Polizisten Gorch U. aus Nienhagen: Das Landgericht Lüneburg hat auf CZ-Anfrage erklärt, dass in dem spektakulären Brandstifter-Prozess am 7. Juli erneut verhandelt wird. Zeugen sind zu der Hauptverhandlung nicht geladen. Weitere Verhandlungstage sind nicht anberaumt. "Es ist zu erwarten, dass am 7. Juli eine Entscheidung ergeht", sagte Gerichtssprecherin Christina Edinger.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Das Landgericht hatte den heute 56-Jährigen im November 2020 wegen Brandstiftung und versuchter Brandstiftung in mehreren Fällen, Diebstahl von Wildkameras in über 20 Fällen und Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Gorch U. legte Rechtsmittel ein. Der Fall ging nach Karlsruhe, wo der Bundesgerichtshof seine Revision gegen das Urteil schließlich im vergangen Jahr verworfen hatte. Allerdings war das letzte Wort in dem Prozess noch nicht gesprochen. Denn die Staatsanwaltschaft hatte ebenfalls Revision gegen das Lüneburger Urteil eingelegt. Ihr war das Strafmaß von drei Jahren Haft zu niedrig ausgefallen, sie hatte vier Jahre und acht Monate Gefängnis gefordert. Der BGH teilte die Rechtsauffassung der Staatsanwaltschaft in Teilen und verwies die Sache zur erneuten Verhandlung zurück nach Lüneburg, wo eine andere Strafkammer das Strafmaß gegen Gorch U. neu festlegen muss. Und genau das soll Anfang Juli passieren.

Das erstinstanzliche Urteil in Lüneburg hatte sich aus mehreren Einzelstrafen zusammengesetzt, aus der die Gesamtstrafe gebildet wurde. Der Bundesgerichtshof hatte aber festgestellt, dass bei zwei Einzelstrafen das Strafmaß nicht korrekt begründet wurde und deshalb auch die Gesamtstrafe hinfällig werde, hieß es. Bei der erneuten Verhandlung geht es also nicht mehr um die Taten an sich, sondern nur noch um die Höhe der Strafe. "Weil der Sachverhalt aufgeklärt ist, muss keine Beweisaufnahme durchgeführt werden", erläutert Edinger. Ob das Verfahren im Juli beendet ist oder nicht, ist indes noch offen. Es könnten nämlich wieder Rechtsmittel eingelegt werden.

Taten zwischen 2016 und 2020

U. hatte die Taten zwischen 2016 und 2020 begangen. „Sie haben eine ganze Region in Angst und Schrecken versetzt“, hatte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung an die Adresse des ehemaligen Polizisten gesagt. U. hatte eine Vielzahl der Vorwürfe bereits beim Prozessauftakt eingeräumt. Das Motiv: Der Familienvater hatte sich jahrelang bemüht, in die Jägerschaft aufgenommen zu werden. Als ihm dies im Jahr 2016 abermals verwehrt wurde, beschloss er, sich zu rächen: Über vier Jahre hinweg zündete er immer wieder Hochsitze an, stahl Wildkameras und setzte sogar eine Strohmiete in Brand.

Der Angeklagte hatte sich kurz vor der Urteilsbegründung an das Gericht gewandt. „Ich bereue zutiefst, was ich getan habe“, sagte er damals. Die Verteidigung hatte vergebens eine Bewährungsstrafe gefordert. Bis das endgültige Strafmaß feststeht, bleibt der Nienhäger auf freiem Fuß, bestätigte das Gericht. Die Strafkammer des Landgerichts Lüneburg hatte den Haftbefehl nach seinem Geständnis aufgehoben.

Eine CZ-Anfrage bei der Anwältin von U. blieb am Montag unbeantwortet.