Fall landet vor Gericht

Brandserie rund um Nienhagen: Anklage erhoben

Über vier Jahre hatte ein ehemaliger Polizist diverse Straftaten rund um Nienhagen begangen. Nun wurde Anklage gegen ihn erhoben. Was ihm droht und was Opfer sagen.

  • Von Carsten Richter
  • 11. Juni 2020 | 15:55 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Carsten Richter
  • 11. Juni 2020 | 15:55 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Nienhagen.

Seine Taten haben für großen Schrecken rund um Nienhagen gesorgt. Gestohlene Wildkameras, beschädigte Hochsitze und schließlich rund 1000 angezündete Strohballen: Diese lange Liste an Straftaten hat sich über einen Zeitraum von fast vier Jahren immer weiter verlängert. Nun ist klar, dass dem mutmaßlichen Täter – einem 54-Jährigen aus Nienhagen – der Prozess gemacht wird. Das Landgericht Lüneburg hat die Anklage erhoben.

Das wird dem Mann aus Nienhagen vorgeworfen

Wann das Verfahren beginnt und wie lange es voraussichtlich dauern wird, steht noch nicht fest, wie Gerichtssprecherin Susanne Ehret auf CZ-Anfrage sagte. " Gegenstand der Anklageschrift sind eine Vielzahl von Straftaten , unter anderem Diebstahl, Sachbeschädigung und Brandstiftung", sagte Ehret. Die Straftaten ereigneten sich von April 2016 bis Januar 2020.

Strohballen im Januar angezündet – schnelle Festnahme

Mitte Januar soll der Nienhäger, ein ehemaliger Polizist, in der Nähe seines Wohnortes in der Nacht rund 1000 Strohballen angezündet haben – es war der Abschluss einer langen Reihe von Straftaten. Schon am nächsten Tag hat ihn die Polizei festgenommen, es wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen. Im Blickfeld der Polizei war er schon länger. Nach seiner Festnahme wurde unter anderem das Wohnhaus des Beschuldigten durchsucht. Eine eingerichtete Ermittlungsgruppe stellte dabei weitere Beweismittel sicher. Allein sieben Brandstiftungen werden ihm vorgeworfen; neben den Strohballen soll er auch sechs Hochsitze angezündet haben.

Betroffene Familie aus Bennebostel erleichtert

Seitens der Jäger war die Erleichterung groß, dass der mutmaßliche Täter so schnell gefasst wurde. Auch Heike Kläke sei ein Stein vom Herzen gefallen, wie sie am Donnerstag im Gespräch mit der CZ sagte. Die Landwirtin aus Bennebostel, deren Familie die vernichteten Strohballen gehörten, war fassungslos nach der Tat im Januar. Rund zwei Drittel des Bestandes waren durch die Flammen zerstört worden.

Opfer haben keinen Hass auf Täter

Der 54-jährige ist in Nienhagen und Umgebung kein Unbekannter. "Diese Tat hätte ich ihm nicht zugetraut", sagte Kläke gestern, nachdem sie durch einen Anruf der Redaktion von der Anklageerhebung erfuhr. "Ich habe keinen Hass auf ihn", sagte sie weiter. "Seine Taten sind doch ein Hilfeschrei. Ich hoffe, dass ihm geholfen wird." Der Bauernfamilie war ein Schaden in fünfstelliger Höhe entstanden, der aber wieder ausgeglichen wurde. "Die Strohballen waren versichert, auch die Entsorgung wurde von der Versicherung übernommen", so Kläke.

Betroffene Familie sagt: Taten sind "haarsträubend"

Auch wenn sie beinahe Mitleid mit dem mutmaßlichen Brandstifter hat, so sehr kann sie beim Gedanken an seine Straftaten nur den Kopf schütteln. "Es ist haarsträubend, was er alles getan haben soll. Ich möchte nicht wissen, was in ihm vorgeht", sagte das Opfer.

Strafmaß lässt sich schwer abschätzen

Wie hoch das Strafmaß für den Nienhäger ausfällt, lasse sich derzeit nicht abschätzen, so die Lüneburger Gerichtssprecherin. "Für die Strafzumessung spielen letztlich viele Faktoren eine Rolle", sagte Ehret auf Nachfrage. Darüber zu urteilen, sei der Strafkammer im Rahmen der Hauptverhandlung vorbehalten.