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Adelheidsdorf 52 Stankiewicz-Mitarbeiter gekündigt
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Adelheidsdorf 52 Stankiewicz-Mitarbeiter gekündigt
14:06 13.06.2010
Von Simon Ziegler
Adelheidsdorf

Nachdem Ende März 133 Beschäftigte des insolventen Automobil-Zulieferers Stankiewicz entlassen wurden, gibt es neue Hiobsbotschaften für die Belegschaft in Adelheidsdorf. Wie Holger Voskuhl, Sprecher des Insolvenzverwalters Christopher Seagon, gestern der CZ mitteilte, wurde weiteren 52 Mitarbeitern aus „Zentralbereichen“ gekündigt. Betroffen sind vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung, in Vertrieb und Entwicklung sowie der Führungsebene, hieß es gestern. Bundesweit werden 118 Stellen abgebaut, so Voskuhl. Am Stankiewicz-Werk in Hamburg wurden 66 Entlassungen ausgesprochen, sagte er.

Mit der vermeldeten zweiten Entlassungswelle wurde die Belegschaft in Adelheidsdorf innerhalb von wenigen Monaten um rund ein Drittel verringert. Vor der Krise beschäftigte der Hersteller von Schallisolierungen am Hauptwerk in Adelheidsdorf rund 600 Mitarbeiter, künftig sind es nur noch etwa 400 Beschäftigte. Der Betriebsrat sei in die Kündigungen, die am Freitag und gestern ausgesprochen wurden, eingebunden gewesen, so Voskuhl weiter.

Betriebsratsvorsitzender Gerhard Thies bezeichnete die Entwicklung als „sehr bedauerlich. Für die Betroffenen sind die Kündigungen schwer zu verstehen“, so Thies. Er verwies darauf, dass im Erwerberkonzept, das der neue Eigentümer International Automotive Components (IAC) vorgelegt habe, ursprünglich sogar 66 Stellen in Adelheidsdorf gestrichen werden sollten. Der neue Eigentümer sei aber auch eine Chance für den angeschlagenen Autozulieferer, um in Adelheidsdorf überhaupt weiterzumachen, so Thies. „Sonst wäre es noch viel schlimmer gekommen.“

Die Beschäftigten, deren Arbeitsplätze nicht gestrichen werden, müssten nach seinen Informationen keine finanziellen Einbußen befürchten. „Weitere Einschnitte sind momentan nicht erkennbar“, sagte der Betriebsratschef gestern der CZ.

In Adelheidsdorf hofft man jetzt, dass mit den ausgesprochenen Kündigungen das Ende der Entlassungen erreicht ist. In der vergangenen Woche hatte IAC-Europachef Jens Höhnel während einer Pressekonferenz angekündigt, den Standort Adelheidsdorf zu einem Kompetenzzentrum auszubauen und alle Stankiewicz-Standorte in Deutschland zu halten. Holger Voskuhl vom Team des Insolvenzverwalters gab sich gestern bedeckt. „Sollte der Umsatz in der Automobilbranche weiter rückläufig sein, ist das negativ für die Zulieferer. Seriös kann momentan keiner sagen, wie sich der Markt entwickelt.“

Beim angeschlagenen Zulieferer Stankiewicz arbeiten künftig nur noch 400 Beschäftigte.  Archivfoto: Volkmer

International Automotive Components (IAC): US-Marktführer für Schallisolierungssysteme

Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, übernimmt der US-Konzern International Automotive Components (IAC) den angeschlagenen Zulieferer Stankiewicz. Hinter der IAC-Gruppe verbirgt sich ein international tätiges Unternehmen, das nach eigenen Angaben Zentralen in Europa, Nordamerika, Südamerika, Japan, China und Indien hat. Das europäische Hauptquartier hat seinen Sitz in Krefeld.

IAC wirbt mit der Entwicklung hochwertiger Produkte und finanzieller Stabilität. Europachef Jens Höhnel betonte, dass IAC schuldenfrei sei. „Wir können alles, was wir erwirtschaften, in das Unternehmen stecken.“

IAC ist vor vier Jahren entstanden. Der Konzern, dessen Haupteigentümer der Amerikaner Wilbur L. Ross ist, hat weltweit Unternehmen gekauft oder Beteiligungen erworben. Dazu gehört unter anderem der frühere Lear-Konzern. Nach Presseberichten hat sich der 71-jährige Ross auf Sanierungsfälle spezialisiert und besitzt Beteiligungen unter anderem in der Stahlindustrie, der Telekommunikation und der Textilindustrie. Zu IAC gehört außerdem das europäische Geschäft des Kunststoffspezialisten Collins & Aikman.

Stankiewicz scheint in die Unternehmensstrategie von IAC zu passen. Die Adelheidsdorfer sind auf Schallisolierungssysteme für Fahrzeuge spezialisiert. Hier ist IAC nach eigenen Angaben in den USA Marktführer. Dieses Ziel werde nun mit Stankiewicz in Europa angestrebt, heißt es.