Familienforschung

Den Ahnen auf der Spur

Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit Genealogie. Das gefällt dem Lachendorfer Jürgen Klatt an seinem Hobby.

  • Von Svenja Inken Gajek
  • 15. Juni 2021 | 12:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
Jürgen Klatt findet bei seiner Arbeit manchmal erstaunliche Verbindungen, wie zuKronprinz Frederik von Dänemark (Foto auf dem Bildschirm), mit dem er gemeinsame Vorfahren hat. Klatt glaubt, in den Gesichtern der Kinder des Kronprinzen Ähnlichkeiten mit seinen eigenen Enkelkindern zu sehen.
  • Von Svenja Inken Gajek
  • 15. Juni 2021 | 12:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Lachendorf.

Fast könnte man meinen, man sei bei einem Historiker zu Hause. Karten, alte Bücher und jede Menge Ordner umgeben Jürgen Klatt in seinem Haus. Der Lachendorfer beschäftigt sich mit Genealogie – Familienforschung. Dieses Hobby ist in den vergangenen Jahren immer populärer geworden.

Standard-Literatur für Familienforscher.

Historische Dokumente von der Großtante geerbt

Klatt sitzt am Laptop und wertet Daten aus. Auf dem Tisch liegen diverse Unterlagen. Ein besonderer Schatz für ihn ist eine Mappe mit handschriftlichen Dokumenten, die er von seiner Großtante geerbt hat. "Diese Papiere waren der Anlass, mich mit meiner Familiengeschichte auseinanderzusetzen", sagt der 85-Jährige. Erstaunliches ist dabei herausgekommen: Der gebürtige Berliner konnte in seiner Ahnenreihe Verbindungen zu diversen Persönlichkeiten europäischer Geschichte herstellen. Darunter sind zum Beispiel Karl der Große sowie der Jurist und Diplomat Justus Oldekop, der sich im 17. Jahrhundert als einer der wenigen aktiven Gegner der Hexenprozesse hervortat.

Das Taufzeugnis eines Ahnen Klatts mit Namen "von Bornstedt" aus einer katholischen Kirche in Oberschlesien.

Der größte Fund seines Lebens

Seinen größten Fund bisher machte Klatt dank der Mormonen: Die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" hatte früher in Celle eine Niederlassung. Dort standen Computer mit digitalisierten Kirchenbüchern. "Ich habe das Taufzeugnis eines meiner Ahnen mit Namen 'von Bornstedt' aus einer katholischen Kirche in Oberschlesien gefunden. Ich hatte mir schon gedacht, dass der dahin gehört, und jetzt hatte ich es endlich schriftlich."

Vorlagen für eine Ahnentafel findet man im Internet.

Verwandte befragen und Internet-Recherche

Klatt hat einige Tipps für Menschen, die nach ihren eigenen Vorfahren suchen wollen: Zunächst sollte man bei den Verwandten herumfragen. Hinweisen kann man dann in diversen Online-Archiven nachgehen. "Eine gute erste Anlaufstelle ist die Webseite des Vereins für Computergenealogie compgen.de", sagt Klatt. "Unter 'Metadaten' hat man die Möglichkeit, gleichzeitig verschiedene Datenbanken, wie Ortsfamilienbücher und Grabsteinlisten, zu durchsuchen." Eine andere wichtige Anlaufstelle ist der Niedersächsische Landesverein für Familienkunde in Hannover. Auf seinen Rechnern kann man kostenfrei den Zugang zum "Archion-Projekt" nutzen, einem Online-Archiv für Kirchenbücher. Ein Zugang von außen ist auch möglich, aber kostenpflichtig. "Man sollte außerdem einfach mal versuchen, bei den Kirchengemeinden direkt um Auskunft zu bitten", sagt Klatt. "Allerdings wird Fremden heute der Zugang mit Hinweis auf den Datenschutz oft verweigert."

Alte Handschriften zu entziffern, fällt selbst geübten Familienforschern oft nicht leicht.

Ergebnisse schriftlich festhalten

Weiß man, dass es Förster in der Familie gegeben hat, so lohnt sich beim Familienkundeverein ein Blick in das Verzeichnis "Niedersächsische Förster und ihre Familien". Zudem kann das Stöbern in den "Deutschen Geschlechterbüchern" hilfreich sein. In diesen stehen Stammfolgen bürgerlicher Familien. Sie sind Klassiker in der Familienforschung und das Pendant zu den genealogischen Handbüchern des Adels. Besonders wichtig sei es, alle Forschungsergebnisse immer gleich schriftlich festzuhalten, so Klatt. Im Internet findet man dafür geeignete Vorlagen.

Viele Leute hatten in der Zeit des Nationalsozialismus einen sogenannten "Ahnenpass". Er sollte ein "Nachweis der arischen Abstammung" sein.

Zufälle des Lebens

Unzählige Stunden hat Jürgen Klatt mittlerweile in sein Hobby investiert: "Es ist eine Detektivarbeit. Sie bleibt spannend, denn man findet immer etwas Neues." Nicht selten komme es vor, dass man sogar im eigenen Dorf Verbindungen herstellen kann, wie es Klatt an seinem vorherigen Wohnort Hohne passiert ist: "Ich habe herausgefunden, dass ich nicht nur mit den Leuten vom Gutshof verwandt bin, sondern auch mit meinen direkten Nachbarn."