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Lachendorf Valentino Walter will hoch hinaus
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Dachdecker-Azubi Valentino Walter aus Celle will hoch hinaus

10:00 10.03.2021
Valentino Walter hat keine Höhenangst. Das wäre für einen Dachdecker auch schlecht.
Valentino Walter hat keine Höhenangst. Das wäre für einen Dachdecker auch schlecht. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Lachendorf

„Meine Eltern finden das super“, freut sich Valentino Walter über seinen Ausbildungsplatz in dem Dachdeckerbetrieb Heine in Lachendorf. Seit August ist er jetzt in dem Unternehmen tätig, das zurzeit 19 Mitarbeiter beschäftigt – einschließlich vier Auszubildende. Der Chef versucht immer, seine Mitarbeiter ganzjährig zu beschäftigen.

Schwindelfrei muss man schon sein. Seine anfängliche Höhenangst hat der Auszubildende, der in Lachendorf das Dachdeckerhandwerk erlernt, mittlerweile überwunden. Quelle: Lothar H. Bluhm (3)

Chef der Dachdecker-Firma Heine in Lachendorf: „Wir haben schon immer ausgebildet“

„Wir sind ein mittelständisches Dachdeckerunternehmen, das seit 1962 besteht, im kommenden Jahr also Jubiläum hat“, beschreibt Zimmerer und Dachdeckermeister Ekhard Wilkens die Firma, deren Chef er seit 1998 ist. Zuvor war er bereits fünf Jahre als Meister in dem Betrieb tätig. „Wir haben schon immer ausgebildet. Unser Hauptbetätigungsfeld liegt im Raum Celle und in einem Radius von rund 50 Kilometern um unseren Betrieb herum.“ Zu je einem Drittel kommen Aufträge von privaten Kunden, von der öffentlichen Hand und aus der Industrie. Der Betrieb ist im Neubaubereich und in der Sanierung tätig.

Dachdeckermeister Ekhard Wilkens bildet "schon immer" aus. Quelle: Lothar H. Bluhm

Gute Übernahmechancen

Die eigenen Auszubildenden nach ihrer Lehrzeit im Betrieb zu halten, ist im gegenseitigen Interesse. So könne für qualifizierten Nachwuchs gesorgt werden und der immer wieder erörterte Fachkräftemangel sei handhabbar. So kämen immer wieder frisches Blut und frisches Knowhow in die Firma. Wilkens: „Bei uns kommen die Azubis an die Arbeit ran, denn dabei lernt man am meisten!“

Höhenangst ist jetzt weg

Das bestätigt auch Auszubildender Valentino Walter: Das etwas mulmige Gefühl, das er immer dann hatte, wenn er höher hinauf wollte, hat sich inzwischen gelegt: „Zu Beginn meiner Ausbildung hatte ich Höhenangst, aber die ist jetzt weg“, sagt der 20-Jährige. Dabei helfen auch die von der Berufsgenossenschaft vorgeschriebenen Sicherungsmaßnahmen. Wobei es ja von Berufswegen her gerade Dachdecker sind, die am höchsten Punkt des Hauses arbeiten müssen: Bei der Dachentwässerung, bei Schornsteinhauben, Dachrinnen und Fassaden. Bei der Wärmedämmung, bei Dampfsperren, Unterspannbahnen, bei Holzwolle-Leichtbauplatten. Beim Anbringen der Dachlatten und der Unterlattung.

Auch fürs Raumklima zuständig

Die technische Ausstattung des Unternehmens umfasst neben dem Fahrzeugpark einen mobilen Turmdrehkran mit 24 Metern Hubhöhe und zwei Schrägaufzügen. „Wir sind auch für das Raumklima im Haus zuständig“, sieht Valentino Walter einen Teilbereich seiner Tätigkeit: „Aber es ist immer wieder toll, durch die Region zu fahren und die Häuser zu sehen, an denen ich mitgewirkt habe. – Da kommt richtig Freude auf. Sogar Stolz…“

Valentino Walter bearbeitet mit Haubrücke und Schieferhammer die Schieferplatten für den Einbau an dieser Fassade.

Homeschooling in Coronazeiten

Stolz erzählt der Lachendorfer auch davon, dass seine Freundin ihn in seiner Arbeitsmontur und der schwarzen Cordhose mit den ausgestellten Beinen ganz hübsch findet. Vor ein paar Wochen lag Walter noch mit Fieber im Bett. „Ich hatte Corona. Das fühlte sich so an wie eine Grippe.“ Eigentlich habe er keine Nachwirkungen mehr, gelegentlich spüre er einen Druck auf der Brust. Die Coronabeschränkungen wirken sich auch auf den Berufsschulunterricht aus. Homeschooling ist angesagt. Bisher fand die Berufsschule als Block zentral für mehrere Wochen in Lüneburg statt. „Wir sind der erste Jahrgang, der zwei Berufsschultage pro Woche in der Axel-Bruns-Schule in Celle hat. Theoretisch.“ Per Video werden die Unterrichtseinheiten zurzeit coronabedingt als Homeschooling realisiert.

Das Logo der Axel-Bruns-Schule Celle, der BBS 2 Celle. Quelle: Axel-Bruns-Schule

Löten muss er noch üben

Dabei kennt Valentino die Schule bereits von innen: Er absolvierte dort die Berufseinstiegsklasse Metall. Anschließend nahm er an einer Maßnahme in der Technischen Ausbildungsstätte Celle (TAS) teil. „Während eines Praktikums im Sommer lernte ich diesen Betrieb kennen. Und das gefiel mir von Anfang an. Auch das menschliche Miteinander.“ Bei der TAS lernte er das Schweißen, jetzt werden Fertigkeiten im Löten verlangt: „Ja, das ist schon ein Unterschied. Da muss ich noch üben“, sieht sich Valentino Walter selbstkritisch. Üben kann er auch den Umgang mit Haubrücke und Schieferhammer, wenn es darum geht, Schieferplatten präzise für den Einbau an Schornsteinen und Fassaden zu bearbeiten. „Das ist schon was Besonderes. Ebenso anspruchsvoll ist auch das Schneiden der Dachziegel zum Einbau in Kehlen. Aber es macht Spaß. Es ist super!“

Anna-Maria Koke ist Ansprechpartnerin und Klassenlehrerin der Dachdecker in der Bautechnikabteilung der Axel-Bruns-Schule (BBS 2) in Celle. Quelle: BBS 2 Celle

Nachgefragt bei Anna-Maria Koke

Anna-Maria Koke ist Ansprechpartnerin und Klassenlehrerin der Dachdecker in der Bautechnikabteilung der Axel-Bruns-Schule (BBS 2) in Celle.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Dachdecker?
Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre, kann aber mit entsprechenden Noten und Zustimmung des Ausbildungsbetriebs und der Schule auf zweieinhalb Jahre verkürzt werden.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?
In der Berufsschule planen die Auszubildenden Dacheindeckungen, Dachabdichtungen und Wandverkleidungen aus verschiedenen Materialien, einschließlich der notwendigen Berechnungen und Zeichnungen der verschiedenen Aufbauten. Des Weiteren werden die Inhalte der Bauwerksabdichtung und -entwässerung vermittelt. Auch die Wartung und Instandhaltung von Dach- und Wandflächen wird thematisiert.

Wie gliedert sich die Ausbildung?
Nach zwei Jahren findet die Zwischenprüfung statt. Die Gesellenprüfung wird zum Ende der dreijährigen Berufsausbildung abgelegt. Beide Prüfungen beinhalten einen theoretischen und einen praktischen Teil. Nach erfolgreicher Ausbildung erhalten die Auszubildenden ihren Gesellenbrief.

Wem würden sie die Ausbildung empfehlen?
Als angehende Dachdecker sollte man eine gute körperliche Konstitution, handwerkliches Geschick und Teamfähigkeit mitbringen. Wer gerne draußen auf der Baustelle arbeitet, auch auf Leitern und Dächern schwindelfrei unterwegs ist und gerne bei der Arbeit anpackt, ist in diesem Berufsfeld richtig aufgehoben.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?
Im Landkreis Celle und natürlich auch überregional werden zurzeit händeringend Auszubildende und Gesellen im Handwerk gesucht. Nach der Ausbildung können die Gesellen als Weiterbildungsmöglichkeit die Meisterschule oder beispielweise die Fachoberschule Technik Klasse 12 an der BBS 2 besuchen und die Fachhochschulreife erwerben.

Von Lotahr H. Bluhm

Dachdecker

Was macht man in diesem Beruf?
Dachdecker stellen Holzkonstruktionen für Dachstühle her und decken und bekleiden Dachund Wandflächen mit Dachplatten, ‑ziegeln, ‑steinen, Schindeln oder anderen Deckwerkstoffen. Sie führen Abdichtungen an Dach- und Wandflächen, Balkonen und Terrassen sowie an Bauwerken durch, stellen Unterkonstruktionen für Außenwandbekleidungen her, montieren diese und gestalten Gebäudeaußenwände mit vorgehängten Fassadenbekleidungen. Auch bauen sie Blitzschutzanlagen, Schneefangsysteme, Dachrinnen, Fallrohre, Dachflächenfenster oder Lichtkuppeln ein und installieren Solarthermie- und Fotovoltaikanlagen einschließlich elektrischer Komponenten und Anschlüsse auf Dächern und an Fassaden. Darüber hinaus unterstützen sie Besitzer und Eigentümer bei der energetischen Gebäudesanierung und führen entsprechende Maßnahmen, etwa den Einbau von Dämmschichten und Dampfsperrelementen, durch. Auch Dachbegrünungen sowie Wartung und Instandhaltung von Dach- und Wandflächen und ihren Komponenten können zu den Aufgaben der Dachdecker gehören.

Wo arbeitet man?
In Betrieben des Dachdecker-Handwerks und anderen Bedachungsunternehmen.
Arbeitsorte:
In erster Linie auf Baustellen im Freien. Darüber hinaus arbeiten sie gegebenfalls auch in Werkstätten und in Lagerräumen.
Welcher Schulabschluss wird erwartet?
Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Ausbildungsanfänger mit Hauptschulabschluss ein.

Worauf kommt es an?
Anforderungen:
• Gute körperliche Konstitution (zum Beispiel beim Heben und Tragen von Baumaterial)
• Handwerkliches Geschick und Auge-Hand-Koordination (zum Beispiel beim Verarbeiten von Bedachungsmaterialien, beim Bedienen von Bauaufzügen)
• Umsicht, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit (zum Beispiel bei der Arbeit auf Leitern und Gerüsten)
• Teamfähigkeit (zum Beispiel beim Eindecken von Dächern)

Wichige Schulfächer:
• Werken und Technik (zum Beispiel um Dach- und Wandflächen decken, Dachflächen und Bauwerke abdichten oder Einbauteile montieren zu können)
• Mathematik (zum Beispiel um Berechnungen durchzuführen oder Bauteile einzumessen)
• Physik (zum Beispiel Berücksichtigen bauphysikalischer Gegebenheiten bei energetischen Maßnahmen an Dach und Wand)

Was verdient man in der Ausbildung?
Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:
• 1. Ausbildungsjahr: 780 Euro
• 2. Ausbildungsjahr: 940 Euro
• 3. Ausbildungsjahr: 1110 Euro

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