Panzer aus Eis

So schützt Wilhelm Alps seine Obstbäume

Die Temperaturen sinken in diesen Nächten immer noch unter den Gefrierpunkt. Obstbauern gehen manchmal ungewöhnliche Wege, um ihre Pflanzen zu schützen.

  • Von Svenja Inken Gajek
  • 31. März 2020 | 20:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Svenja Inken Gajek
  • 31. März 2020 | 20:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Lachendorf.

Eis als Frostschutz für Obstbäume – was paradox klingt, ist zurzeit eine gängige Maßnahme, um Knospen vor dem Erfrieren zu retten. Denn während es tagsüber schon angenehm warm ist, liegen die Temperaturen nachts noch zum Teil unter dem Gefrierpunkt. Auch Wilhelm Alps vom Beerenhof Alps in Gockenholz bei Lachendorf nutzt die sogenannte Frostschutzberegnung.

Äpfel und Kirschen werden unterschiedlich beregnet

Welche Art der Beregnung Alps durchführt, ist von Obstsorte zu Obstsorte unterschiedlich: Kirschen zum Beispiel sind empfindlicher als Äpfel. Erstere müssen von unten beregnet werden. Der künstliche Regen hat eine Temperatur von etwa sieben Grad. Von ihm steigt wärmere Luft in den Blütenbereich der Kirschen auf. "Dadurch erhöht sich die Temperatur der Pflanzen um 1,5 Grad", erläutert der Landwirtschaftsmeister. "Kirschen müssen von unten beregnet werden. Sonst würde der Pollen verkleben."

Die Äpfel hingegen werden von oben beregnet, so dass sich drumherum eine Eisschicht bildet, die die Pflanze schützt. Wie ein Panzer legt sich das Eis um die Äste, wobei die sogenannte Erstarrungswärme entsteht. Die Erstarrungswärme wird auch Kristallisationswärme genannt. Sie entsteht, wenn ein Stoff seinen Aggregatzustand von flüssig zu fest ändert. Wenn die Obstbäume mit einem Wassernebel berieselt werden, hält die beim Gefrieren des Wassers freiwerdende Kristallisationswärme die Temperatur des Eises bei null Grad. Auf diese Weise werden die Blüten im Inneren des Eispanzers vor Frost geschützt.

Dieses Prinzip hilft jedoch nur bis zu einem bestimmten Kältegrad. Hinzu kommt, dass auch die Farbe der Knospen beachten werden muss. "Rote Knospen vertragen bis zu minus zwei Grad, grüne bis zu minus vier Grad", sagt Alps.

Beerenblüten noch geschlossen

"Schnee und Frost um diese Jahreszeit ist nicht ungewöhnlich", erklärt der 59-Jährige. Doch die Nacht von Sonntag auf Montag sei viel zu kalt gewesen. Einige der Sprinkler waren eingefroren. "Die Beerenblüten sind zum Glück noch alle geschlossen. Die Himbeeren beispielsweise blühen erst im Mai." Auf einer Fläche von 24 Hektar baut Alps Obst an. "Wir hatten auch schon Jahre ganz ohne Früchte", berichtet er aus seiner langjährigen Erfahrung.

Es ist ein ständiger Teil von Alps Beruf, sich Sorgen zu machen. Auch in den folgenden Nächten wird ihn wohl die Frage beschäftigen, ob seine Obstbäume die nächtliche Kälte überstehen.

Frostschutzberegnung für den heimischen Garten ungeeignet

Für den heimischen Garten ist die Frostschutzberegnung übrigens nicht zu empfehlen: Frostgefährdete Pflanzen müssten ständig mit der Gießkanne oder dem Gartensprinkler beregnet werden, um sicherzustellen, dass die Knospen durchgehend mit Eis umhüllt sind.