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Lachendorf „Papier hat Zukunft“
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Ausbildung zum Papiertechnologen in Lachendorf: Übernahme garantiert

11:16 14.05.2021
Maximilian Hentschke führt an der Papiermaschine 5 eine Stechschaber-Kontrolle durch.
Maximilian Hentschke führt an der Papiermaschine 5 eine Stechschaber-Kontrolle durch. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Lachendorf

Maximilian Hentschke (23) hat sein Berufsziel fest vor Augen: Er möchte Fernspäher oder Fallschirmjäger bei der Bundeswehr werden. „Hauptsache etwas mit Fliegen“, ist für ihn wichtig. Die Musterung hat er bereits hinter sich. Vorab möchte er aber die dreijährige Ausbildung zum Papiertechnologen machen. Deshalb hat er 2019 in der Papierfabrik Drewsen in Lachendorf die Lehre begonnen. Das ist die Firma, in der sein Vater bereits seit über 20 Jahren arbeitet.

Maximilian Hentschke am Steuerungsteil der Papiermaschine 5. Quelle: Lothar H. Bluhm

Erster Teil der Abschlussprüfung steht an

bereitet er sich auf den ersten Teil der Abschlussprüfung vor. Kenntnisse über Zellstoffherstellung und -aufbereitung sowie Laborfächer werden verlangt und auch eine Computersimulation muss er durchführen. In weiteren Schritten kommen Themen wie Umweltschutz, Wasserwerte und Energiesparen hinzu.

Mit Aushilfsjob überbrückt

Nach seinem Realschulabschluss in Lachendorf erwarb Hentschke nach dem einjährigen Besuch der Berufsfachschule Informatik den Erweiterten Sekundarabschluss I. Daran schloss er eine einjährige Berufsfachschule Kfz an. Weil er sein Berufsziel fest im Auge hatte, sich eine Einstellung aber verzögerte, half er zwei Jahre lang in einem Getränkemarkt aus, bevor er bei Drewsen Spezialpapiere die Berufsausbildung begann.

Ausbilderin bei Drewsen Sepzialpapiere ist Claudia Meißner. Quelle: Lothar H. Bluhm

Er entscheidet selbst

Er sei alt genug, um selbst zu entscheiden, was er machen möchte, hätten ihm seine Eltern gesagt. „Die stehen voll dahinter“, weiß Maximilian Hentschke. Und mit der Entscheidung für diesen Betrieb ist er auch sehr zufrieden: „Wenn man Fragen hat, kann man fragen, man kommt mit jedem klar.“ Und durch das Schichtsystem habe man auch immer wieder mit anderen Leuten zu tun. „Meine Erwartungen decken sich voll mit der Arbeit.“ Momentan arbeitet er als Gehilfe an der Papiermaschine. Mit Gehörschutz und elektronischem Corona-Abstandswarner. Feuchtwarm ist es hier. Am Ende der großen Maschine, wo sich das noch warme Papier auf den Tambour aufrollt, führt er die Schwielenkontrolle durch. „Wir stellen Hochsicherheitspapiere her – bis zu 380 Meter pro Minute bei einer Arbeitsbreite von 200 Zentimetern.“ Technische Papiere werden auf der Papiermaschine 5 gefertigt: 1200 Meter pro Minute bei einer Arbeitsbreite von 480 Zentimetern. ‚Papier hat Zukunft‘ steht auf seinem schwarzen Poloshirt.

Schon eine Ausbildung absolviert

Dafür, dass die Papiere die gewünschte Farbe bekommen, sorgt momentan Kim-Joline Kutz im chemischen Labor mit Schutzbrille und Einmalhandschuhen. Die 22-Jährige aus Ummern hat bereits eine Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten in Hankensbüttel absolviert. „Irgendwann hab ich gemerkt, dass der Beruf nichts für mich ist. Da hab ich mich umgeschaut“, sagt Kutz, die nach ihrem Realschulabschluss in der Berufsbildenden Schule in Gifhorn eine zweijährige Ausbildung zur technischen Assistentin für nachwachsende Rohstoffe machte.

Kim-Joline Kutz mit einem Papierfarbansatz. Quelle: Lothar H. Bluhm

Technisches Verständnis ist eine sehr gute Voraussetzung

Mit Kenntnissen über nachwachsende Rohstoffe sei sie in der Papierfabrik genau richtig, findet sie und bekommt Unterstützung von ihren Ausbildern. „Das technische Verständnis ist eine sehr gute Voraussetzung für den Beruf der Papiertechnologin“, sagt ihr Claudia Meißner, die seit anderthalb Jahren bei Drewsen Ausbilderin ist. Bereits seit zehn Jahren ist der Produktionslinienverantwortliche Marcus Ramm Ausbilder: „Das familiäre Umfeld zeichnet uns aus, denn es geht alles sehr persönlich zu“, umreißt er das Betriebsklima in dem Lachendorfer Unternehmen, in dem 430 Mitarbeiter beschäftigt sind. Jedes Jahr werden fünf Azubis eingestellt: „Wir bilden für uns aus! – Somit geben wir quasi eine Übernahmegarantie nach erfolgreicher Lehrzeit.“ Gerade die Sortenvielfalt sei das Spezielle in dem Betrieb, und entsprechend sei die Ausbildung angelegt. Das Fünf-Schicht-System bringe auch Vorteile für die Mitarbeiter.

Empfehlung der Cousine

Durch ihre Cousine wurde Kim-Joline Kutz auf Drewsen aufmerksam, sie gab ihr den Tipp, sich doch zu bewerben. „Und das hat geklappt“, sagt die junge Frau, während sie gerade im chemischen Labor die genaue Abstimmung der Papierfarbe vornimmt. Hier werden auch Wasser-, Abwasser- und Zellstoffproben analysiert. Das chemische Labor ist neben dem physikalischen Labor eine der Stationen, die von den Auszubildenden durchlaufen werden. „So können wir in alle Abteilungen hineinschnuppern“, beschreibt sie ihre Ausbildungszeit. Während des letzten Drittels erfolge für die Azubis bereits die Spezialisierung auf den Bereich, in dem sie künftig eingesetzt werden. In dieser Zeit werden auch berufliche Perspektiven entwickelt und besonders die Teambildung gefördert.

Kim-Joline Kutz. Quelle: Lothar H. Bluhm

Schule in Altenburg stationiert

Je nach Interesse könne eine Meisterprüfung folgen oder die Weiterbildung zum Techniker. Es sei aber auch ein Duales Studium oder ein Studium an der Fachhochschule möglich. „Das Interesse muss da sein“, betont Ramm. Während der Lehre besuchen die Auszubildenden das Berufliche Schulzentrum für Gewerbe und Technik „Johann Friedrich Pierer“ in Altenburg (Thüringen) im Blocksystem. Die Ausbildung hat als Schwerpunktfächer vor allem Technologie, Werkstoffkunde und Prüftechnik im Labor sowie naturwissenschaftliche Grundlagen. „Die Schule arbeitet sehr eng mit Ausbildungsbetrieben, Handwerkskammern, Stiftungen, der IHK und Hochschulen zusammen und ermöglicht so ein praxisorientiertes und lebensnahes Lehren und Lernen“, beschreibt Ramm den Unterricht. Für Kim-Joline Kutz steht indes fest: „Das ist mein Beruf: lieber Drewsen als Zahnarzt.“ – Papier habe eben Zukunft…

Ausbilder Marcus Ramm. Quelle: Lothar H. Bluhm

Nachgefragt bei Marcus Ramm

Marcus Ramm ist bei der Firma Drewsen Spezialpapiere GmbH & Co. KG mit zuständig für die Auszubildenden. Er beantwortet stellvertretend für die Berufsschule die Fragen der CZ.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Papiertechnologen?
Drei Jahre – davon insgesamt 39 Wochen in Altenburg (13 Wochen Schule pro Jahr).

Worum geht es in den schulischen Teil?
Der schulische Teil besteht neben den normalen allgemeinen Fächern wie zum Beispiel Deutsch, Wirtschafts- und Sozialkunde, Sport und Englisch aus dem in elf Lernfeldern aufgeteilten fachbezogenen Bereich. Im ersten lehrjahr werden die Lernfelder 1 bis 4 behandelt: Zellstoffherstellung/Chemische Prozesse in der Papierindustrie/Erzeugnisse prüfen. Im zweiten Lehrjahr sind dann die Lernfelder 5 bis 8 dran: Wasser und Primärfaserstoffe aufbereiten/ Altpapieraufbereitung/Einführung in die Prozessleittechnik. Das dritte Lehrjahr sieht dann die Lernfelder 9 bis 11 vor: Blattbildungssysteme, Pressen- und Trockenpartie betreiben/Erzeugnisse veredeln und ausrüsten.

Wem würden Sie diese Ausbildung empfehlen?
Naturwissenschaftlich interessierten Teamplayern.

Wie sehen die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt aus?
Da wir wie die meisten Firmen in der Papierindustrie für uns selbst ausbilden, übernehmen wir unsere Auszubildenden nach bestandener Prüfung.

Von Lothar H. Bluhm

Steckbrief Papiertechnologe

Was macht man in diesem Beruf?
Papiertechnologen steuern und überwachen die Arbeitsprozesse in der Papierund Zellstoffherstellung weitgehend von Leitwarten oder Schaltzentralen aus. So regeln sie beispielsweise das Zerkleinern von Holz, die Zugabe von Chemikalien und das Kochen der Holzmasse im Zellstoffkocher und steuern die Entwässerung der Zellstoffmasse auf der Zellstoffmaschine. Die fertigen Zellstoffflocken, ‑vliese oder ‑bahnen werden später zum Beispiel zu Sanitärartikeln oder Filtern weiterverarbeitet. Zellstoff ist aber auch ein wichtiger Rohstoff für die Papiererzeugung. In der Stoffaufbereitung wird er zusammen mit Altpapier, Wasser, Hilfs- und Füllstoffen zu einem flüssigen Stoffgemisch verarbeitet. Die Masse wird auf der Papiermaschine entwässert, getrocknet und zum Beispiel als Papierbahn auf Träger aufgerollt. In der Weiterverarbeitung bedienen Papiertechnologen und ‑technologinnen Maschinen und Anlagen zum Beispiel zum Satinieren von Papier, Beschichten von Kartons oder Prägen von Zellstoffbahnen sowie für das Zuschneiden und Verpacken der Produkte. Sie führen in allen Fertigungsstufen Qualitätskontrollen durch, warten die Produktionsanlagen und führen kleinere Reparaturen aus.

Wo arbeitet man?

• in Papier-, Karton- und Pappefabriken
• in Zellstoff- und Tapetenfabriken
Arbeitsorte:
• in Werk- und Produktionshallen
• in Leitwarten und Schaltzentralen
• in Prüflaboren und Lagerräumen

Welcher Schulabschluss wird erwartet?
Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.

Worauf kommt es an?
• Entscheidungsfähigkeit und Reaktionsfähigkeit (zum Beispiel schnelles Eingreifen bei Störungen)
• Beobachtungsgenauigkeit und Aufmerksamkeit (zum Beispiel beim Überwachen von automatisierten und computergesteuerten Produktionsprozessen)
• Handwerkliches Geschick und technisches Verständnis (zum Beispiel bei Wartung und Reparatur von
Produktionsmaschinen)
• Verantwortungsbewusstsein und Sorgfalt (zum Beispiel beim Überwachen und Bedienen von Wasseraufbereitungsanlagen, beim exakten Abmessen von Roh- und Hilfsstoffen)
• Umsicht (zum Beispiel beim Transportieren von Papierrollen oder Zellstoffblöcken)
Schulfächer:
• Chemie (zum Beispiel beim Durchführen von Laboruntersuchungen, um die Qualität von Roh- und Halbstoffen sowie fertigen Papieren zu prüfen)
• Physik (zum Beispiel für das Prüfen und Einstellen von pneumatischen und hydraulischen Anlagen)
• Werken/Technik (zum Beispiel beim Warten, Bedienen oder Umrüsten von Anlagen und Maschinen)
• Mathematik (zum Beispiel für die Berechnung der Mischungsverhältnisse von Leim-, Hilfs- und Farbstoffen)

Was verdient man in der Ausbildung?
Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat (je nach Bundesland unterschiedlich):
• 1. Ausbildungsjahr: 980 bis 1057 Euro
• 2. Ausbildungsjahr: 1040 bis 1123 Euro
• 3. Ausbildungsjahr: 1100 bis 1182 Euro

Carsten Richter 05.05.2021
Carsten Richter 04.05.2021