Hohne

Wirtshaus war einst der Treffpunkt

Viel Zeit, Einsatz vor allem die richtige Einstellung bringen die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Hohnhorst zur Bewältigung ihrer Aufgaben ein – und das jetzt seit 75 Jahren. Aktive, passive und fördernde Mitglieder bilden zusammen eine feste, verlässliche Gemeinschaft nach innen und außen.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 16. Juli 2009 | 16:31 Uhr
  • 14. Juni 2022
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  • 16. Juli 2009 | 16:31 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Hohne.

26 aktive Mitglieder, davon vier Anwärter zählt die Freiwillige Feuerwehr Hohnhorst derzeit. 17 Altehrwürdige und 23 Fördermitglieder kommen als Vereinsmitglieder dazu. Neben Bernd Krenz als Ortsbrandmeister stehen sein Stellvertreter Rolf Schulze und Gruppenführer Wilhelm Drögemüller den Aktiven voran.

Das 36 Jahre alte Feuerwehrauto ist das älteste in der Samtgemeinde Lachendorf und noch tadellos in Schuss. Im vergangenen Jahr hat es erstmals einen neuen Reifensatz bekommen, nachdem ein Reifen geplatzt war. Große Reparaturen waren noch nie notwendig und trotz hin und wieder aufkeimender Diskussion über ein neues Fahrzeug bleibt die Wehr doch letztendlich bei der Erkenntnis, das eine Neuanschaffung eigentlich nicht Not tut. Mit der 2000 angeschafften Tragkraftspritze und dem 2005 von der Samtgemeinde gestellten Hochdruck-Löschgerät ist die Feuerwehr damit zufriedenstellend ausgerüstet.

Alle 14 Tage treffen sich die Aktiven zum Dienst, machen Übungen, pflegen Ausrüstung und Geräte, Lernen und Vertiefen die Theorie – etwa in Sachen Unfallvorschriften oder im Umgang mit dem Funkgerät. Lehrgänge werden absolviert. Dafür wird Freizeit geopfert – auch wenn es die Aktiven heute um einiges leichter haben, als ihre Väter noch, findet Günter Krößmann, Altgedienter, Gruppenführer und stellvertretender Ortsbrandmeister in den 60er und 70er Jahren: „Im Winter haben wir das Zusammensetzen der Schläuche und das Bereitmachen der Pumpe im Viehstall vom Landwirt Drögemüller geübt – da war es nicht ganz so kalt wie im Freien. Mit der Stoppuhr hab ich die Schnelligkeit gemessen, steifgefrorene Finger waren keine Ausrede. Die Schinderei hat sich dann bei den sommerlichen Wettkämpfen mit anderen Wehren bezahlt gemacht.“ Kalt war es bis zum Einbau der Heizung auch im Gerätehaus. Da hat so mancher bei den Jahreshauptversammlungen im Januar gebibbert und ist mit einer Erkältung nachhause gegangen. „Das Wirtshaus als Treffpunkt gab es ja nicht mehr“.

„Und wir hatten es schon besser, als unsere Väter“, erinnert sich der Senior. „Die sind noch mit dem Rad, auf dem Feuerwehrhorn blasend, durch das Dorf gefahren um Alarm zu schlagen.“ Auch den Ausgehrock dürfen die aus dem aktiven Dienst Scheidenden heute behalten, „schließlich tragen wir die Jacken ja noch bei offiziellen Veranstaltungen. Früher konnte sich die Feuerwehr keine neue Ausstattung leisten, da wurde die Jacke stets an den Nachfolger weitergegeben.“

Große Feuer musste die Hohnhorster Feuerwehr in den 75 Jahren ihres Bestehens nicht löschen. Meist waren sie bei Stall- und Scheunenbrände oder bei Waldbränden im Einsatz. Die Fähigkeiten, Kenntnisse und die Bereitschaft werden dennoch gepflegt und erhalten – auch weil ein gelungener Einsatz und das rechtzeitige, gekonnte Eingreifen ja gerade Großbrände und Katastrophen im Vorfeld verhindern helfen soll – ein Dienst zur Sicherheit für alle.

Das mit dem Nachwuchs könnte auch in der Hohnhorster Wehr etwas besser ausschauen, aber wirkliche Sorgen braucht man sich hier nicht zu machen, denn die Ablösung innerhalb der Familien und Generationen funktioniert nach wie vor gut. Viele der heute Aktiven haben schon den Vater und Großvater als Feuerwehrmann erlebt.

Wer bereits als Kind in den Ablauf, die Routine und die Geselligkeit der Feuerwehr – vor allem aber in den Gedanken, sich auch für das Wohl anderer einzusetzen – hineinwächst, für den scheint die Nachfolge in den freiwilligen Dienst fast selbstverständlich.

Und wer einmal dabei ist, der sucht sich auch in der Fremde (wenn er denn fort muss) einen Platz bei der Feuerwehr. So ist die schon seit 25 Jahren anhaltende Freundschaft mit den Feuerwehrkameraden aus Brunnen in Mittelfranken entstanden. Eine Beziehung, die gepflegt mit gegenseitigen Besuchen wie jetzt zum Jubiläumsfest lebendig gehalten wird.

Der Verein bildet eine sich kontinuierlich weiterentwickelnde und doch traditionelle Gemeinschaft mit gleichen Interessen und festen Wurzeln – auch ein Stück Sicherheit, auf die man sich verlassen kann. Das Miteinander verbindet die Generationen untereinander und überbrückt auch den Einschnitt zwischen aktivem Dienst und den Ausgeschiedenen. Die „Alten“ gehören in der Hohnhorster Feuerwehr ganz selbstverständlich dazu. So trifft junger Elan auf Gelassenheit und Erfahrung – eine erfolgreiche Verbindung zum Wohle aller.

Am 7. Mai 1934 beschlossen die Hohnhorster in einer Versammlung im Gasthaus Heuer die Gründung einer eigenen freiwilligen Ortsfeuerwehr. Man folgte damit, wie viele andere Gemeinden, dem Gedanken, die allgemeine Löschpflicht lieber einer auserwählten, freiwilligen Gruppe zu übertragen, als sich im Notfall auf den ungeordneten Einsatz von kaum geübten, wehrpflichtigen Einwohnern zu verlassen. 31 Mann traten an diesem Tag dem neuen Verein bei – Männer, die ihren Dienst und ihre Aufgaben ernst nahmen. Das Motto „Dem Nächsten zur Wehr und Gott zur Ehr“ gilt bis heute.

Erster Ortsbrandmeister wurde damals Friedrich Techmann. Er blieb bis 1948 im Amt. Die ledernen Löscheimer und die handbetriebene Pumpe hatten ausgedient. Mit finanzieller Unterstützung des Landkreises und der Brandkasse sowie einiger Spenden konnte die neue Feuerwehr gleich eine eigene Motorspritze anschaffen. Damit waren die knappen Mittel allerdings erschöpft.

Erst 1956 hatte man die Finanzierung für die Anschaffung des TSA-Transportwagens zusammen - ein Anhänger, der sowohl Pumpe wie das kontinuierlich angeschaffte Schlauchmaterial und andere Gerätschaften trug.

Ganzer Stolz der Feuerwehrtruppe war der neue, zugkräftige Unimog, der ihnen zwar nicht gehörte, den der damalige Gutsherr Jürgen von Hohnhorst aber unentgeltlich für alle Einsätze und andere Notwendigkeiten zur Verfügung stellte – inklusive seines Verwalters als Fahrer. (Er hatte wohl nicht das rechte Vertrauen in die Fahrkünste der Feuerwehrmänner).

In dieser Zeit führte Otto Gardes (1948 bis 1966) die Wehr als Ortsbrandmeister an.

Im Jahr 1973 begann ein neuer Abschnitt der Hohnhorster Wehr: Sie gehört ab da zur Samtgemeinde Lachendorf. Eine der damit verbundenen Folgen war der Beschluss des Gemeinderats, 1976, in Hohnhorst ein neues Feuerwehrgerätehaus zu bauen. Das Grundstück stellte Lothar von Hohnhorst kostenlos zur Verfügung – allerdings unter der Auflage, das Gebäude müsse sich optisch in das Gesamtbild einfügen. Die Baustoffe bezahlte die Kommune, der „Rest“ (bis auf die Zimmer- und Dachdeckerarbeiten) musste in Eigenleistung erfolgen. So spukten vor allem die Aktiven in die Hände und machten sich ans Werk – Stein auf Stein bis auf die Klärgrube wurde gemauert und gebaut. Am 27. Mai 1977 feierte die Wehr Einweihung und darüber hinaus die Übergabe eines neuen Feuerwehrfahrzeugs.

Gleich in das erste Jahr der Amtszeit von Klaus Lindmüller (1979 bis 2003) als neuer Ortsbrandmeister fiel der Anschluss des Ortes an die zentrale Wasserversorgung mit 18 Unterflurhydranten. Im Zuge des allgemeinen Anschlusses an das Gasnetz wurde das Feuerwehrgerätehaus 1995 endlich mit einer Heizung ausgestattet, so dass es als „Gemeindehaus“ für Veranstaltungen genutzt werden konnte – eine Notwendigkeit, da das einzige Wirtshaus am Ort geschlossen worden war.

Der Festkommers für geladene Gäste mit Kranzniederlegung am Ehrenmal, findet heute ab 19 Uhr statt. Es spielt die Feuerwehrkapelle Lachendorf

Das Jubiläumsfest, am Sonnabend, 9. Mai, beginnt um 11 Uhr mit dem Wettbewerb „Marsch mit Hindernissen, Stärke 1/5“. Ab 14 Uhr gibt es Kinderbelustigung, ab 15 Uhr ist zur Kaffeetafel geladen.

Am Abend findet der Feuerwehrball mit vorangehendem gemeinsamen Essen, für geladene Gäste statt. Für die musikalische Begeleitung sorgt die „Scheres Crew“. Veranstaltungsort oder Ausgangspunkt ist die Drögemüller Kartoffelscheune.

KONTAKT:

Ortsbrandmeister

Bernd Krenz

Hohnhorsterstraße 35

29351 Eldingen

s (05145) 939203

Von Doris Hennies

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