Mittags halb zwei in ...

Fernab vom Alltagsstress

Einfach mal runterkommen: Ruhe wird auf dem Campingplatz "Am Allerstrand" in Schwachhausen großgeschrieben. Das sagen die Urlauber.

  • Von Svenja Inken Gajek
  • 16. Aug. 2021 | 13:30 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Svenja Inken Gajek
  • 16. Aug. 2021 | 13:30 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Schwachhausen.

Wer hier sein mobiles Zuhause abstellt oder im wahrsten Sinn des Wortes sein Zelt aufschlägt, der sucht vor allem eins: Ruhe. Hier gibt es keine Riesenrutsche, kein Bällebad und keinen Kiosk. Der Campingplatz „Am Allerstrand“ in Schwachhausen besteht schon seit den 1960er Jahren und ist langsam gewachsen. Gerade für Urlauber aus der näheren Umgebung scheint die Anlage sehr reizvoll zu sein.

Deshalb campt ein Paar aus Burgdorf in Schwachhausen

Ein junges Paar hat es sich auf Stühlen bequem gemacht. Die Aller ist nur einige Schritte entfernt. Hin und wieder zieht ein Stand-up-Paddler oder Kanufahrer vorbei. „Wir kommen aus Burgdorf und sind übers Wochenende hier“, erzählt Leonie Westermann. „Das ist erst unser zweiter Campingtrip. Vor zwei Wochen waren wir am Arnumer See.“ Die 25-Jährige hat sich den Platz über eine App ausgesucht. „Wir sind gestern angereist und standen erst woanders“, sagt Freund Tim Heinecker. „Andere Leute sind abgereist und wir konnten uns den Stellplatz hier am Wasser sichern.“ Die beiden wollen keine Action, sondern sich einfach nur entspannen. „Wenn man was vorhat, kann man auch woanders hinfahren“, betont der 29-Jährige. „Wir sind hierhergefahren, um wirklich mal nichts zu machen.“

Dieser Camper ist schon fast ein Oldtimer

Das Wohnmobil gehört Westermanns Großvater. „Eigentlich wollte er gar nicht, dass es jemand anderes benutzt“, erzählt die Fotografin. „Aber er campt selbst nicht mehr damit. Und wir konnten ihn überzeugen, dass wir damit losfahren dürfen.“ Der Camper ist bereits 30 Jahre alt. Westermann hat sich um die Inneneinrichtung gekümmert: Sie hat die Gardinen selbst genäht, neue Kissen gekauft, eine neue Matratze besorgt: „Ich habe versucht, eine Mischung aus modernem und altem Charme zu finden.“ Die sonstigen Einrichtungsgegenstände sind auf ein Minimum beschränkt. Es gibt eine typische Campingtoilette, die allerdings nur für den Notfall da ist. „Wir benutzen lieber die Sanitäranlagen auf dem Platz“, sagt Westermann und lächelt. „Das war einer der Gründe, warum ich hierher wollte. Die Toiletten und Duschen sind renoviert und sehr sauber.“ Das Paar freut sich auf viele weitere Reisen mit dem zukünftigen Oldtimer. Das „H“-Kennzeichen soll bald beantragt werden. Vielleicht steht die nächste Reise schon nach der Hochzeit der beiden im Oktober an.

Vom Schlafsack aus die Sterne beobachten

Einige Meter weiter bereitet sich eine Frau auf das Stand-up-Paddeln vor. „Gerade war eine Schwanenfamilie hier. Ich glaube, die ist jetzt weit genug weg“, hofft Maren Köhler. Sie und eine Freundin übernachten in weißen Zelten – „Schneeflöckchen“ nennt Köhler sie. „Es ist einfach so schön hier. Man kommt aus dem Alltag raus“, meint die Beamtin. „Ich bin hier geboren, wohne in Wathlingen und habe dieses Fleckchen tatsächlich noch nie besucht.“ In der vergangenen Nacht hat sie die Perseiden vom Schlafsack aus beobachtet. „Das war toll“, schwärmt sie. „Danach kann man entspannt schlafen gehen.“

Arbeitskollege als Reisebegleiter

Am nördlichen Rand des Campingplatzes haben sich zwei Arbeitskollegen gemütlich eingerichtet. Der eine kommt aus Dresden, der andere aus Salzgitter. Zusammen arbeiten sie in Hamburg als Schienenfahrzeugelektriker. „Wir wollten eigentlich an die Ostsee, aber es ist alles komplett ausgebucht dort“, sagt Vadym Sheykin. Sein Kollege erklärt: „Meine Freundin und ich waren schon vor drei Wochen hier und meine Oma hatte früher an der Schleuse einen Dauerstellplatz. Daher kenne ich die Gegend.“ Sheykin sagt: „Es war anstrengend in letzter Zeit: arbeiten, schlafen, arbeiten, schlafen, nichts anderes. Die Ruhe hier ist jetzt genau das Richtige.“ Zu den Nachbarn außerhalb des Campingplatzes haben die beiden Männer schon Kontakt geknüpft: „Die haben gestern ein bisschen Party gemacht, das war schön chillig. Sie haben uns eingeladen.“

Lenny liegt lieber im Schatten

Ganz an den Wald haben sich Angela und Norbert Feind zurückgezogen. Ihr tierischer Begleiter, Australian Shepherd Lenny, liegt lieber im Schatten. Sie sind mit dem Auto und einem Camping-Anhänger hier. „Den haben wir uns dieses Jahr zugelegt“, sagt Norbert Feind. „Es ist unser erstes Camping.“ Das Ehepaar ist aus Peine angereist. „Wir haben irgendwas gesucht, was nicht so weit weg ist. Wir wollten einfach nur ein bisschen ins Grüne. Seit Donnerstag sind wir hier.“ Besonders reizvoll für die beiden: Hunde sind willkommen.

Seit zwei Jahren nicht im Urlaub gewesen

„Letztlich spielt es doch keine Rolle, ob ich jetzt 200 oder 40 Kilometer fahre. Hauptsache, man ist von zu Hause weg“, meint Norbert Feind. „Daheim fällt einem immer irgendeine Arbeit ins Auge. Man kann einfach nicht so gut abschalten. Wenn man weg ist, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich zu entspannen.“ Die beiden sind froh, dass sie wieder verreisen dürfen. „Wegen Corona waren wir zwei Jahre lang nicht im Urlaub“, betont Angela Feind.

Idyllische Anlage

Auch Campinglatzbetreiber Jan-Henrik Cammann ist glücklich, dass er wieder durchstarten darf: „Ich bin gerade im Begriff, diesen Platz wiederzubeleben. Die Auslastung ist in diesem Jahr schon ziemlich gut, dafür, dass wir wenig Werbung machen.“ Er möchte den idyllischen Charakter der Anlage beibehalten. „Der Platz ist für Leute geeignet, die einfach ein bisschen runterkommen wollen.“