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Wienhausen Mehr auf den Verstand als auf die Seele eingewirkt
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Mehr auf den Verstand als auf die Seele eingewirkt
15:33 13.06.2010
Wienhausen

Dieses Ensemble versteht es ungemein gut, die von sprachlichen Strukturen geprägte Tonsprache Janaceks so zu vermitteln, dass sie dem Zuhörer unter die Haut geht. Beim Bennewitz-Quartett klingt diese Musik wie ein einziges großes Rezitativ, das ins Expressionistische hinein gesteigert wird. Die von vielen anderen Ensembles betriebene Suche nach Schönklang gibt es hier nicht. Hier war Janacek pur zu erleben. Anders hingegen die Eindrücke bei Mendelssohn und Beethoven. Das zweite Mendelssohn-Quartett wurde vom Prager Ensemble im hochromantischen Ton der Emphase musiziert. Von der üblichen klassizistischen Spielweise wollten die vier hoch virtuosen Musiker nichts wissen. Man suchte eher die Extreme als das Ausgleichende, was dazu führte, dass der erste und letzte Satz wie eine Mischung aus Brahms und Beethoven wirkte. Problem dieser Aufführung war dann allerdings, dass dem Ensemble die Mittelsätze in lauter Einzelteile zerfielen.

Bei Beethovens spätem Streichquartett in a-moll, einem der sprödesten Werke des Meisters, überraschte das Bennewitz-Quartett dann mit dem Versuch, die auseinanderstrebenden Teile des Stückes unbedingt zusammenhalten zu wollen. Da wurde immer wieder das Gemeinsame der einzelnen Teile gesucht, ja sogar Schönklang war nun zu vernehmen. Immer wieder gab es faszinierende Momente, immer wieder war aber auch zu hören, dass die Musik Beethovens sich diesem gestalterischen Ansatz widersetzt. Aber vielleicht ist es gerade das, was Beethovens Spätwerk so ungemein modern macht: Es erlaubt vielerlei interpretatorische Ansätze, aber es gibt keine entgültigen Antworten. Und diese Musik wirkt eher auf den Verstand als auf die Seele. Und so war man an diesem Abend bei den Beethoven-Klängen eher fasziniert vom Können dieser Musiker als bewegt von ihrem Musizieren.

Von Reinald Hanke