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Langlingen Geldstrafe nach Rehkitz-Massaker in Langlingen
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Langlingen Geldstrafe nach Rehkitz-Massaker in Langlingen
17:42 01.04.2019
Von Christian Link
Foto: Während der Setzzeit liegen Rehkitze die meiste Zeit reglos im hohen Gras. Dadurch sind sie bei Mäharbeiten besonders gefährdet.
Während der Setzzeit liegen Rehkitze die meiste Zeit reglos im hohen Gras. Dadurch sind sie bei Mäharbeiten besonders gefährdet. Quelle: NCIS/Pixabay
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Langlingen

Nicht nur unter Jägern und Tierschützern hat dieser Vorfall bei Langlingen deutschlandweit Entsetzen ausgelöst: Im Frühjahr 2018 hatte ein Landwirt zahlreiche Rehkitze beim Mähen mit seiner Erntemaschine überfahren, weil er vorher nicht wie vorgeschrieben das Wild von den Wiesen verscheuchte. Nun musste sich der Biobauer vor dem Amtsgericht Celle verantworten und wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Landwirt aus dem Kreis Gifhorn wegen der Tötung eines Wirbeltiers ohne vernünftigen Grund in 13 Fällen angeklagt. Am 24. Mai sei der Mann mit einem Traktor und einem Kreiselmäher ohne Rücksicht auf Verluste über mehrere Wiesen bei Langlingen gefahren. "Dabei war ihm bewusst, dass sich wegen der Setzzeit auf den Wiesen Rehkitze befinden konnten", lautete der Vorwurf der Anklage, die dem Beschuldigten auch rohes Verhalten vorwarf: "Er mähte auch weiter, nachdem er die Verletzung beziehungsweise Tötung der ersten Kitze bemerkt hatte. Das Leiden der Kitze war ihm egal."

Fünf Rehkitze durch Gnadenstoß getötet

Der Biobauer war für die Versorgung einer Biogasanlage unterwegs und mähte insgesamt 20 Hektar gepachtete Fläche. Ein Mitarbeiter dieses Kraftwerks war vor Gericht als Zeuge geladen. Er sagte aus, dass der Angeklagte während seines Arbeitseinsatzes bemerkt habe, dass er zwei Kitze "angemäht" habe. Trotzdem sei der Landwirt mit der Erntemaschine weitergefahren, ohne bei den übrigen Flächen mehr Vorsicht walten zu lassen.

Am Ende des Tages lagen 13 tote Rehkitze neben den Wiesen, von denen der Biobauer nach Ansicht des Amtsgerichts ein Dutzend auf dem Gewissen hat. Das 13. Tierbaby wurde jedoch wohl durch die Unachtsamkeit eines Lohnunternehmers getötet. Die meisten Tiere starben direkt durch die Schermesser des Mähwerks. Fünf Kitze wurden jedoch so schwer verletzt, dass sie "abgefangen" werden mussten. So nennt man in der Jägersprache den Gnadenstoß mit dem Messer.

Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht nicht besonders reumütig. Der Biobauer versicherte jedoch, dass er die Tiere nicht mit Absicht getötet habe. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass der Mann den Tatbestand der "Rohheit" erfülle, konnte während des Verfahrens nicht erhärtet werden und spielte bei der Urteilsverkündung keine Rolle. Der Gifhorner wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro verurteilt. Das sind nicht mal 170 Euro pro Tier.

Mähtod lässt sich durchaus vermeiden

Laut einer Schätzung der Deutschen Wildtier Stiftung (DWS) werden jedes Jahr in Deutschland mindestens 50.000 Rehkitze getötet. Dabei gehen die Tierschützer davon aus, dass etwa pro 50 Hektar gemähter Fläche ein Kitz stirbt. Mähtode werden allerdings nicht statistisch erfasst und auch nicht immer gemeldet. Bei der hohen Erntegeschwindigkeit moderner Maschinen können die Landwirte auch nicht unbedingt jeden Mähtod feststellen.

Wildbiologe Andreas Kinser, stellvertretender DWS-Leiter für Natur- und Artenschutz, will aber nicht über Zahlen streiten: „Wer einmal ein Rehkitz mit abgemähten Beinen gesehen hat, das versucht aufzustehen und seine Mutter zu suchen, wird verstehen, dass schon ein ausgemähtes Rehkitz eins zu viel ist."

Nicht jeder Mähtod lässt sich verhindern. Wildunfälle lassen sich aber durch verschiedene Vorsichtsmaßnahmen reduzieren. Dabei spielen Mahdrichtung, Schnitthöhe, Mähzeitpunkt und vor allem das Absuchen der Fläche vor den Mäharbeiten mit Jagdhunden eine Rolle. Besonders hilfreich sind Drohnen, die mittels Wärmebildkamera die Tiere selbst im hohen Gras orten können. Der angeklagte Landwirt hatte bei seinen Mäharbeiten bei Langlingen keine dieser Vorkehrungen für nötig gehalten.

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