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Eicklingen Eicklinger erinnern sich an ihre Kriegserlebnisse
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17:58 10.12.2015
Eicklingen

Auf ihre Briefe, die sie ihrem Sohn August im August und September 1943 an die Ostfront schickten, erhielten Auguste und August Pröve aus Klein Eicklingen keine Antwort mehr. Die Feldpostbriefe kamen zurück mit dem Vermerk „Empfänger vermisst – zurück an Absender“ oder „Nicht zustellbar“. Im September 1943 erfuhren die Eltern, dass ihr Sohn am 7. August 1943 bei Abwehrkämpfen bei Karnowka vermisst wurde und wahrscheinlich in Gefangenschaft geraten sei.

Erst im November 1959 haben die Eltern Gewissheit, dass ihr Sohn tot ist. Ein Heimkehrer aus Innsbruck erklärt, dass er August Pröve im August 1943 als Toten gesehen hat. Er sei in Karnowka bestattet worden. Am 22. November 1959 findet in der Kirche in Wienhausen eine Trauerfeier für August Pröve statt. 20 Jahre wurde er alt.

Auch Jahrzehnte nach Kriegsende geht der Fall des August Pröve dem Leser nah. Die Briefe, die er den Eltern seit April 1943 schickte, sind historische Zeugnisse der Kriegszeit. Nachzulesen sind sie in dem Band „70 Jahre Kriegsende – Zeitzeugen erinnern sich“. Herausgegeben hat den 100 Seiten umfassenden Band im Großformat der Heimatverein „Altes Amt Eicklingen“.

„Es hat uns alle bewegt“, sagt Dietrich Schmidtsdorff zum Fall Pröve. Zusammen mit Frank Böse, der viele Schriftstücke überhaupt erst in lesbare Form brachte, hat der ehemalige Zeitungsredakteur Erinnerungen von Einwohnern aus Eicklingen, Aufzeichnungen und alte Fotos in eine ansprechende Form gebracht.

Ein 80. Geburtstag war Auslöser, die Schrift zu verfassen, erinnert sich Erhard Köneke, Vorsitzender des Heimatvereins. Damals wurde über den Zweiten Weltkrieg und die Kriegsjahre erzählt, anschließend erhielt der Verein Unterlagen. „Zu schade, es in der Schublade verschwinden zu lassen“, sagt Köneke. Und mit den Zeitzeugen, die sich meldeten, sei es dann richtig spannend geworden. „Es waren abenteuerliche Dinge dabei“, ergänzt Schmidtsdorff. Etwa die Geschichte von Heinrich Rodenberg, der als 15-Jähriger zur Wehrertüchtigung eingezogen und dann bis zum 10. April 1945 in Bleckede an der Elbe zum Panzersoldaten ausgebildet wurde. Dem Einsatz entzog er sich quasi in letzter Minute, tauchte unter und schlug sich nach Paulmannshavekost durch. Da hielten sich schon amerikanische Soldaten in der Region auf.

Auch das Kriegsgeschehen im Eicklinger Raum wird von Zeitzeugen beschrieben. So detonierten bei Notabwürfen Bomben. Beim Beschuss im April starb ein 16-jähriges Flüchtlingsmädchen.

Die konkrete Arbeit am Buch begann im Frühjahr, zum 40-jährigen Bestehen des Heimatvereins im Oktober sollte es fertig sein. „Zum Schluss waren wir ganz schön unter Druck“, gesteht Schmidtsdorff. Für die Beteiligten sei es ein umfangreiches Lesebuch geworden. Und hinter allem stehe die Mahnung: „Nie wieder“, sagt Schmidtsdorff.

Von Joachim Gries