Arbeit von zu Hause aus

Homeoffice funktioniert für Benjamin Bauch

Der Pressesprecher der Agentur für Arbeit Celle muss sich zu Hause um Job und Kinder gleichzeitig kümmern. So läuft sein Alltag ab.

  • Von Svenja Inken Gajek
  • 22. Jan. 2021 | 10:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Svenja Inken Gajek
  • 22. Jan. 2021 | 10:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Eicklingen.

Ein Haus in Eicklingen, ein Esstisch und ein Mann, der alle Hände voll zu tun hat: Benjamin Bauch hilft seinem elfjährigen Sohn bei den Erdkunde-Schulaufgaben.

Es geht um Polartage und -nächte. Ein Teil der Aufgabe besteht darin, passende Erklär-Videos im Internet zu suchen. Bauch ist Pressesprecher bei der Agentur für Arbeit Celle und nutzt wie viele andere Arbeitnehmer im Moment die Möglichkeit, seinen Job von zu Hause aus zu erledigen. Durch das Homeoffice verbringt der 44-Jährige viel Zeit mit seinen zwei Kindern. Stress und schöne Momente liegen dabei dicht nebeneinander.

Arbeiten im Wohnzimmer

Eigentlich steht Bauchs Schreibtisch in einem anderen Raum, aber das Arbeiten im Wohnzimmer ist praktischer für ihn. So kann sich auch mal eines seiner Kinder neben ihn setzen, wenn es seine Hilfe braucht. „Arbeiten am Schreibtisch – mit Homeschooling ausgeschlossen“, sagt Bauch, der trotz der doppelten Belastung recht entspannt wirkt. Sein Arbeitstag beginnt normalerweise um acht Uhr. Doch im Homeoffice sitzt er bereits etwas früher am Laptop, um beispielsweise schon einige E-Mails zu beantworten. Dann kümmert er sich um seinen Nachwuchs, der sich für den Unterricht daheim vorbereitet. Da die Schulen bis zum 14. Februar geschlossen bleiben sollen, wird seine siebenjährige Tochter ab kommender Woche ebenfalls die ganze Zeit über zu Hause sein.

Arbeitgeber schafft gute Voraussetzungen fürs Homeoffice

Für Bauch funktioniert die Arbeit im Homeoffice ganz gut. Dies verdankt er seinem Arbeitgeber, der mit dem Fami-Siegel für familienfreundliche Arbeitszeitmodelle ausgezeichnet wurde: „Diejenigen, die können und wollen, hatten bei uns schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie die Möglichkeit, ins Homeoffice zu gehen. Jetzt sind die Beantragungswege noch schneller geworden.“ Rund 50 Prozent der Beschäftigten bei der Agentur für Arbeit Celle arbeiten zurzeit in ihren eigenen vier Wänden. „Wir suchen nach Wegen, die technischen Möglichkeiten weiter auszureizen und damit noch mehr Leuten den Weg ins Homeoffice zu ermöglichen“, bemerkt Bauch. „Schwierig ist es natürlich vor allem für Kollegen, die in Orten mit schlechter Internetverbindung wohnen.“ Die Arbeitszeit wird mit einem digitalen Stempel erfasst, also An- und Abmeldung im System werden mit Datum und Uhrzeit auf dem Arbeitszeitkonto festgehalten.

Keine Zeit zum Kochen

Während er mit seinen Kindern spricht, behält Bauch immer den Bildschirm im Blick. „Das geistige Hin- und Herschalten zwischen dem Stoff für Schulklasse zwei und fünf sowie der Arbeit ist sehr anstrengend“, so Bauch. „Man möchte ja gern sein Pensum schaffen. Doch dann kommt eine Frage von den Kindern dazwischen und man ist sofort wieder rausgerissen.“ Unterstützung bekommt Bauch manchmal von der Oma der Kinder, die zur Freude aller für leckeres Mittagessen sorgt. Dem zweifachen Vater fehlt einfach die Zeit zum Kochen, so dass es häufig Tiefkühlpizza oder Nudeln mit Pesto gibt.

Kinder vermissen Freunde

Bauch denkt häufig daran, wie sich die Situation für seine Kinder anfühlen muss: „Es ist sehr schade für sie, dass ihre sozialen Kontakte so eingefroren sind. Sie fragen oft, ob sie nicht mal wieder da oder dort hinfahren dürfen, und ich muss dann leider sagen: Nein, das geht nicht.“ Bauch achtet darauf, dass seine Kinder außerhalb der Schule nur mit den Freunden Kontakt haben, die sie auch in der Schule treffen. „Ich bin froh, dass die beiden sich untereinander ganz gut verstehen und nicht ständig streiten. Das macht es etwas einfacher“, sagt Bauch.

Lernerfolg verlangsamt sich

Enttäuscht zeigt sich der Vater von der Gestaltung des Online-Unterrichts: „Wenn eingescannte und verschickte Dokumente den ganzen digitalen Lehrplan ausmachen, dann muss da dringend nachgebessert werden.“ Lediglich einmal in der Woche gebe es eine Videokonferenz mit dem Klassenlehrer. Immerhin seien die Lehrer gut zu erreichen. „Auf Dauer verlangsamt sich dadurch natürlich der Lernerfolg“, meint Bauch.

Kurze Entspannungsphasen sind wichtig

Der Pressesprecher verzichtet auf seine Mittagspause, geht allerhöchstens mal in die Küche, um sich ein Glas Wasser zu holen. Nach dem offiziellen Ende seines Arbeitstages um 16.30 Uhr kann er sich allerdings noch lange nicht erholen, denn die Kinder fordern weiterhin seine Aufmerksamkeit. Wenn sie schon längst schlafen, schaltet Bauch den Laptop manchmal noch einmal an, um liegengebliebene Arbeit zu erledigen. „Abends ist man reif für die Insel“, sagt Bauch und lacht. Zur Entspannung hört er ab und zu Musik: „Und dann richtig laut – am liebsten U2.“ Außerdem ist eine Schale mit Süßigkeiten immer in Reichweite.

Benjamin Bauchs Fazit

Nach Monaten im Homeoffice ist für Bauch klar: „Es geht viel mehr online, als man allgemeinhin denkt. Nur muss Deutschland in Sachen Digitalisierung dringend nachbessern, besonders bei den Schulen.“

Unseren Newsticker zum Coronavirus in Celle finden Sie hier .

Homeoffice jetzt besonders wichtig

In der Hoffnung, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen, hat Arbeitsminister Hubertus Heil eine Verordnung für mehr Homeoffice erlassen. Wo immer es möglich ist– das heißt, bei Büroarbeit und vergleichbaren Tätigkeiten– müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten anbieten, dass diese von Zuhause aus arbeiten können. Arbeitnehmer sind allerdings nicht dazu verpflichtet, ein solches Angebot anzunehmen. Wenn etwa dem ins Büro umgewandelten Heim die digitale Grundausstattung wie WLAN oder Laptop fehlt, greift die grundsätzliche Pflicht nicht. „Das würde dazu führen, dass zwingende betriebliche Gründe dagegensprechen. Dann kann es nicht ausgeübt werden“, sagt Heil. Eine willkürliche Verweigerung gelte nun nicht mehr. Immerhin gebe es nun auch steuerliche Anreize für die Unternehmen, bei ihren Mitarbeitern digital aufzurüsten. Die Verordnung gilt vorerst bis zum 15. März.

Sven Rodewald, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Celle, rät dringend zum Homeoffice. Die öglichkeiten dazu müssten genutzt und ausgebaut werden. Nur so ließen sich Kontakte zwischen den Mitarbeitern eines Betriebes effektiv reduzieren.