Zu Besuch in Unterkunft

So geht es den Flüchtlingen im Kreis Celle

Im leerstehenden Haus an der Hauptstraße in Bröckel ist wieder Leben eingekehrt. 15 Ukrainer sind dort untergekommen. So geht es den Flüchtlingen inzwischen.

  • Von Carsten Richter
  • 28. März 2022 | 07:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Carsten Richter
  • 28. März 2022 | 07:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Bröckel.

Immer wieder fällt das eine Wort: "Danke". Irina Hartschinko ist angetan von der Hilfsbereitschaft in Deutschland allgemein und in Bröckel ganz besonders. Knapp vier Wochen ist es her, dass die 37 Jahre alte Mutter von drei Kindern zusammen mit anderen Flüchtlingen aus der Ukraine in ein leerstehendes Haus an der Hauptstraße gezogen ist. Das Privatgebäude wurde innerhalb eines Tages von vielen ehrenamtlichen Helfern für die Schutzsuchenden aus dem Kriegsgebiet eingerichtet. Längst ist Leben eingekehrt in dem drei Stockwerke großen Haus.

15 Ukrainer wohnen nun dort – mehr Platz gibt es auch nicht. Neben Irina Hartschinko und ihren Söhnen Bochdan (4 Jahre), Iwan (10) und Andrej (12) sind noch drei weitere Mütter mit insgesamt fünf Kindern untergekommen.

Flüchtlinge sollen in Bröckel zur Ruhe kommen

Da geht es häufig turbulent zu. Gregor Schroedter sieht das entspannt. "Das ist eine Erprobung für das Haus", meint der Eigentümer. Langfristig soll in dem Gebäude eine heilpädagogische Wohngruppe für Kinder eingerichtet werden. Erst einmal aber gehört das Haus den Geflüchteten – und das so lange, wie es eben nötig ist. "Sie waren traumatisiert und mussten erst mal zur Ruhe kommen", erzählt Schroedter. In der vergangenen Woche wurden die Kinder eingeschult. "Das war eine große Hürde, bringt aber auch Struktur in ihren Alltag."

Viel Hilfsbereitschaft in Bröckel erfahren

Langeweile und Zeit zum Grübeln sollen gar nicht erst aufkommen. Zum Zeitpunkt des CZ-Besuchs am Samstagnachmittag sind zwei der drei Familien mit Fahrrädern unterwegs, die ihnen Menschen aus Bröckel und den umliegenden Dörfern zur Verfügung gestellt haben. Auch Andrej, der älteste Sohn von Irina, hat sich der Gruppe angeschlossen. Überhaupt ist die Fürsorge von Anfang an enorm: So hat eine Nachbarin schon mit Bettwäsche ausgeholfen. Als sie vom Grundstück nebenan Irina und ihre Kinder sieht, lächelt sie und winkt ihnen zu. "Auch wenn wir nicht dieselbe Sprache sprechen, sind wir im Herzen verbunden", meint die ältere Frau.

Familien aus Ukraine halten zusammen

Auch untereinander verstehen sich die drei Flüchtlingsfamilien gut. Dass sie aus unterschiedlichen Gebieten der Ukraine stammen, spielt keine Rolle. Der Krieg in der Heimat schweißt zusammen. "Ein Volk, eine Familie", sagt die Mutter. Sie bittet zu Tisch und setzt das Wasser für den Tee auf. Dort versammeln sich alle häufig gemeinsam.

Helfer aus Flotwedel haben Flüchtlinge geholt

Mit am Tisch sitzt an diesem Nachmittag Alexander Niklaus. Der Russlanddeutsche kann sich mit der Familie verständigen und übersetzen. Er ist einer der vier Freiwilligen, die Irina und ihre Kinder von der Grenze abgeholt und nach Bröckel gebracht haben. "Ich habe mir Sorgen gemacht um die Kinder und darum, wo wir hinkommen", erzählt sie über die Flucht. Ihr Mann hat sie bis zur Grenze gebracht. Er ist zu Hause in Sarny geblieben, einer Kleinstadt im Nordwesten. Dort bewacht er das Krankenhaus, neben dem sich ein Militärstützpunkt befindet.

Sicherheit in Bröckel gefunden

"Wir wurden gewarnt, sollten nicht überall mitgehen", erzählt die zierliche Frau mit den lockigen blonden Haaren. "Ich bin sonst skeptisch, aber diesmal habe ich mich gleich geborgen gefühlt." In Bröckel angekommen, hielt das Sicherheitsgefühl an. "Gregor ist ein guter Hausherr", sagt sie. "Er hilft immer und hat auch schon mit den Jungen Fußball gespielt."

Kinder gehen zur Schule

Die Samtgemeinde Flotwedel hat den Familien am Anfang eine Übersetzerin bereitgestellt. Die Schulen wiederum haben Mappen und anderes Material gespendet – auch darüber freut sich Irina. "Und hier haben sie genau so viel Spielzeug wie in der Ukraine", sagt sie und lächelt.

Dankbar für so viel Hilfsbereitschaft

Inzwischen ist der Tee fertig. Irina geht in die Küche. So viel Gastfreundlichkeit sei typisch für alle slawischen Völker, sagt Niklaus. Irina überreicht dem Besucher die Tasse Tee. Sie will unbedingt Deutsch lernen, vielleicht auch arbeiten gehen. In einem Altenheim zum Beispiel. Obwohl sie natürlich vor allem eines möchten: zurück in die Heimat. Aber sie wissen ja: In Bröckel können sie bleiben, solange der Krieg anhält. Hier sind sie in Sicherheit. Und wieder lächelt sie und sagt dieses eine Wort: "Danke".