Stirnband für Astronauten

Aus Hambühren zur ISS ins Weltall

Das ist ein echter Coup: Die kleine Firma Kora aus Hambühren hat ein Spezial-Stirnband für Astronaut Matthias Maurer entwickelt.

  • Von Simon Ziegler
  • 26. Nov. 2021 | 10:56 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 26. Nov. 2021 | 10:56 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Hambühren.

Eine kleine Firma aus Hambühren mischt im Weltall mit: Als Astronaut Matthias Maurer vor zwei Wochen zur Internationalen Raumstation ISS flog, hatte er Technik des Unternehmens Kora Industrie-Elektronik im Gepäck. Genauer gesagt: ein Spezial-Stirnband, das im Hambührener Gewerbegebiet entwickelt wurde. "Damit soll die Körperkerntemperatur der Astronauten gemessen werden", sagt Geschäftsführer Claus Wittmann.

Unternehmen mit 13 Mitarbeitern

Der Oldauer leitet das unscheinbare Unternehmen mit 13 Mitarbeitern in Hambühren. Betritt man das Betriebsgelände, deutet wenig darauf hin, dass die Hambührener bei einem Projekt dabei sind, das weltweites Interesse hervorruft. Die Firma sitzt in einem weißen Zweckbau, von Glamour ist hier weit und breit nichts zu sehen.

Ihr Stirnband "Thermo Mini" ist aus feuerhemmendem Material, darin sind ein Sensor und Elektronik verbaut. "Ziel ist, die Körperkerntemperatur beim Essen, beim Schlafen oder bei körperlicher Anstrengung zu messen", sagt Wittmann. Denn es sei bekannt, dass die Körpertemperatur im All um ein bis zwei Grad höher sei als auf der Erde. Das Stirnband aus Hambühren soll einen Beitrag leisten, das Leben der Astronauten sicherer zu machen. Ein Vorgängermodell kam bereits bei Alexander Gerst zum Einsatz, dem bis dahin letzten Deutschen auf der ISS.

Seit 25 Jahren im Weltraum-Geschäft

Die Hambührener sind schon lange im Weltraum-Geschäft. Gegründet wurde das Unternehmen 1988. Seit 1996 gibt es Kontakte zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). In den vergangenen 25 Jahren hat die Firma Kora, die bis vor zwei Jahren Koralewski hieß, mehrere Projekte für die europäische Weltraumorganisation ESA, die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA oder die Kollegen in Russland realisiert. Vor ein paar Jahren haben sie zum Beispiel für die ISS ein Programm entwickelt, mit dem die Leistungsfähigkeit der Astronauten im All gemessen werden kann. Das System sammelt biometrische Daten, um das – wie Laien sagen würden – Stresslevel zu messen. "Ziel ist, den Astronauten in einer möglichst guten Verfassung zu haben", sagt Patrick Sawadski.

Der 26-Jährige ist der Entwicklungsleiter des Stirnband-Projektes. Unter seiner Leitung wurden ganze sechs Headbands produziert. Ende 2020 kam der Auftrag vom DLR, im Juni wurden sie erstmals bei einem Parabelflug ausprobiert. Dass es so schnell ging, liegt daran, dass sie auf eine Technik zurückgreifen konnten, die sie schon vor Jahren bei Arbeitern in Afrika eingesetzt hatten. Es sollte herausgefunden werden, wie sich bei ihnen die Körperkerntemperatur verändert, wenn sie bei Hitze körperlich arbeiten.

Mess- und Regeltechnik für irdische Kunden

Dabei ist das Hambührener Unternehmen durchaus auch irdisch unterwegs. Die Firma Kora entwickelt in den Bereichen Mess- und Regeltechnik, Elektronik und Steuerungstechnik Produkte für ihre Kunden.

Matthias Maurer aus dem Saarland ist erst der vierte Deutsche auf der ISS. Auf dem Außenposten der Menschheit in 400 Kilometern Höhe soll er sechs Monate lang Experimente in der Schwerelosigkeit durchführen. Dreimal trägt er für jeweils 32 Stunden das Stirnband aus Hambühren. Die Ergebnisse werden nach seiner Rückkehr ausgewertet.