Halloween

Gruseln ist in diesem Celler Wohnhaus garantiert

Halloween muss man nicht mögen. Aber die Idee ist toll: Ein Wohnhaus wird zur Geisterbahn. Wo es das gibt? Im Kreis Celle. Ein Rundgang durchs Gruselhaus.

  • Von Carsten Richter
  • 31. Okt. 2021 | 20:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Carsten Richter
  • 31. Okt. 2021 | 20:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Ovelgönne.

Ausgerechnet am Halloween-Wochenende habe ich Dienst. „Es gibt so ein Gruselhaus in Ovelgönne. Da könntest du am Wochenende doch mal hinfahren“, meint mein Kollege Benjamin Behrens am Anfang der Woche zu mir. Er hatte schon Kontakt zu dem Hausbesitzer aufgenommen und ein bisschen zu den Hintergründen recherchiert . „Ja, trag‘ den Termin doch mal im Kalender ein“, antworte ich ihm. Bis Samstagabend sind es ja noch ein paar Tage, denke ich insgeheim. Ich gebe zu, ich bin kein Freund dieses Rituals, das ursprünglich in Irland beheimatet war, dann in den USA gefeiert wurde und sich seit den 1990er Jahren auch in Deutschland einer wachsenden Beliebtheit erfreut.

Gruselhaus löst Volksfeststimmung aus

Dann rückt der Samstagabend näher und damit die Fahrt zum Haus von Sven Keuneke und seiner Partnerin Heide Vogelsberg. Am Eichkatzweg in Ovelgönne angekommen, fühle ich mich an die beleuchteten Weihnachtshäuser im Advent erinnert. Die Menschen stehen auf der Straße und schauen sich das Lichter-Spektakel an. Nur die Kürbis-Gespenster im Vorgarten und die Riesen-Spinnen an Hauswand und Fenstern wollen nicht so richtig dazu passen. „Ah ja, das ist es also“, denke ich, steige aus dem Auto und bin schon beeindruckt von der Volksfeststimmung in dem Wohngebiet. Sogar ein Süßigkeiten-Wagen ist vor Ort.

Flashmob sorgt für Überraschung in Ovelgönne

Unser Fotograf David Borghoff und ich reihen uns ein in die Schlange vor dem Eingang, die im Laufe des Abends noch länger werden sollte. Ich denke mir nicht viel bei den Horror-Masken, mit denen die Leute hier herumlaufen. Ich weiß doch, was mich erwartet – es ist halt Halloween. Oder etwa nicht? Ich sollte mich irren. Für die erste Überraschung sorgen nämlich die Vevo Stars aus Hambühren. Die Gruppe führt einen Flashmob auf – außer den Veranstaltern ist niemand vorgewarnt – und tanzt nach der Vorlage des „Thriller“-Videos von Michael Jackson. Das kommt an, die Vorführung wird mit Applaus quittiert.

Das Abenteuer Gruselhaus kann beginnen

Es ist so weit. Wir sind an der Reihe. „Bitte wartet, es wird euch geöffnet“, ruft uns eine weibliche Stimme vor der verschlossenen Haustür entgegen. Nun macht sich doch so ein leichtes Kribbeln bemerkbar, die Hände sind etwas feucht. Was ist wohl hinter der Tür? Zumal die Geräusche aus dem Haus wenig verheißungsvoll klingen. Immer wieder dringen kurze, laute Schreie nach draußen. Es wird uns geöffnet. Licht spenden nur die leuchtenden Masken mit ihren schaurigen Grimassen an der Wand. Eine blutverschmierte OP-Schwester winkt uns aus einem Raum zu, aber unser Blick geht schon weiter. Vorsichtig nach oben, nach rechts und links geschaut – es wird schon gutgehen, wenn man nur aufpasst. Dabei immer die Ungewissheit: Welche Figur ist lebendig, welche nur eine Nachbildung? Das Skelett im Weihnachtsmannkostüm? Die gelb-leuchtenden Augen können mich nicht erschrecken. Der Lebkuchenmann, der da so merkwürdig still an die Wand gedrückt steht? Bewegt kurz die Arme – mehr nicht.

Wenn von hinten eine kalte Hand kommt

Dann passiert es schließlich doch. Wie aus dem Nichts berührt eine kalte Hand meinen Rücken. Ich zucke zusammen, das Herz schlägt unwillkürlich schneller. Über eine Treppe geht es runter in den Keller: Die Tür bewegt sich wie von Geisterhand. „Du kannst ruhig vorgehen“, meint Kollege Borghoff scherzhaft zu mir. „Ne, lass mal“, meine ich. Das ist doch bestimmt ... aha, der Sensenmann. Der kann mich nicht erschrecken – ich war vorgewarnt.

Besucher haben viel zu berichten

Etwa zehn Minuten dauert der Gang durch das Reich der Untoten und Gespenster, dann ist die rettende Ausgangstür zu sehen. Wer sich auf das Erlebnis eingelassen hat, hat definitiv etwas zu erzählen: „Ich dachte, mein Mann hat mir den Nacken massiert“, schildert die Cellerin Sandra Eilrich eine der eindrucksvollsten Szenen. Außenstehende können sich nur denken, was passiert ist ... „Wahnsinn, was die hier aufgezogen haben“, meint Thomas Eilrich. Und ihre Bekannte Rosi White ergänzt: „Ich habe selten so schön gelacht.“

Spenden gehen an Hospizhaus nach Celle

Mein Fazit: Ein Halloween-Fan bin ich auch nach diesem Abend nicht geworden. Ich habe aber Respekt vor der Leistung von Sven Keuneke und Heide Vogelsberg. Man mag diesen Brauch mögen oder nicht, aber sie tun uneigennützig etwas für die Allgemeinheit und geben den Erlös aus den freiwilligen Spenden weiter für den guten Zweck – diesmal an das Hospizhaus. Von der Resonanz überwältigt ist auch der Veranstalter: „Es war eine kleine Idee, aber was mittlerweile an Geld zusammenkommt, darauf bin ich stolz“, so Keuneke. Nicht nur aus Hambühren und Umgebung kommen die Menschen – über Facebook und Mundpropaganda wächst die Fangemeinde jährlich. Die Johanniter, die für alle Fälle mit einem Krankenwagen vor Ort waren, konnten am Samstagabend ohne Vorkommnisse wieder wegfahren. Bleibt noch die Erkenntnis für den CZ-Redakteur: Dienst am Halloween-Wochenende – gerne wieder.