Krötenwanderung

Die Krötenlotsen

Bald ist Krötenwanderungszeit. Damit die Amphibien auf dem Weg zu ihrem Laichgewässer nicht überfahren werden, hat die Nabu in Hambühren Schutzzäune errichtet.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 01. Mar 2022 | 10:00 Uhr
  • 12. Jun 2022
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  • 01. Mar 2022 | 10:00 Uhr
  • 12. Jun 2022
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Ovelgönne.

Die Sonne scheint. Das alte Laub raschelt und auf der Straße rasen die Autos vorbei. Mit viel Geduld versucht Christine Schäfer, Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Hambühren, ein Ende des Metallspießes durch das Netz des grünen Krötenzauns zu stecken. „Das ist ein richtiges Unterfangen.“ Endlich hat sie es geschafft und steckt das Spießende zurück in die Erde. Dann stellt sie an dieser Stelle den Krötenzaun auf.

Wietzer Straße in Ovelgönne: Kröten wandern zum Strandbad

Die Zäune sollen verhindern, dass die Kröten bei ihrer Wanderung zu ihren Laichgewässern im März und April die Straße überqueren und überfahren werden. Damit die Kröten – hier hauptsächlich Erdkröten – trotzdem das Strandbad auf der gegenüberliegenden Straßenseite heil erreichen, um dort laichen zu können, haben die vier Nabu-Ehrenamtlichen neben dem Radweg an der Wietzer Straße in Ovelgönne in regelmäßigen Abständen einen offenen Eimer in der Erde vergraben. In diesem sollen die Amphibien über die Straße und zu dem Gewässer getragen werden, in dem sie einst selbst groß geworden sind.

"Amphibien-Experte" Andr Kaspar kennt sich aus

Da sich Christine Schäfer bei ihrer Arbeit noch unsicher ist – sie hilft bei der Aktion zum ersten Mal – fragt sie ihren Kollegen Andr Kaspar um Rat. Er war im vergangenen Jahr schon bei dem Aufstellen der Krötenzäune dabei und ist der „Amphibien-Experte“. „Ich habe noch einen Verbesserungsvorschlag“, sagt er, während er sich Schäfers Arbeit anschaut. Sie soll das Netz unten etwas falten, damit die Amphibien dagegen stoßen und sich am Netz entlang zu den Eimern bewegen. Er ist damit beschäftigt, eventuelle Kuhlen unter dem Zaun mit neuer Erde und Laub zu stopfen. Hoffentlich hält der 230 Meter lange Zaun am Ende.

Überprüfung von Zaun und Eimern

„Mindestens einmal am Tag sollten die Eimer kontrolliert werden, am besten morgens“, erläutert Kaspar, denn für gewöhnlich finden Krötenwanderungen nachts statt. „Wenn die Temperaturen für die Tiere günstig sind – über sieben Grad – laufen sie auch schon tagsüber los. Dann sollte abends ebenfalls kontrolliert werden.“ Neben den sich im Eimer befindenden Kröten müsse auch der Zaun überprüft werden. Für die Kontrollen werden noch freiwillige Helfer gesucht. Laut Kaspar seien im vergangenen Jahr rund 240 Kröten, neun Frösche und ein Grasfrosch erfolgreich über die Straße getragen worden. „Und etwa 80 Tiere, die nach dem Laichen wieder zurück gewandert sind.“

Ohne Wanderung keine Babykröten

Würde man die Kröten einfach sich selbst und dem Schicksal des Überfahrenwerdens überlasse, hätte das auch Folgen für das Ökosystem. „Kröten fressen Insekten und Würmer“, erläutert Kaspar. Gleichzeitig sind sie auch Beutetiere für vielerlei Vögel und Reptilien. Wenn sie als ein Baustein in der Nahrungskette wegfallen, betrifft das auch die untere und obere Stufe. Jede einzelne Art hat ihre Bedeutung im Ökosystem. „Auch die Kröte fügt sich in das Große und Ganze ein“, so der „Amphibien-Experte“. „Wenn wir nicht tätig werden, sehe ich die Gefahr, dass der Bestand verschwindet.“

Unterstützung von der Gemeinde Hambühren

In Ovelgönne ist bereits ein Rückgang der Population zu erkennen. In den vergangen Jahren seien weniger Tiere in Richtung des Strandbads gelaufen, berichtet Schäfer. Früher seien es mehr gewesen. Als Grund gibt sie das Sinken des Grundwasserspiegels an. „Solange es hier aber noch Kröten gibt, die den Trieb haben, zum Strandbad zu wandern, werden wir sie jedes Jahr dabei unterstützen.“ Die Gemeinde hilft ihnen dabei, indem sie zum Beispiel das Gebiet in der Zeit der Krötenwanderung in Ruhe lässt.

Ein Stock für Mäuse und Käfer

„Meinst du das mit dem Stock ist in Ordnung?“, fragt Christine Schäfer. Sie hat jeden Eimer mit etwas Laub und einem kleinen Stock ausgestattet. „Ja“, antwortet Kaspar. „Der ist gut für Mäuse, Käfer und andere Tiere, die in einen der Eimer fallen. So kommen sie wieder heraus.“ Die Kröten hingegen würden sich nicht selbst befreien können. Schäfers ist zufrieden mit ihrer Idee.

Teamarbeit beim Zaunaufstellen

Das Aufstellen des Krötenzauns ist richtige Teamarbeit. Schäfer und Kaspar stecken die Metallspieße in die Erde und stellen den Krötenzaun auf. Etwas weiter vorn ist Erwin Köhler, dienstältestes Mitglied der Nabu-Gruppe Hambühren, eifrig dabei, mit einer Harke die Erde glatt zu streichen, damit der Zaun besser steht. An einer anderen Stelle sucht Bernhard Vömel, stellvertretender Vorsitzender der Hambührener Gruppe, mit der Schaufel immer noch nach weiteren Eimern im Boden. Inzwischen hat er die Jacke geöffnet und die Mütze sitzt schon über den Ohren. Es scheint ziemlich anstrengend zu sein.

Von Katharina Jäger

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