Förderung von Migranten

Mit Hilfe zum Job

Die Deutsche Angestellten-Akademie unterstützt Migranten beim Eintritt in den Arbeitsmarkt. So hat auch Hussein Barjas Murad einen Ausbildungsplatz gefunden.

  • Von Svenja Inken Gajek
  • 25. Sep 2021 | 10:00 Uhr
  • 12. Jun 2022
  • Von Svenja Inken Gajek
  • 25. Sep 2021 | 10:00 Uhr
  • 12. Jun 2022
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Ovelgönne.

Der Kontakt zu den Gästen gefällt dem jungen Mann besonders gut. Seit August macht Hussein Barjas Murad eine Ausbildung zum Fachangestellten im Gastgewerbe. Sein Ausbildungsbetrieb ist das Hotel Zur Heideblüte in Ovelgönne. Murad kommt aus dem Irak und benötigte beim Eintritt in die Arbeitswelt Unterstützung. Die Deutsche Angestellten-Akademie (DAA) stand dem 20-Jährigen im Rahmen des Projekts "Qualität 2.0" beratend zur Seite. Dabei geht es um die Vermittlung von Migranten in den ersten Arbeitsmarkt.

Murad hat nach nur einem Monat bei der DAA einen Ausbildungsplatz gefunden

Murad kam vor etwa fünf Jahren mit seiner Familie nach Deutschland. Sein Onkel Salhattin "Hatti" Kizilyel nahm die Verwandtschaft zunächst bei sich auf. Eine Zeit lang half Murad im Restaurant seines Onkels aus. Dabei lernte er die deutsche Sprache. Außerdem absolvierte er einen Computer-Kurs. Seine EDV-Kenntnisse konnte er bei der DAA vertiefen. Schließlich fand er den passenden Ausbildungsplatz und fertigte seine Bewerbungsunterlagen an. Auch hierbei bekam er Unterstützung von der DAA. Die Initiative für die Bewerbung ging allerdings von ihm selbst aus. Nach nur einem Monat bei "Qualität 2.0" durfte er seine Ausbildung beginnen.

Schwerer erster Tag im Praktikum

"Ich dachte nach meinem ersten Tag im Praktikum: Ich kündige", sagt Murad und lächelt. "Es war alles so schwer. Besonders das ständige Stehen war heftig. Aber nach einer Woche hat mein Körper sich daran gewöhnt." Er ist froh, dass er nicht so schnell aufgegeben hat. Nach und nach lernt Murad alle Bereiche des Berufes kennen: Gäste bedienen, Zimmer reinigen, Veranstaltungen vorbereiten und vieles mehr. Nach zwei Jahren hat er die Möglichkeit, seine Ausbildung zu verlängern und Hotel- oder Restaurantfachkraft zu werden.

Gerne Kontakt zu den Gästen haben

"Husseins Stärke liegt im Umgang mit den Gästen", betont Heideblüte-Geschäftsführer Roger Burkowski. "Man merkt, dass er Lust auf die Arbeit hat. Der Wille ist sowieso das Wichtigste."

Traumapädagogik, Deutschkurse und Gabelstaplerschein

Die schnelle Vermittlung führte dazu, dass Murad einen großen Teil des DAA-Angebots gar nicht mehr wahrzunehmen brauchte: Dazu gehören unter anderem Traumapädagogik, Deutschkurse und das Erwerben des Gabelstaplerscheins für Berufe in der Logistik. Auch in den Bereichen Altenpflege und Küche gibt es vorbereitende Maßnahmen. Ein Jobcoach spricht mit den Migranten über Berufswünsche und versucht, realistische Perspektiven für den Arbeitsmarkt zu entwickeln. Murads Bruder Salem, der Kfz-Mechatroniker werden möchte, wurde ebenfalls von der DAA gefördert.

Austausch über Unterschiede zwischen den Kulturen

Die Traumapädagogik ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts: Geflüchteten wird der Raum gegeben, über die Erlebnisse des Krieges und der Flucht zu sprechen und diese zu verarbeiten. "Es findet ein gegenseitiger Austausch über die Unterschiede des Lebens und der Gesellschaftsordnung im Irak und in Deutschland statt, so dass kommunikative Missverständnisse verringert werden können und Integration stattfinden kann", heißt es dazu von der DAA.

Projekt zum Großteil vom Europäischen Sozialfonds finanziert

Das Projekt "Qualität 2.0" startete im September vergangenen Jahres und läuft noch bis Dezember. Das Projektbudget über 376.000 Euro wird zum überwiegenden Teil vom Europäischen Sozialfonds finanziert, zirka 116.000 Euro trägt das Jobcenter. Die maximale Teilnehmerzahl beträgt 25 Personen. Die Teilnehmer werden vom Jobcenter ausgewählt und zugewiesen.