Grundschule Oldau

So läuft das digitale Lernen in Corona-Zeiten

Insgesamt sind Lehrer und Schüler mit dem Home-Schooling zufrieden. Kein Wunder, wenn in Mathe auf einmal Kekse backen auf dem Stundenplan steht.

  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 29. Apr 2020 | 12:00 Uhr
  • 12. Jun 2022
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 29. Apr 2020 | 12:00 Uhr
  • 12. Jun 2022
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Hambühren.

Es ist fast ein bisschen wie immer, wenn Laura am Vormittag den Laptop anschaltet und der Stimme ihrer Lehrerin Anna-Marie Meier lauscht. Es steht ein Diktat auf dem Stundenplan. "Das haben die Kollegen und ich vorher eingesprochen. Genauso, wie wir es auch vor Ort diktieren würden", sagt Meier. "Anders ist nur, dass die Kinder zwischendurch auf Stopp drücken können."

Digitales Lernen mit Apps und Onlineplattformen

In der Grundschule Oldau läuft, wie in allen Celler Schulen, seit den Osterferien fast alles über Home-Schooling. Die Kinder werden über verschiedene Onlineplattformen, Apps und Wochenplänen mit dem Unterrichtsstoff versorgt. Während so manche Schule in Digitalisierung ganz schön hinterherhinkt, scheint es an der Grundschule Oldau gut zu funktionieren. Der kurze, notwendigerweise übereilte Weg dahin war aber voller Herausforderungen. "Erstmal mussten wir schauen, ob alle Kinder die passende Ausrüstung zu Hause haben", erinnert sich Meier. "Dann war die Frage, wie wir die Kinder am besten erreichen und motivieren können." Aus den Überlegungen des Kollegiums entstand eine Mischung aus Übungen, Zusatzaufgaben und verpflichtenden Hausaufgaben. Ein wesentlicher Bestandteil des Lernens und der Kommunikation ist dabei die Plattform "padlet", ein virtueller Klassenraum. "Da teilen wir Videos, Lerninhalte, aber auch solche Dinge wie Geburtstagsgrüße. Die Schüler können da auch miteinander chatten, Fotos von ihrem neuen Alltag hochladen und einfach im Austausch bleiben", berichtet die Grundschullehrerin.

Zukunftsperspektive für Nach-Corona-Zeit

Doch auch die guten, alten Hefte und Übungsbücher spielen im Home-Schooling eine wichtige Rolle. Bei Anna-Marie Meier müssen die Hefte mit den erledigten Aufgaben am Freitag abgegeben werden. Dafür steht vor dem Eingang der Schule ein Karton. "So können wir die Fortschritte überprüfen und den Kindern eine Rückmeldung geben." In Meiers Augen ein wichtiger Motivationsfaktor. "Insgesamt kommen die Kinder bislang wirklich gut zurecht", sagt sie. "Die Rückmeldungen der Familien sind fast ausschließlich positiv, was aber auch an der enorm guten Zusammenarbeit zwischen den Kollegen liegt." Die Pädagogin sieht in den neu entdeckten digitalen Möglichkeiten durchaus Zukunftsperspektiven für die Zeit nach Corona. Das virtuelle Diktat zum Beispiel könne auch dann weiterhelfen, wenn Kinder aus Krankheitsgründen nicht zur Schule kommen können.

Der Wunsch nach Normalität bleibt

Laura gefällt das neue Lernen. "Es ist ganz gut", sagt die Neunjährige, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass es durchaus den Vorteil hat, dass sie nun morgens länger schlafen kann. "Aber ich vermisse meine Freunde und auch meine Lehrerinnen." Ihre Mutter Andrea Dining ist mit dem Engagement der Lehrer sehr zufrieden. Abwechselnd mit ihrem Mann betreut sie Laura und ihre Schwester Caroline beim Lernen, neben der Arbeit. "Ich finde, dass das sehr gut funktioniert und alle ihr Bestes geben. Die Grundschule Oldau ist in meinen Augen wirklich gut aufgestellt." Nichtsdestotrotz sehnt sie sich Normalität herbei. "So gut das System und die Ideen der Lehrer auch sind, den richtigen, persönlichen Unterricht kann das natürlich nicht ersetzen. Und gerade für Kinder, die beim Home-Schooling nicht die ganze Zeit von den Eltern betreut werden können, ist es schon schwierig."

Meditation und Sportübungen sorgen für Abwechslung

Besonders viel Spaß machen den Kindern die Zusatzaufgaben. Davon gibt es auf der Lernplattform jede Menge. "Da ist jetzt zum Beispiel ein Basteltipp für den Muttertag", erzählt Laura. Außerdem warten Sportübungen, Musikvideos zum Mitsingen und kleine Rätsel auf die Grundschüler. Um zwischendurch neue Kraft zu tanken, gibt es die Chamäleon-Pause, eine kurze Audio-Achtsamkeitsübung, natürlich auch mit der Original-Stimme der Lehrerin. So, wie die Kinder es aus der Schule kennen. Ein bisschen anders läuft es auch beim Rechnen. "Da heißt es im Moment schon einmal: 'In Mathe backen wir heute Kekse'", berichtet Meier. "Das klingt im ersten Augenblick vielleicht komisch, aber die Schüler sollen genau auf die Mengenangaben achten und die Zutaten abwiegen, da lernt man tatsächlich selbst in der Küche etwas über Zahlen." Bei den Kindern kommt die Idee gut an. "Ich hatte noch am selben Abend Tütchen mit Keksen vor der Haustür stehen, das ist ja wohl die beste Bestätigung."