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Faßberg Ehepaar aus Poitzen wird niederländische Staatsangehörigkeit aberkannt
Celler Land Faßberg Ehepaar aus Poitzen wird niederländische Staatsangehörigkeit aberkannt
16:58 08.08.2018
Von Christopher Menge
Wenn im niederländischen Königshaus ein Hochzeit gefeiert wird, hissen Hinke und Jan Bouma auf ihrem Hof in Poitzen die niederländische und die friesische Flagge. Der niederländische Staat hat ihnen aber jetzt die Pässe weggenommen. Auf dem Papier sind sie nur noch Deutsche. Quelle: Oliver Knoblich
Poitzen

"Ich kann es nicht verstehen", sagt Jan Bouma. "Wir sind dort geboren und zur Schule gegangen. Ich habe den Militärdienst abgeleistet und für den niederländischen Staat als Lehrer in Bergen-Hohne gearbeitet." Doch vor vier Jahren machten die beiden nach Auffassung des niederländischen Staats einen entscheidenden Fehler: Sie wollten auch noch Deutsche sein.

"Wir fühlen uns als Europäer", erzählt Bouma. "Da waren wir froh, dass eine doppelte Staatsbürgerschaft endlich möglich war." Schließlich lebten die beiden damals schon seit 41 Jahren in Deutschland. Sie haben in Poitzen ein schönes Haus mit Garten. Jan Bouma informierte sich bei der Ausländerstelle des Landkreises Celle und bekam die Information, dass die beiden nun die deutsche und die niederländische Staatsangehörigkeit haben könnten.

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"Natürlich traue ich der deutschen Obrigkeit", sagt Bouma. "Aber dann kam der Affe aus dem Ärmel, wie wir in der Niederlande sagen." Denn mit der deutschen Meldebescheinigung, auf der beide Staatsbürgerschaften eingetragen sind, fuhren die Boumas vor zwei Wochen in die Nähe von Groningen, um ihren niederländischen Pass zu verlängern. "Doch danach waren wir deutsche Touristen", sagt Bouma ungläubig. Seine Frau kämpfte mit den Tränen.

Hintergrund ist, dass die Niederlande das EU-Recht nicht anerkannt hat. Wer als Niederländer geboren wurde und mit einer Niederländerin verheiratet ist, kann nicht zusätzlich Deutscher sein. "Man sagt immer, dass die Niederlande so liberal ist, aber man sieht es ja", sagt Jan Bouma, der mindestens ein Jahr in den Niederlanden wohnen müsste, um wieder Niederländer werden zu dürfen.

Die Boumas wollen aber nicht weg aus Poitzen. Schließlich haben sie deutsche Kinder und Enkel, bei denen sie in der Nähe sein wollen. Aufgegeben hat Jan Bouma aber trotzdem noch nicht. "Ich gehe dagegen an und möchte alle Niederländer warnen", sagt der 80-Jährige. "Das Problem ist, dass wir es freiwillig gemacht haben, weil wir der Ausländerbehörde in Celle vertraut haben."

Da will man sich den Vorwurf aber nicht gefallen lassen. "Grundsätzlich werden in den Gesprächen mit den Einbürgerungsbewerbenden ausschließlich verbindliche Aussagen zur deutschen Rechtslage getroffen", sagt Landkreis-Pressesprecher Tore Harmening. "Nach dem deutschen Recht wird von den Voraussetzungen der Aufgabe oder Verlust der bisherigen Staatsangehörigkeit bei Staatsangehörigen von EU-Mitgliedsstaaten sowie der Schweiz abgesehen." Also: Wer Deutscher werden will, darf gleichzeitig auch Niederländer bleiben.

Die Niederländer sehen das aber anscheinend anders – die Boumas sind auf dem Papier nur noch Deutsche. "Im Herz sind wir niederländisch", sagt Jan Bouma. Wenn die beiden vor die Wahl gestellt werden würden, deutsch oder niederländisch, würden sie aber unterschiedlich entscheiden. Hinke wäre dann wieder Niederländerin und Jan Deutscher. "Weil ich mich so geärgert habe", sagt Bouma. Viel mehr als über den kaputten Motor seines Oldtimers.

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