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Faßberg Mit Sauerstoffmaske über den Hindukusch
Celler Land Faßberg

Celler NH90-Hubschrauber vor Ort: Heideflieger über den Hindukusch

14:24 15.04.2021
In 4600 Metern Höhe flogen die Hubschrauber über den Hindukusch ins Nato-Hauptquartier in Kabul. Dabei mussten die Soldaten wegen der dünnen Höhenluft Sauerstoffmasken tragen.
In 4600 Metern Höhe flogen die Hubschrauber über den Hindukusch ins Nato-Hauptquartier in Kabul. Dabei mussten die Soldaten wegen der dünnen Höhenluft Sauerstoffmasken tragen. Quelle: Major Voigt, EinsStOffz OPS SQN
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Faßberg

Seit dem 1. Januar 2015 beteiligt sich Deutschland am Nato-Einsatz Resolute Support (RS) in Afghanistan zur Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte bei der Stabilisierung des Landes. Zum Ende des vergangenen Jahres haben die NH90- Hubschrauber aus Faßberg den von der Luftwaffe betriebenen Transporthubschrauber CH-53 durchgeführten Auftrag übernommen.

150 Soldaten bilden Geschwader „Airwing“

Neben dem Hauptauftrag des qualifizierten Patientenlufttransportes (FAE steht für Forward Aeromedical Evacuation) stemmen etwa 150 Soldaten des Einsatzgeschwaders „Airwing“ kurz vor dem Ende des Afghanistan-Einsatzes auch den geschützten Lufttransport von Personal und Material sowie die Rückführung von isoliertem Personal („Personal Recovery“). Als fester Bestandteil bei den Missionen immer dabei ist die Aufklärungsdrohne Heron 1. Durch diese wird eine großflächige Überwachung der Umgebung ermöglicht und somit rechtzeitig vor einer Feindannäherung gewarnt. Wegen der Lage in Afghanistan ist sie ein unverzichtbares Aufklärungs-Mittel. Eine der drei Drohnen musste jüngst kontrolliert 40 Kilometer östlich von Masar-i Scharif in der Wüste auf Grund eines technischen Defekts notlanden. Diese wurde nach der Bergung sensitiven Materials vor Ort zerstört. Dazu wurden durch die NH90-Hubschrauber, Sicherungskräfte und Techniker zur Notlandestelle gebracht, da schnell und effektiv auf diesen Zwischenfall reagiert werden musste.

Wenn der Transporthubschraber NH 90 im Sand landet, dann heißt es für die wartenden Soldaten am Boden den Kopf zu senken und möglichst keinen Staub zu schlucken. Quelle: Major Voigt, EinsStOffz OPS SQN

Einsatzgeschwader nennt sich Airwing

Das Einsatzgeschwader („Airwing“) setzt sich seit November 2020 aus einer fliegenden Einsatzstaffel („Operations Squadron“) unter Führung von Oberstleutnant H. mit sechs Hubschraubern NH90, derzeit zwei Aufklärungsdrohnen Heron 1 und Personal Recovery (PR)-Bodenkräften zusammen.

Zusammenarbeit mit anderen Einheiten

Auch wenn hier jeder seinen „Job“ für die einzelnen Aufträge beherrscht, so gilt es doch die Feinheiten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Denn wie so oft in den Einsätzen der Bundeswehr besteht das Einsatzgeschwader neben Soldaten des Transporthubschrauberregiments 10 „Lüneburger Heide“ aus Faßberg auch aus vielen weiteren Einheiten des Heeres und der Luftwaffe, die seit Jahren ihren Auftrag in Afghanistan erfüllen.

Training mit den internationalen Partnern: Das Einsatzgeschwader („Airwing“) übt im Hindukusch gemeinsam mit Bodentruppen. Quelle: Major Voigt, EinsStOffz OPS SQN

Alle sechs NH90 sind sehr stabil

Umso erfreulicher, dass alle sechs vor Ort befindlichen NH90-Hubschrauber eine geringe Ausfallrate, durch den effizienten technischen Support, aufweisen. Als eine Besonderheit dieses Einsatzes ist erwähnenswert, dass der sechste NH90-Hubschrauber als Instandsetzungsreserve vorgesehen ist. An diesem NH90-Hubschrauber werden über den gesamten Einsatzzeitraum nahezu alle relevanten Inspektionen durchgeführt. Der technische Support wird durch das hier vor Ort befindliche Personal geleistet. Damit wird der aufwändige Austausch eines NH90-Hubschraubers aus dem In- ins Ausland stark reduziert. Erste Erfahrungen zeigen, dass durch diese reibungslose und schnelle durchgeführten Inspektionen ein NH90-Hubschrauber sehr viel schneller seine Einsatzbereitschaft wieder einnehmen kann. Die geringe Ausfall-Rate der NH90-Hubschraubers puscht die gegenwärtige Stimmung der Soldaten.

Letzte technische Prüfungen, bevor der NH90-Hubschrauber wieder an seine Besatzung übergeben wird. Quelle: Major Voigt, EinsStOffz OPS SQN

Ein Flug über den Hindukusch

Auch wenn der Alltag durch eine gewisse Routine mit Bereitschaften und Trainings geprägt ist, gibt es hin und wieder besondere Momente, die die Einsatzkräfte nicht so schnell vergessen werden.Wie zum Beispiel der Flug über den Hindukusch nach Kabul. Ein beeindruckendes Erlebnis, wenn dieses gewaltige Bergmassiv unter den NH90 langsam hindurchzieht. Um sicher über die Berge und Wolken zu kommen sowie aus der Reichweite feindlicher Waffen zu bleiben, mussten die Hubschrauber in einer Höhe von 15.000 Feet (etwa 4600 Meter) fliegen. Die sauerstoffarme Luft in dieser Höhe macht die Verwendung von Sauerstoffzusatzversorgungsgeräten unerlässlich.

Landung in Kabuls Stadtzentrum

Nach der erfolgreichen Überquerung des Hindukusch eröffnete sich den Piloten ein weites Hochplateau und der Blick auf den amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Bagram, bevor am Horizont die Stadt Kabul mit ihren Ausläufern erschien. Das Abschlusshighlight und eine gewisse Herausforderung war die Landung im Stadtzentrum von Kabul, in der sich das Hauptquartier der Nato für den Einsatz Resolute Support befindet.

Soldaten denken an doppelt belastete Familien zu Hause

So ist der Alltag der Soldaten gut mit Aufträgen gefüllt und die Zeit vergeht „wie im Fluge“. Viel länger fühlt sich die Zeit für die daheim gebliebenen Familien und Freunde an. Sie haben zu Hause die Aufgaben des Alltags alleine zu stemmen und müssen dieser Tage zusätzlich die Entbehrungen tragen, welche die Corona Pandemie mit sich bringt. Eine nicht zu unterschätzende Last, die ohne eine Verbindung (Telefon/Internet) in die Heimat kaum denkbar wäre.

Von Major Voigt

Aus Sicherheitsgründen werden die Namen der Soldaten (auch des Autors) nicht vollständig genannt.

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