Friedliche Demonstration

Ein Dorf steht fest zusammen gegen NPD

Die Teilnehmer aus der brgerlichen Mitte waren in der berzahl. Die Demonstration gegen die NPD in Eschede verlief friedlich - mit einer Ausnahme.

  • Von Carsten Richter
  • 25. Sep 2021 | 19:29 Uhr
  • 10. Jun 2022
  • Von Carsten Richter
  • 25. Sep 2021 | 19:29 Uhr
  • 10. Jun 2022
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Eschede.

Das Polizeiaufgebot am Bahnhof lie Groes vermuten. Mehr als zehn Fahrzeuge standen hintereinander auf der nrdlichen Seite der Gleise entlang der Hermannsburger Strae. Die Beamten gingen auf Nummer sicher, schlielich ist jedes Mal unklar, wie viele Demonstranten insbesondere aus der linksextremen Szene den Protest gegen die NPD-Veranstaltungen in Eschede begleiten. Tatschlich aber machten die Autonomen bei der Demonstration am Samstagnachmittag gegen das Erntefest der Neonazis auf dem Hof am Finkenberg nur einen geringen Teil aus. Nach Polizeiangaben nahmen am Zug vom Bahnhof zum NPD-Gelnde rund 100 Demonstranten teil, davon waren etwa 20 den linken Autonomen zuzuordnen.

Wilfried Manneke: "Gehen davon aus, dass Lage immer schlimmer wird"

Bis auf einen kurzen Moment blieb alles friedlich, die Polizei hatte die Lage jederzeit gut im Griff. Die Situation auf dem frheren Hof Nahtz allerdings ist alles andere als zufriedenstellend, das machte Wilfried Manneke bei der Zwischenkundgebung an der Kreuzung Am Dornbusch/Zum Finkenberg deutlich. "Wir gehen davon aus, dass die Lage hier immer schlimmer wird. Solange der Hof existiert, wird Eschede nicht zur Ruhe kommen", sagte der Sprecher des Netzwerks Sdheide gegen Rechtsextremismus und forderte erneut die Schlieung des NPD-Hofs. Manneke erinnerte an den Ursprung des rechtsextremen Erntefests, das 1933 von den Nationalsozialisten als nationaler Feiertag eingefhrt worden und mit dem heute bekannten Erntedankfest nicht zu vergleichen sei. "Hitler nutzte das Erntefest, um die Landbevlkerung strker an sich zu binden", so Manneke. Auf dem Gelnde der NPD seien "Hardcore-Nazis" aktiv, sagte er. Applaus erntete er fr sein Schlussstatement: "Wir haben in unserer Nachbarschaft lieber 1000 Flchtlinge als einen Nazi."

Solidaritt fr Escheder vom Bndnis aus Bad Nenndorf

Dass der Protest gegen rechtsextreme Umtriebe erfolgreich sein kann, machte Jrgen Uebel vom Bndnis "Bad Nenndorf ist bunt" deutlich. "Jahrelanger fantasievoller Widerstand hat dazu gefhrt, dass die Mrsche immer kleiner wurden", sagte Uebel in Anspielung auf die frheren sogenannten Trauermrsche von Neonazis in der Kurstadt im Kreis Schaumburg. "Lasst euch nicht spalten", gab er den Demonstranten mit auf den Weg. Tatschlich traten die Teilnehmer aus der brgerlichen Mitte und die wenigen Autonomen recht geschlossen auf eine Blockbildung der Linksextremen blieb diesmal aus.

NPD-Anhnger fotografiert Demonstranten

Am NPD-Hof angekommen, bot sich das bekannte Bild: Ein Fotograf der NPD schaute mit der Kamera in der Hand ber den Zaun. Landwirt Joachim Nahtz, dem das Gelnde bis Februar 2019 gehrte, und seine Frau saen zunchst auf Sthlen im Garten. Als sich die Demonstranten nherten, standen auch sie auf und schauten ber den Zaun. Kurze Wortgefechte zwischen Neonazis und ein paar Gegnern, Krawalle aber blieben aus. Dirk Garvels vom Deutschen Gewerkschaftsbund erinnerte an den Ausgang der Kommunalwahl in Eschede. Die 2,5 Prozent fr NPD-Landeschef Manfred Dammann als Brgermeister seien zwar noch zu viel. Das Ergebnis zeige aber vor allem: "Faschisten sind hier nicht willkommen."

Brgermeister Gnter Berg: "Nicht auseinander dividieren lassen"

Zunchst schlossen sich am Samstagmittag 60 Teilnehmer dem Escheder Bndnis gegen Rechtsextremismus an und marschierten vom Marktplatz an der Bahnhofstrae zum Bahnhof. Demonstrativ versammelten sich Vertreter von CDU, SPD und Grnen sowie der amtierende Brgermeister Gnter Berg und sein Nachfolger Heinrich Lange fr ein Foto. Die Aussage: Die demokratischen Parteien stehen zusammen. "Die rechtsextremen Aktivitten haben eine Schwelle berschritten, die besorgniserregend ist", sagte Berg. Jedes Fest auf dem NPD-Hof strke das Zusammengehrigkeitsgefhl der Neonazis. Zugleich betonte der Verwaltungschef, dass einige Gegner seit Jahren bei Demonstrationen dabei seien. "Wir drfen uns durch die Provokationen der NPD nicht auseinander dividieren lassen", sagte Berg und bekam krftig Applaus. Politik und Verwaltung wrden im Kampf gegen Rechtsextremismus auch knftig gemeinsam Anstrengungen unternehmen.

Bndnis-Sprecher Marlon Gollnisch will Vernetzung in Eschede vorantreiben

Bndnis-Sprecher Marlon Gollnisch wies auf die Einrichtung einer mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus hin. Verfassungsschutz-Prsident Bernhard Witthaut werde deshalb am 18. Oktober nach Eschede kommen. An diesem Tag soll auerdem ein Symposium zum Austausch mit anderen Kommunen stattfinden, in denen ebenfalls Rechtsextremisten aktiv seien. Das Bndnis wolle sich auerdem neu ausrichten, sagte Gollnisch. Nach den Demonstrationen am NPD-Hof solle es knftig gesellige Veranstaltungen im Ort geben. "Wir wollen uns noch mehr vernetzen und auch in die Auendrfer gehen, um noch mehr Leute zu erreichen."

Weniger Teilnehmer in Eschede als in der Vergangenheit

Die Teilnehmerzahl beim Gang zum Finkenberg blieb diesmal hinter den vorherigen Veranstaltungen zurck. Manneke war dennoch insgesamt zufrieden, vermutet aber eine "gewisse Mdigkeit bei manchen Teilnehmern". Polizeisprecher Steffen Brmmer spricht von einem friedlichen Verlauf der Demonstration. "Der Schutz der Versammlung war gewhrleistet." Einziger Zwischenfall: An der Hermannsburger Strae wollten ein paar linke Autonome die Polizeiabsperrung durchbrechen, was aber erfolgreich unterbunden wurde. Fr erstaunte Blicke sorgte ein Hubschrauber, der eine Weile ber dem Finkenberg kreiste. Mit der Demonstration habe das aber nichts zu tun gehabt, so Brmmer. "Der gehrte nicht hierher, sondern stammt vom Fliegerhorst Gifhorn."