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Eschede Protest gegen Neonazi-Treffen in Eschede
Celler Land Eschede Protest gegen Neonazi-Treffen in Eschede
10:56 20.06.2010
Eschede

Eschede. „Das Landeskabinett ist in Celle auf dem Tag der Niedersachsen. Wenn es hier in Eschede ein Zeichen gegen Rechts setzen würde, wäre das prima.“ Dieser Wunsch von Maximilian Schmidt, SPD-Fraktionsvorsitzender im Celler Kreistag, wurde am Samstagnachmittag nicht erfüllt. Stattdessen machte Hans-Hermann Jantzen, Lüneburger Superintendent und nach dem Rücktritt von Margot Käßmann höchster Vertreter der evangelisch-lutherischen Landeskirche, den Demonstranten Mut.

„Wir setzen ein Zeichen für eine offene und demokratische Gesellschaft, für den Schutz von Minderheiten und ein friedliches Miteinander der Kulturen“, sagte Jantzen vor den rund 120 Teilnehmern des Protestes, von denen etwa 20 Prozent aus Eschede kamen. „Wir wollen keine rechten Kaderschmieden und Schulungszentren, weder hier in der Heide noch anderswo! Hier ist kein Platz für Rassismus und Antisemitismus, für Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung“, sagte der Bischofsvikar. Er erinnerte daran, dass die Kirche Land an Nahtz verpachtet habe. Der Vertrag werde 2014 nicht verlängert. Die Einnahmen würden in Projekte gegen Rechts fließen.

„Im Namen der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers danke ich allen, die sich gegen Rechtsextremismus und Gewalt engagieren, die oft viel Zeit einsetzen und große Zivilcourage zeigen. Ich bitte Sie: Bleiben Sie weiter wachsam! Und ich verspreche Ihnen: Wir bleiben an Ihrer Seite“, sagte Jantzen zum Abschluss.

Kurz nach 13 Uhr hatte sich der Protestzug am Escheder Bahnhof mit rund 100 Teilnehmern in Bewegung gesetzt. Durch die Bahnhofstraße und Bergener Straße ging es auf die Hermannsburger Straße. „Wir sind hier in der Pampa, im Ort wird die Demonstration gar nicht wahrgenommen“, sagte ein Teilnehmer. Das stimmte, denn die Polizei hatte die Landesstraße um 11.30 Uhr zwischen der Bundesstraße 191 und dem Abzweig zum Finkenberg komplett gesperrt.

Die Hauptforderung von Hartwig Erb vom DGB Nordostniedersachsen, der die Demonstration angemeldet hatte, lautete denn auch: „Wir wollen zum Finkenberg.“ Erb erhob ebenso wie Schmidt wegen der Auflagen bei der Demonstration Vorwürfe gegen Landrat Klaus Wiswe. Das Versammlungsgesetz sei höher zu bewerten als ein Hoffest. Erb kündigte neuen Protest zum Erntefest der Neonazis an.

Die Demonstration endet kurz an 15 Uhr wieder am Escheder Bahnhof, die Straßensperrung wurde um 16 Uhr aufgehoben.

Die zur Sonnwendfeiern anreisenden Neonazis wurden dieses Mal an der Einfahrt zum Finkenberg von der Polizei nicht kontrolliert. Ihre Zahl wurde gestern von der Celler Polizei mit 220 angegeben, darunter 10 bis 15 Kinder. Die Veranstaltung endete gegen 1.30 Uhr.

Von Joachim Gries